> > > Feldmann, Morton: Palais de Mari
Donnerstag, 21. März 2019

Feldmann, Morton - Palais de Mari

Vom Zeitzauber der Musik


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Das einzige, womit wir Komponisten wirklich arbeiten müssen, ist Zeit und Klang ? und manchmal bin ich mir nicht einmal über den Klang sicher.? - dies soll Morton Feldman einmal zu seinem Kompositionsschüler Tom Johnson gesagt haben und nicht nur dieser Ausspruch ist es, der den 1987 verstorbenen amerikanischen Morton Feldman zu seinem Ruf als einem ?Magier? der musikalischen Zeit hat kommen lassen. Dass seine Kompositionen unser Zeiterleben, ja, unser Gegenwartsempfinden intensiv beeinflussen, ist schon an den ersten Sekunden nachzufühlen.
Die vorliegende Einspielung stellt Klavierwerke Feldmans nebeneinander: Nature Pieces (1951/52), Three Dances (als Ersteinspielung), die berühmten Intermissions I-VI (1950/53), sowie mit Palais de Mari (1986) das letzte auskomponierte Klavierwerk Feldmans. Nahezu alle Werke sind von Feldmans typischer bis zur Askese reichender Reduktion geprägt. Leise, sensible Klänge, einzelne Töne stehen gleichermaßen zwischen ausgedehnten Pausen, nur selten dringt Grobes, Schroffes in die Stille ein. Es finden sich bisweilen ungewohnte Klänge durch Resonanzeffekte, durch Verwendung weiterer Quellen wie Trommeln oder ein Glas ? jenseits des Klaviers.

Sensibilität und Nuanciertheit
Die vorliegende Einspielung beweist die große Sensibilität Siegfried Mausers, der sowohl als praktizierender Musiker wie auch Theoretiker einen guten Namen hat. Er nuanciert feinste klangliche Unterschiede ? welche aufgrund der hohen Klangqualität auch hervorragend zu vernehmen sind. Die akkurate Behandlung der meist stark reduzierten Kompositionen sticht deutlich hervor, ebenso wie sein Gespür für Einzelheiten. Mauser zeigt überdies seine souveräne Technik in den mühelos bewältigten Passagen schneller und weiter Sprünge über die Klaviatur. Ebenso zollt er seinen Respekt an das makellose Timing, an dem Morton Feldman bekanntlich so viel gelegen hat ? nicht nur in seinem eigenen Überlegungen zur Interpretation von Feldmans Musik.
Das Booklet ist eher spärlich ausgefallen. Es wartet mit einer Fotografie Feldmans, einer Partiturseite, und neben den obligatorischen Lebensläufen noch mit einer knappen Einführung zu den einzelnen Werken auf, die von Siegrfried Mauser selbst geschrieben ist und auch seinen eigenen Reflexionen über Interpretationskunst Raum lässt. Eine ausführlichere Einführung, mehr Informationen wären zu wünschen.

Im Ganzen ist diese Einspielung ? trotz des bloß durchschnittlichen Booklets ? eine Empfehlung wert. Sie bietet eine überaus feinfühlige Interpretation der Werke eines außergewöhnlichen modernen Komponisten. Und nicht zuletzt handelt es sich bei den meisten Stücken dieser CD um Musik, die mit ihrer Sanftheit und Schönheit keine Laien in Sachen Neuer Musik verschrecken dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Marom,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Feldmann, Morton: Palais de Mari

Label:
Anzahl Medien:
Kairos
1



Cover vergössern

Feldmann, Morton


Cover vergössern

Interpret(en):Mauser, Siegfried


Cover vergössern

Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Kairos:

  • Zur Kritik... Nicht für schwache Nerven: Hochanspruchsvolle und interpretatorisch exemplarische Darbietungen komplexer Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Horror aus Österreich: Für Sommerfeste auf keinen Fall zu empfehlen: Olga Neuwirths düsterer Soundtrack zu 'Ich seh Ich seh'. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Plastische Klangwucht: Eine empfehlenswerte Porträt-CD des Labels Kairos widmet sich der Musik des Komponisten Samir Odeh-Tamimi. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Kairos...

Weitere CD-Besprechungen von Marom:

  • Zur Kritik... Feurig, kraftvoll und ausdrucksstark: Nichtsdestotrotz lässt sich die CD lässt sich durchaus für das Repertoire - selbst für Nicht-aficionados - empfehlen. Weiter...
    (Marom, )
  • Zur Kritik... Tradition und Innovation : Insgesamt ist diese Einspielung reizvoll und durchaus empfehlenswert für Liebhaber. Weiter...
    (Marom, )
  • Zur Kritik... Russische Non-Folklore: Auf jeden fall hat die CD eine Fülle einzigartigen, neuen Materials zu bieten - und obwohl die Musiker explizit auf den Rückgriff auf Volksliedmaterial verzichten. Weiter...
    (Marom, )
blättern

Alle Kritiken von Marom...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... (K)ein Meister der großen Form?: An der Orchestermusik von Joseph Marx dürfen sich die Geister scheiden. Damit sie das können, sind beherzte Aufnahmen nötig, wie sie Johannes Wildner und die Grazer Philharmoniker hier präsentieren. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Richard Strauss einmal anders: Das Münchner Klaviertrio präsentiert Kammermusik aus dem Jugendwerk von Richard Strauss in einer Einspielung voll wunderbarer Leichtigkeit. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Instrumentaler Gesang: Es ist sehr spannendes Projekt, aus den vielen Vertonungen von Metastasios 'Demofoonte' ein Album zu machen. Die Interpretation zollt den Kompositionen Respekt, bleibt aber einseitig. Weiter...
    (Silke Meier-Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2019) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich