> > > Feldmann, Morton: Palais de Mari
Donnerstag, 30. Juni 2022

Feldmann, Morton - Palais de Mari

Vom Zeitzauber der Musik


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


‚Das einzige, womit wir Komponisten wirklich arbeiten müssen, ist Zeit und Klang – und manchmal bin ich mir nicht einmal über den Klang sicher.‘ - dies soll Morton Feldman einmal zu seinem Kompositionsschüler Tom Johnson gesagt haben und nicht nur dieser Ausspruch ist es, der den 1987 verstorbenen amerikanischen Morton Feldman zu seinem Ruf als einem ‚Magier‘ der musikalischen Zeit hat kommen lassen. Dass seine Kompositionen unser Zeiterleben, ja, unser Gegenwartsempfinden intensiv beeinflussen, ist schon an den ersten Sekunden nachzufühlen.
Die vorliegende Einspielung stellt Klavierwerke Feldmans nebeneinander: Nature Pieces (1951/52), Three Dances (als Ersteinspielung), die berühmten Intermissions I-VI (1950/53), sowie mit Palais de Mari (1986) das letzte auskomponierte Klavierwerk Feldmans. Nahezu alle Werke sind von Feldmans typischer bis zur Askese reichender Reduktion geprägt. Leise, sensible Klänge, einzelne Töne stehen gleichermaßen zwischen ausgedehnten Pausen, nur selten dringt Grobes, Schroffes in die Stille ein. Es finden sich bisweilen ungewohnte Klänge durch Resonanzeffekte, durch Verwendung weiterer Quellen wie Trommeln oder ein Glas – jenseits des Klaviers.

Sensibilität und Nuanciertheit
Die vorliegende Einspielung beweist die große Sensibilität Siegfried Mausers, der sowohl als praktizierender Musiker wie auch Theoretiker einen guten Namen hat. Er nuanciert feinste klangliche Unterschiede – welche aufgrund der hohen Klangqualität auch hervorragend zu vernehmen sind. Die akkurate Behandlung der meist stark reduzierten Kompositionen sticht deutlich hervor, ebenso wie sein Gespür für Einzelheiten. Mauser zeigt überdies seine souveräne Technik in den mühelos bewältigten Passagen schneller und weiter Sprünge über die Klaviatur. Ebenso zollt er seinen Respekt an das makellose Timing, an dem Morton Feldman bekanntlich so viel gelegen hat – nicht nur in seinem eigenen Überlegungen zur Interpretation von Feldmans Musik.
Das Booklet ist eher spärlich ausgefallen. Es wartet mit einer Fotografie Feldmans, einer Partiturseite, und neben den obligatorischen Lebensläufen noch mit einer knappen Einführung zu den einzelnen Werken auf, die von Siegrfried Mauser selbst geschrieben ist und auch seinen eigenen Reflexionen über Interpretationskunst Raum lässt. Eine ausführlichere Einführung, mehr Informationen wären zu wünschen.

Im Ganzen ist diese Einspielung – trotz des bloß durchschnittlichen Booklets – eine Empfehlung wert. Sie bietet eine überaus feinfühlige Interpretation der Werke eines außergewöhnlichen modernen Komponisten. Und nicht zuletzt handelt es sich bei den meisten Stücken dieser CD um Musik, die mit ihrer Sanftheit und Schönheit keine Laien in Sachen Neuer Musik verschrecken dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Marom,


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    Feldmann, Morton: Palais de Mari

Label:
Anzahl Medien:
Kairos
1
Medium:

CD


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Feldmann, Morton


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Interpret(en):Mauser, Siegfried


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Kairos

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