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Dienstag, 17. September 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Konzertarien

Grosse Leichtigkeit und eine 'geläufige Gurgel'


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Große Leichtigkeit und eine 'geläufige Gurgel'

Eine schöne Stimme zu haben, ist zweifellos ein Geschenk. Tritt dieses gepaart mit Begabung und Talent auf, so liegt es in der Verantwortung eines jeden Künstlers, aus diesen seltenen und kostbaren Gaben, das Maximale herauszuholen. Dieses schuldet man sowohl sich selbst als auch der breiten Öffentlichkeit. Die junge Kölner Sopranistin Christiane Oelze muss wohl frühzeitig erkannt haben, mit was für außergewöhnlichen Fähigkeiten sie gesegnet ist und so verlief ihre Karriere geradlinig bis ganz nach oben. Spätestens ihre Interpretation der Pamina unter Sir John Eliot Gardiner machte sie Anfang der Neunziger schlagartig bekannt und öffnete ihr Türen und Tore der großen Opernhäuser und Bühnen auf der ganzen Welt. Die Aufnahme einiger Konzertarien Mozarts stammt aus jenem Erfolgsjahr 1994 und wurde von Berlin Classics 2004 neu aufgelegt. Zusammen mit dem Kammerorchester ‘Carl Philipp Emanuel Bach’ unter der Leitung von Hartmut Haenchen musiziert Christiane Oelze neun von Mozarts Konzertarien, die er über sein ganzes Leben verteilt für die unterschiedlichsten Sängerinnen komponierte. Da sich das Orchester - obwohl es auf modernen Instrumenten spielt - der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat, wurde auf eine genaue Edition der ausgewählten Stücke geachtet. Dies wird besonders durch die wohldurchdachten Einsätze des Cembalos dokumentiert.

Um es kurz zu machen: Die Einspielungen der damals 25 jährigen Sängerin sind rundum gelungen und begeisternd! Schon in der ersten Arie ‘Ah se in ciel, benigne stelle’ gelingt es ihr eindrucksvoll, ihre außergewöhnlich schöne Stimme zu präsentieren und ihre überragenden technischen Fähigkeiten anzudeuten. Die Phrasen klingen spielerisch und leicht, während die Kolleraturen als das Selbstverständlichste der Welt erscheinen. Sie sind durchweg kristallklar gesungen und keine Intonationsschwäche trübt ihren Glanz. Das Orchester unterstützt die Sopranistin bei ihrem Vortrag stets exakt und wohlüberlegt. Jedes Ritardando und jede kleine Zäsur werden organisch mitgefühlt, ohne dabei zu übertreiben oder den Hauch von Künstlichkeit auftreten zu lassen. Das vorgegebene Niveau wird über die vollständige Aufnahme gehalten. In der Szene mit Rondo für Sopran, Solo-Violine und Orchester KV 490 ‘Ch'io mi scordi di te? - Non temer, amato bene’ gelingt es auch der Violinistin Anja Weithaus souverän, sich der Klasse der Interpretation anzuschließen. Mit einem warmen und weichen Ton trägt sie so maßgeblich am Gelingen einer besonders eindrucksvollen Musiknummer bei.

Ihr ausgeprägtes dramatisches Gespür kann Christiane Oelze besonders in der Komposition Rezitativ, Arie und Kavatine für Sopran und Orchester KV 272 ‘Ah, lo previdi! - Ah, t'invola’ unter Beweis stellen. Hier lässt sich sehr gut erahnen, welche Möglichkeiten die Sopranistin in einer Opernrolle auf der Bühne zu bieten hat. Stimmungsumschwünge zwischen dramatisch-verzweifelt und lyrisch-hingebungsvoll wirken außergewöhnlich glaubhaft und ergreifend. Insgesamt stellt die Arienzusammentstellung eine gute Auswahl aus Mozarts Schaffen dar, die man sicherlich immer und immer wieder hören kann. Ein Kuriosum zum Schluss: Im Booklet befindet sich dankenswerter Weise der italienische Text der Arien - eine Übersetzung sucht man allerdings leider vergebens.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Martin Ballmeier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Konzertarien

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
1
Medium:

CD


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Mozart, Wolfgang Amadeus


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Dirigent(en):Haenchen, Hartmut
Orchester/Ensemble:Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach
Interpret(en):Oelze, Christiane
Weithaas, Anja


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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