> > > Tavares, Hekel: Concerto in Brazilian Forms for Piano and Orchestra No 2, Op105
Mittwoch, 30. November 2022

Tavares, Hekel - Concerto in Brazilian Forms for Piano and Orchestra No 2, Op105

Brasilianisches und spanisches Flair


Label/Verlag: Brana records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den einen Komponisten kennt man aufgrund eines einzigen Werkes, den anderen beinahe gar nicht: Isaac Albeniz (1860-1909) und Hekel Tavares (1896-1969). Vom Spanier Albeniz ist immerhin das Klavierwerk ‘Iberia’ verbreitet, der Brasilianer Tavares dagegen ist außerhalb seines Heimatlandes weitgehend unbekannt. Die polnisch-brasilianische Pianistin Felicja Blumental hat Werke für Klavier und Orchester von beiden Komponisten eingespielt, die jetzt beim Label Brana Records erschienen sind. Beim ‘Concerto in Brazilian Forms’ von Tavares wird sie vom London Symphony Orchestra unter Anatole Fistoulari begleitet; in Albeniz´ ‘Spanischer Rhapsodie’ stehen ihr Luigi Toffolo und die Filarmonica Triestina zur Seite. Das erste Klavierkonzert des Spaniers schließlich spielt sie zusammen mit Alberto Zedda und dem Torino Orchestra.

Bei seinem ‘Concerto in Brazilian Forms’ wollte Tavares offensichtlich die traditionelle Konzertform mit brasilianischen Elementen verquicken. Alle drei Sätze haben exotisch anmutende Titel und sind in durchweg flottem Tempo zu spielen. Im ersten Satz, ‘Modinha’ betitelt, klingt ein melodiöser, rhythmisch akzentuierter Tonfall an, der nahe an die europäische Romantik angelehnt ist. Insbesondere die Klavierkonzerte von Rachmaninov scheint Tavares gut gekannt zu haben. Das Klavier dominiert, das Orchester begleitet – klarer könnte die Rollenverteilung nicht sein. Auch der zweite Satz strotzt nicht gerade vor Originalität, obwohl die folkloristisch angehauchten Melodien gefallen können.
Im Finale, dem ausgedehntesten Satz des Werkes, kann Felicja Blumental ihre Virtuosität voll ausspielen, während sich das Orchester dezent zurückhält – oder von Fistoulari zurückgehalten wird. Unter den zahlreichen Klavierkonzerten des 20. Jahrhunderts nimmt das ‘Concerto in Brazilian Forms’ keine herausragende Stellung ein. Eine gelungene Abwechslung vom Standardrepertoire stellt es aber auf jeden Fall dar, zumal in der tadellosen Leistung der beteiligten Interpreten.

Die ‘Spanische Rhapsodie’ komponierte Albeniz zunächst als Orchesterwerk, das er dann für Klavier und Orchester umschrieb. Daneben existiert auch eine Fassung für Klavier allein. Das farbenprächtige, spielerische Werk wird von Blumental gekonnt interpretiert, eine zündende Komposition wie ‘Iberia’ ist es allerdings nicht. Virtuosität vermischt sich darin mit spanischem Flair, viel Tiefgang darf man nicht erwarten. Hier trifft sich die ‘Spanische Rhapsodie’ mit dem ‘Concerto in Brazilian Forms’ von Tavares. Der Musikgenuss beim Hören der ‘Spanischen Rhapsodie’ wird leider durch einige Nebengeräusche beeinträchtigt.

Albeniz´ erstes Klavierkonzert trägt die Opuszahl 78, was jedoch keineswegs bedeutet, dass der Spanier zuvor schon 77 gedruckte Werke vorgelegt hätte. Vielmehr sollte die hohe Opuszahl wohl dem Frühwerk eine ‘reife’ äußerliche Erscheinung geben. Der erste Satz folgt den üblichen Konzertnormen mit einem Lisztschen Klaviersatz und effektvoller Orchesterbegleitung. Blumental zeigt, was sie kann, das Torino Orchestra unter Alberto Zedda lässt ihr alle erdenklichen Freiheiten. Im als ‘Reverie e Scherzo’ originell angelegten zweiten Satz dominieren lyrische Klänge, der Klavierpart bleibt trotzdem virtuos. Die klangliche Balance zwischen Solistin und Orchester ist insgesamt ausgewogen. Keine großen Überraschungen mehr bietet dann das Allegro-Finale, ein virtuoser und effektvoller, aber nicht besonders substanzreicher Schlusssatz.

Das Gesamturteil fällt zwiespältig aus: Einerseits ist es höchst erfreulich, wenn das umfangreiche Repertoire von Felicja Blumental durch entsprechende Veröffentlichungen dokumentiert wird. Ihre Einspielungen dieser drei Werke für Klavier und Orchester zwischen später Romantik und früher Moderne ermöglichen einen Blick auf selten gespielte Kompositionen. Andererseits handelt es sich dabei durchweg um zweitklassige Werke. Mehr Breite als Tiefe also – dies aber auf interpretatorisch hohem Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tavares, Hekel: Concerto in Brazilian Forms for Piano and Orchestra No 2, Op105

Label:
Anzahl Medien:
Brana records
1
Medium:

CD


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Albéniz, Isaac
Tavares, Hekel


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Dirigent(en):Toffolo, Luigi
Zedda, Alberto
Fistoulari, Anatole
Orchester/Ensemble:London Symphony Orchestra
Torino Orchestra
Interpret(en):Blumental, Felicja


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Brana records

Brana Records exists to restore and publish rare recordings by neglected artists and recordings of newly discovered masterpieces.
Our current focus is the life and work of the Polish / Brazilian pianist Felicja Blumental who overcame prejudice to scale the heights of her chosen profession. A champion of the piano music of the early 19th Century outside that of the regular repertory, she recorded works by lesser known composers such as Arensky, Clementi, Czerny, Kuhlau, Hoffmeister, Hummel and Ries, as well as acclaimed recordings of Mozart, Beethoven and Chopin.
It is these wonderful recordings that we are restoring and releasing to create a lasting record of this wonderfully talented pianist.


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