> > > Villa-Lobos, Heitor: Piano Concerto No 5 (Live)
Samstag, 10. Dezember 2022

Villa-Lobos, Heitor - Piano Concerto No 5 (Live)

Villa-Lobos aus erster Hand


Label/Verlag: Brana records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bis heute ist Heitor Villa-Lobos (1887-1959) der einzige brasilianische Komponist, der internationales Ansehen genießt. Zusammen mit Milhaud und Martinu darf man ihn zu den produktivsten Tondichtern des 20. Jahrhunderts rechnen, sein Schaffen umfasst über 1000 Werke aller Gattungen. Darunter befinden sich zahlreiche konzertante Werke, ob sie nun ausdrücklich als Konzert betitelt sind oder in der langen Reihe der ‘Chôros’ und ‘Bachianas Brasileiras’ stehen. Insbesondere für das Klavier schrieb Villa-Lobos viel, alleine fünf Konzerte für Klavier und Orchester. Der polnischen Pianistin Felicja Blumental, die seit 1942 in Brasilien lebte und dort mit dem Komponisten zusammenarbeitete, ist das 5. Klavierkonzert gewidmet. Kurz nach der Uraufführung des Werkes 1955 in Wien entstand die vorliegende Aufnahme mit Blumental und den Wiener Philharmonikern unter Leitung des Komponisten, die bei Brana Records erscheint. Neben einigen kleineren Klavierstücken spielt Felicja Blumental auch die ‘Bachianas Brasileiras’ Nr. 3 für Klavier und Orchester; hier wird sie von der Filarmonica Triestina unter Luigi Toffolo begleitet.

Villa-Lobos war kein Freund übermäßig langer Werke, das 5. Klavierkonzert dauert etwa 20 Minuten. Mit den üblichen drei Sätzen und einer kaum angetasteten Tonalität bildet das Werk einen denkbar großen Gegensatz zur in den 1950er Jahren von vielen Komponisten praktizierten seriellen Musik. Im ersten Satz, ‘Allegro non troppo’, kommt nach einigen heftigen Passagen des Orchesters das Klavier mit moderateren Tönen zum Zug. Die 50 Jahre alte Aufnahme bietet leider kein optimales Klangbild, das Klavier steht teilweise so sehr im Vordergrund, dass es selbst für ein Solokonzert zu viel ist. Immerhin darf man mit dem Komponisten am Dirigentenpult und der Widmungsträgerin am Klavier von einer sorgfältigen Interpretation ausgehen.
Der zweite Satz überrascht durch komplexe Rhythmen und einen etwas größeren Anteil des Orchesters, das dennoch fast nur in Form der Streicher zu hören ist. Allenfalls die Blechbläser können sich gelegentlich zu Wort melden, das Holz geht beinahe völlig unter. An Felicja Blumentals Interpretation gibt es dagegen nichts auszusetzen, sie meistert auch den dritten Satz, der das letzte Klavierkonzert des Brasilianers mit Schwung beschließt.

Die vier kurzen Klavierstücke klingen in etwa so, wie es ihre Titel versprechen. Ihre ideale Position in einem Klavierabend dürfte als Zugabe am Ende sein, insbesondere die beiden tanzartig angelegten Kompositionen ‘Dança do Indio Branco’ und ‘Dança Brasileira’ können als flotte Miniaturen gefallen. Felicja Blumental bemüht sich auch um ‘Garibaldi foi a Missa’ und die ‘Serenata Humoristica’, deutlich schwächer ausgefallene Kompositionen. Der Klang ist hier etwas besser eingefangen als in der Aufnahme des 5. Klavierkonzertes, Nebengeräusche sind aber immer noch vorhanden.

Die ‘Bachianas Brasileiras’ Nr. 3 für Klavier und Orchester zeigen Villa-Lobos von einer anderen Seite, die Inspiration durch das große Vorbild ließ ein klar konturiertes Werk entstehen, das von Felicja Blumental und der Filarmonica Triestina unter Luigi Toffolo mustergültig vorgetragen wird. Im ‘Preludio’, dem ersten der vier Sätze, wechseln sich Solistin und Orchester munter ab, die durch Bachschen Einfluss ‘gemäßigte’ Fantasie des Komponisten macht es beiden Teilen möglich, Anteil am Gesamtgeschehen zu erlangen. Die ‘Fantasia’ handhabt dieses Verhältnis erwartungsgemäß etwas freier, die Ansprüche an den Solopart steigen, Felicja Blumental meistert alle Hürden auf eine Weise, die tiefe Vertrautheit mit dem Werk des Komponisten erkennen lässt.
Die ‘Aria’ steht zwar ein gutes Stück hinter den beiden ersten Sätzen zurück, bietet aber gelungene Melodien, die man nach dem bisher Gehörten nicht erwartet hätte. Virtuos geht es in der abschließenden ‘Toccata’ zu, aber der Eindruck einer gewissen Beliebigkeit bleibt haften. Insgesamt sind die ‘Bachianas Brasileiras’ Nr. 3 trotzdem das beste Werk auf der CD.

Für einen Villa-Lobos aus erster Hand muss man erhebliche Abstriche bei der Klangqualität in Kauf nehmen. Wer das Werk des Brasilianers bewundert, wird dies wohl ohne Murren tun; allgemein kann die Platte aber nur bedingt empfohlen werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Villa-Lobos, Heitor: Piano Concerto No 5 (Live)

Label:
Anzahl Medien:
Brana records
1
Medium:

CD


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Guarnieri, Camargo
Mignone, Francisco
Villa-Lobos, Heitor


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Orchester/Ensemble:Filarmonica Triestina
Vienna Chamber Orchestra
Interpret(en):Blumental, Felicja


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Brana records

Brana Records exists to restore and publish rare recordings by neglected artists and recordings of newly discovered masterpieces.
Our current focus is the life and work of the Polish / Brazilian pianist Felicja Blumental who overcame prejudice to scale the heights of her chosen profession. A champion of the piano music of the early 19th Century outside that of the regular repertory, she recorded works by lesser known composers such as Arensky, Clementi, Czerny, Kuhlau, Hoffmeister, Hummel and Ries, as well as acclaimed recordings of Mozart, Beethoven and Chopin.
It is these wonderful recordings that we are restoring and releasing to create a lasting record of this wonderfully talented pianist.


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