> > > Holst, Gustav: The Evening Watch and other choral music
Donnerstag, 9. Dezember 2021

Holst, Gustav - The Evening Watch and other choral music

Wiederentdeckung


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist ruhig geworden um den Komponisten Gustav Holst. Und das nicht nur hierzulande, wo bestenfalls die Orchestersuite ‚Die Planeten’ einem breiteren Publikum bekannt sein dürfte, sondern auch in seinem Heimatland England. Seit dem Tod von Holsts Tochter Imogen 1984, die sich zeitlebens für die Förderung und die Edierung der Werke ihres Vaters eingesetzt und zahlreiche Einspielungen der Chorwerke geleitet hat, scheint die Attraktivität seiner Musik für eine discographische Aufarbeitung selbst in England kein Kontinuum zu bilden. Einst setzte Sir Adrian Boult mit Aufnahmen der Orchesterwerke Gustav Holsts in den 60er und 70er Jahren Marksteine in der Holst-Rezeption. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Mal hier, mal da erscheint vereinzelt eine Veröffentlichung. Eine Auswahl von Chorwerken, die bereits 1989 erstmals erschienen ist, wurde nun bei ‚hyperion’ wiederveröffentlicht und macht deutlich, das es auf dem Gebiet des Chorrepertoires noch viel Unentdecktes zu entdecken gibt.

Komponieren in Klangfarben
Die von den Holst Singers, dem Holst Orchestra unter der Leitung von Hilary Davan Wetton eingespielten Chorstücke entstanden während der Jahre 1912 und 1932 und sie lassen den Wandel erkennen, der Holsts Kompositionsstil in diesem Zeitraum prägte. Während die beiden Psalmvertonungen H 117 aus dem Jahr 1912 jeweils einem Kirchenchoral zugrunde liegen und in nahezu traditioneller Weise diese Gesänge paraphrasieren, zeigen die anderen Stücke, allen voran die ‚Six Choruses’ H 186 für Männerstimmen und Streichorchester von 1931/32 eine weitaus detailliertere Textausdeutung und gleichzeitig eine Ökonomie des Ausdrucks, die ein Kennzeichen für den hohen Grad an Individualität der Musik des späten Holst sind. Es ist gerade die vermeintliche Kargheit, Kühle und stringente Sparsamkeit der vokalen Mittel, die die Kompositionen so interessant machen, weil Holst hier vielmehr in orchestral-klangfärberische Dimensionen eintaucht, damit aber dennoch vokale Formkonzepte einlöst.
Die Holst Singers machen ihrem Namensgeber alle Ehre. Disziplinierte Textdeutlichkeit ist das oberste Gebot, das Hilary Davan Wetton dem Vokalensemble auf die Fahnen geschrieben hat. Doch ist es nicht nur die gute Textverständlichkeit, mit der diese Einspielung überzeugt, es ist vor allem der hervorragend disponierte Mischklang des Chores, sei es als gemischtes Ensembles oder auch in der Unterteilung von Frauen- und Männerchor. Die einzelnen Stimmen jeder Stimmgruppe verschmelzen einheitlich und ohne Dominanz einzelner Führungsstimmen. Die Transparenz polyphoner und homophoner Passagen ist das Ergebnis eines kultiviert-homogenen Chorklangs, der vor allem in den achtstimmigen Werken profundes Volumen und reine Klangpracht entwickelt.
Die Chorsolisten treten mit natürlichen, klaren und unaufdringlich vibratoarmen Stimmen hervor. Lediglich der Tenor Christopher Mercer füllt die Rezitative in ‚Psalm 86’ mit weitaus weniger gefestigter Timbrierung aus als Ian Partridge in der Aufnahme unter der Leitung von Imogen Holst aus dem Jahr 1964.
Hilary Davan Wetton räumt dem Holst Orchestra wenig Prominenz und Dominanz ein, was den Stücken nur gut tut. Zuvorderst sind die vokalen Anteile vorrangig, weil vom Komponisten so gewollt. Und doch liefert das Orchester nicht bloß Klangteppiche, sondern begleitet den Chor mit leicht-texturierter Klanggebung und dynamisch differenzierten Erfordernissen. Wettons oftmals derb zupackendes Dirigat weicht hier einer elegant geführten Phrasierung und fordert vom Orchester subtile Artikulation ein.

Die Klangqualität der 16 Jahre alten Aufnahmen ist nach wie vor zufriedenstellend. Sowohl der Chor als auch das Orchester sind in ihren unterschiedlichen Schichten so transparent aufgenommen, dass das Klangbild ausreichend Natürlichkeit evoziert und darüber hinaus Räumlichkeit bietet. Etwas mehr Tiefe hätte den Aufnahmen und dem akustischen Gesamteindruck gut getan. Das Booklet enthält sehr gute Informationen über jedes einzelne Werk und natürlich sämtliche Gesangstexte.
Erlesene Chorstücke, die einer Entdeckung wert sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Holst, Gustav: The Evening Watch and other choral music

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
15.03.2004
Medium:
EAN:

CD
0034571151700


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Holst, Gustav


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Dirigent(en):Wetton, Hilary Davan
Orchester/Ensemble:Holst Orchestra
Interpret(en):Collyer, Isobel
Logan, Joya
Mercer, Christopher
Birch, John


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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