> > > Schubert, Franz: Octet in F major D 803 - op. posth. 166
Montag, 25. März 2019

Schubert, Franz - Octet in F major D 803 - op. posth. 166

Fünf Streicher und drei Bläser


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der Kammermusik Franz Schuberts nimmt das Oktett (D 803) vor allem durch seine Besetzung eine Sonderstellung ein. Anders als Mendelssohns ausschließlich für Streicher geschriebenes Oktett ist es für Streichquartett, Kontrabass, Klarinette, Fagott und Horn komponiert. Man könnte also schon fast von einem Kammerorchester sprechen, jendefalls bildet das 1824 fertiggestellte Werk einen gewichtigen Eckpfeiler in Schuberts Oeuvre. Mit beinahe einer Stunde Spieldauer nähert es sich schon den vielzitierten ?himmlischen Längen? der 8. Symphonie.

Die Camerata Freden hat das Werk bei Tacet eingespielt und begibt sich damit in eine relativ lange Reihe bereits vorhandener Aufnahmen, darunter eine von vielen als unüberbietbar betrachtete mit unter anderem Gideon Kremer, Isabelle van Keulen und Radovan Vlatkovic (Deutsche Grammophon). Doch gleich nach den ersten Minuten des einleitenden Adagio/Allegro-Satzes wird klar, dass sich die Fredener vor den großen Namen nicht verstecken müssen. Die Streicher stehen zunächst etwas im Vordergrund, doch Michael Hesselink (Klarinette) und Ron Schaaper (Horn) sorgen bald für ausgewogene Verhältnisse. Der spielerische Charakter des Werkes wird nicht überbetont, die dramatisch-pathetischen Abschnitte werden nicht vernachlässigt ? in dieser Hinsicht eine ideale Balance. Adrian Adlam an der ersten Geige überragt seine Streicherkollegen, die insgesamt auf hohem Niveau spielen, noch um ein gutes Stück.
Im an zweiter Stelle stehenden Adagio bekommt man auch das sonore Fagottspiel von Letizia Viola zu hören, die zuvor ein wenig blass geblieben war. Die vielgerühmten Schubertschen Melodien werden von den acht Musikern hervorragend zur Geltung gebracht, ebenso lobenswert ist das klare, natürliche Klangbild der CD. Den dritten Satz könnte man formal als Scherzo bezeichnen, bei einem insgesamt sechs Sätze umfassenden Werk dürfte dies aber stark an den Haaren herbeigezogen sein. Ob das Stück nun näher am Divertimento oder näher an der Symphonie steht ? die Camerata Freden kümmert sich nicht um solche Fragen, sondern spielt das Werk einfach, und es gelingt ihr bestens.
Gemäß dem weitgehend durchgehaltenen Abwechslungsprinzip folgt nun auf den schnellen dritten Satz mit dem ?Andante? wieder ein langsamer Abschnitt, der melodisch nicht ganz so ausgefeilt erscheint wie das Adagio. Wiederum überrascht es zu hören, wie stimmungsvoll die von Schubert sicherlich beabsichtigte Balance zwischen Streichern und Bläsern klanglich umgesetzt wird. Weder versuchen die fünf Streicher, den Ton anzugeben, noch kommt einer der drei Bläser auf die Idee, sich als Solist aufzuspielen. Gerade für Ron Schaaper am Horn böten sich hier einige Passagen, aber er verzichtet dankend und stellt sich ? zum Wohl des Gesamtergebnisses ? in eine Reihe mit seinen Kollegen.

Das ?Menuetto? an fünfter Stelle ist der einzige Satz mit eigenem ?Namen?; die anderen Sätze tragen nur Vortragsbezeichnungen. Ein gewisser Spannungsabfall ist hier nicht zu überhören, vielleicht als Vorbereitung des ausgedehnten Finales. Merkwürdig jedenfalls, das sich die Fredener diesem Nachlassen anschließen, hier ist die Interpretation des Ensembles nicht mehr so inspiriert wie in den vorangegangenen Teilen des Werkes.
Das Finale gehen die acht dann wieder engagierter an. Hesselink sorgt mit neckischen Einwürfen seiner Klarinette für die nötige Prise Humor, so dass man nicht in Versuchung kommt, alle möglichen seelischen Abgründe Schuberts in das Werk hineinzuinterpretiern. Damit soll das Oktett aber nicht zum ?musikalischen Spaß? herabstilisiert werden ?auf die Balance kommt es an, und die stimmt bei der Camerata Freden.

Auch wer die erwähnte Deutsche-Grammophon-Einspielung schon besitzt, kann über den Erwerb dieser Aufnahme nachdenken, denn die Fredener stellen in vielen Aspekten einen Gegenentwurf zum ?Superstar?-Ensemble um Gideon Kremer dar. Oliver Buslaus Booklett-Text verdient eine lobende Erwähnung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Octet in F major D 803 - op. posth. 166

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
01.12.2003
EAN:

4009850013303


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Schubert, Franz


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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