> > > Beethoven, Ludwig van: String Quartets op.18 Nos. 1 & 4
Dienstag, 20. August 2019

Beethoven, Ludwig van - String Quartets op.18 Nos. 1 & 4

Leicht und mühelos


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hier sind Musiker am Werk, die niemandem mehr beweisen müssen, wie verteufelt gut sie sind.

Eine kleine Beschwerde vorweg: 49 Minuten und 45 Sekunden dauern Beethovens Quartette op. 18 Nr. 1 und 4 in der Interpretation des Leipziger Streichquartetts. Das ist der Plattenfirma Dabringhaus & Grimm - angesichts 75 Minuten Spieldauer einer CD - wohl etwas knauserig erschienen. Statt nun aber ein weiteres Quartett dazuzupacken (op. 18 Nr. 3 etwa hätte, beim Tempo der Leipziger, durchaus noch Platz gehabt), liefert man lieber "Bonustracks" aus dem Back-Katalog: je einen Quartett-Satz von Schubert, Romberg und Mozart. Das ist ungefähr so nützlich wie wenn ein Buchverlag nach, sagen wir, Goethes "Wahlverwandtschaften" noch je ein "Bonuskapitel" von Jean Paul, Zschockke und Kleist abdruckte.

Soweit die kleine Beschwerde. Nun aber zur großen Hymne, die dem Leipziger Streichquartett für diese Aufnahmen gebührt. Seit 1994 ist die Gesamtaufnahme der Beethovenschen Streichquartette bei MDG nun dabei, allmählich komplett zu werden (bisher sind die Quartette op. 59, 3, op. 74, 131 und 135 erhältlich). Und dass sich das 1988 gegründete Ensemble soviel Zeit lässt, zahlt sich hörbar aus.

Auch Beethoven ließ sich Zeit: Die sechs Streichquartette op. 18 wurden 1801 im Wiener Verlag Mollo publiziert. An den später als Nr. 1 bis 3 gezählten Stücken arbeitete er teilweise schon seit 1798. Vor der Veröffentlichung hat er sie gründlichen Revisionen unterzogen, weil ‚ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weiß' (so der Kompopnist an seinen Freund Carl Amenda). Ähnlich intensiv muss man in Leipzig an den Interpretationen gefeilt haben.

Man mache sich die Mühe - bzw. das Vergnügen! - und lese beim Hören die Partitur mit. Da sitzt einfach jeder Bindebogen, jeder Staccatopunkt an seinem Platz. Das heißt freilich nicht, es ginge hier lediglich um Texttreue. Was diese Interpretationen so bezwingend macht, ist ihre Leichtigkeit und Mühelosigkeit. Gerade den hier eingespielten frühen Quartetten steht das gut zu Gesicht, in denen Beethoven variierend an die Gattungstradition anknüpft, vor allem an die Quartette Haydns.

Vom Klischee des grimmen Titanen der "heroischen" Schaffensperiode ist hier noch wenig zu spüren. Das Quartett op. 18, Nr. 4 etwa hält nicht, was seine Tonart dem Beethoven-Kenner zu versprechen scheint. Es steht in c-Moll, der sprichwörtlichen "Schicksals"-Tonart der fünften Sinfonie und der Klaviersonate mit dem Beinamen "Pathétique", durchkreuzt aber die damit verbundenen Erwartungen gründlich, wie zumal die glückliche Gegenüberstellung mit dem F-Dur Quartett op. 18, Nr. 1 zeigt. Dem dortigen "Adagio apassionato ed affetuoso" steht hier ein "Andante scherzoso" gegenüber, dem Scherzo ein zopfiges Menuett und auch der Kopfsatz unternimmt kaum so große Anstrengungen bei der thematischen Arbeit wie das Schwesterwerk.

Beim Leipziger Streichquartett ist all dies in den denkbar besten Händen. Nichts ist hier auf Effekt getrimmt. Der Klang des Ensembles ist weich und äußerst homogen, Akzente werden sicher und mit leichter Hand platziert, die Tempi sind organisch flüssig. Man höre einmal, mit welcher Umsicht und Zurückhaltung sie sich dem dramatischen langsamen Satz aus dem F-Dur-Quartett nähern. Hier sind Musiker am Werk, die niemandem mehr beweisen müssen, wie verteufelt gut sie sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Christian Möller,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: String Quartets op.18 Nos. 1 & 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.05.2000
69:44
1999
2000
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0760623085326
MDG 307 0853-2

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Beethoven, Ludwig van
Mozart, Wolfgang Amadeus
Romberg, Andreas
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 - Streichquartett Allegro con brio D 173 -
 - Streichquartett Andante con espressione op. 1 Nr. 3 -
 - Streichquartett Allegro KV 590 -
Schubert, Franz


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Interpret(en):Leipziger Streichquartett,


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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