> > > Beethoven, Ludwig van: Symphony No.2
Samstag, 25. Mai 2019

Beethoven, Ludwig van - Symphony No.2

Zeitloses Hörerlebnis


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Wiederbelebung des musikalischen Zeitgeistes der zwanziger Jahre.

Bei historischen Aufnahmen scheiden sich die Geister: Gibt es nicht genügend Einspielungen der letzten Jahrzehnte die - in besserer Klangqualität - ebenso grandios und einzigartig sind? Muss man wirklich Aufnahmen, die aus den Anfängen der Schallplattenindustrie stammen, jetzt wieder herauskramen und artifiziell halbwegs anhörbar machen ?

Nach dem Hören dieser Aufnahmen aus den Jahren 1928/29 dürfte hieran wohl kein Zweifel mehr bestehen.

Erich Kleiber hat mit seiner Interpretation der zweiten Sinfonie Beethovens ein zeitloses Hörerlebnis geschaffen. Das Orchester der Berliner Staatsoper besticht durch herausragende Präzision.

Nach der breit genommenen langsamen Einleitung wird das Allegro molto in einem ebenso ungewohnt langsamen Tempo gehalten, was dem Satz eine erstaunliche Ruhe gibt, ihm aber nicht den Biss nimmt. Ohne Hast und Eile kommt der animierte Charakter des Satzes voll zur Geltung. Im zweiten Satz, dem kantablen Larghetto, stellt Kleiber dann seinen Sinn für große musikalische Bögen unter Beweis. Er hält die Spannung vom ersten bis zum letzten Takt und lässt trotzdem die kleinen, eleganten Verzierungen verspielt hervorblitzen.

Als weiteres Werk dieser CD wurde Beethovens Vierte ausgewählt; erneut mit dem Orchester der Berliner Staatsoper. Diesmal aber unter der Leitung von Hans Pfitzner.

Das Allegro vivace des besonders kontrastreichen ersten Satzes wird von Pfitzner in recht flottem Tempo genommen. Der Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit wird vom Orchester lebendig ausgedrückt statt - wie in zahlreichen anderen Aufnahmen - in der Entwicklung zeitweise in Erstarrung stecken zu bleiben.

In den letzten beiden Sätzen stellt Hans Pfitzner unter Beweis, dass er ein Meister der intelligenten Gestaltung ist: Das Allegro ma non troppo, gespickt mit Tempiwechseln und Rubati, kleinen Pausen und Verzierungen gleitet Pfitzner nie aus den Händen und bleibt stets brillant und durchsichtig.

Naxos hat hier zwei Aufnahmen wiederbelebt, die nicht nur den musikalischen Zeitgeist der zwanziger Jahre dokumentieren, sondern auch zwei legendäre Dirigentenpersönlichkeiten zeigen, die für ihre Zeit teils auch unkonventionelle Züge in ihren Interpretationen Beethoven`scher Musik aufweisen.

Für eine historische Aufnahme ist die Klangqualität durchaus akzeptabel, weist aber doch an vielen Stellen Schwächen auf. Insbesondere die niedrige Grundlautstärke stört den Genuss.

Das leider nur englische Booklet ist Naxos etwas zu kurz geraten. Der musikwissenschaftliche Text von Rob Cowan ist zwar durchaus informativ, jedoch hätten einige Notizen zu den Dirigenten und über Beethoven den positiven Eindruck gestärkt. Naxos räumt im Booklet ein, dass infolge einiger Dokumentationsungenauigkeiten der erstaufnehmenden Deutschen Grammophon/Polydor erhebliche Schwierigkeiten bestehen, zwischen Erstausgabe und dem Jahr der Aufnahme zuverlässig zu unterscheiden. Wahrscheinlich sind die bekannten Jahreszahlen die der Erstveröffentlichung. Die hier verwandte Vorlage stammt bereits aus einer Ausgabe aus dem Jahr 1978, ist mithin wohl die historische Aufnahme einer historischen Aufnahme.

Wie auch immer! Naxos überrascht erneut mit einer ungewöhnlich interessanten Produktion zu dem gewohnt fairen Preis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Symphony No.2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Naxos
1
29.05.2000
62:39
1928
2000
EAN:
BestellNr.:
0636943191927
8.110919

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Beethoven, Ludwig van


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Dirigent(en):Pfitzner, Hans Erich
Kleiber, Erich
Orchester/Ensemble:Berlin State Opera Orchestra


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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