> > > Bruckner, Anton: Sinfonie VIII
Dienstag, 29. September 2020

Bruckner, Anton - Sinfonie VIII

Jubiläumsaufführung in sakralem Rahmen


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anlässlich seines 150-jährigen Bestehens führte das Aachener Sinfonieorchester unter der Leitung des neuen musikalischen Leiters, Marcus R. Bosch, Anton Bruckners (1824 -1896) monumentale 8. Sinfonie in c-Moll auf. Der Mitschnitt aus der Aachener St. Nikolauskirche ist gegenwärtig bei Coviello Classics erschienen.
Aufführungen in sakraler Atmosphäre sind bei Werken Bruckners keine Seltenheit. So wurden seine Werke schon kurz nach seinem Tode im Rahmen einer Brucknergemeinde in Kirchen aufgeführt. Der Kopfsatz der Sinfonie weist nach dem Vorbild der Dreifaltigkeit drei große Themengruppen auf – ein weiteres Indiz, das Bruckners tiefe Verbundenheit mit dem Glauben zur Geltung bringen soll.
Die 8. Sinfonie, so wie sie heutzutage meist aufgeführt wird, ist bereits die Zweitfassung in der Ausgabe von Robert Haas. Eine gründliche Überarbeitung der Erstfassung aus dem Jahre 1876 wurde von Bruckner vorgenommen, als der Dirigent Hermann Levi die erste Version nach starker Kritik ablehnte. Der erste Satz wurde derart neu gestaltet, dass sogar die Partitur neu geschrieben werden musste. Umso mehr zählte die Uraufführung der dem Kaiser Franz Joseph gewidmeten Sinfonie im Jahre 1892, diesmal unter Hans Richter, zu Bruckners größten Erfolgen.

Blechbläser dominieren das Gesamtklangbild
Die Sinfonie beginnt mit dem ersten Satz (allegro moderato) wie eine Erinnerung an Richard Wagner, den Bruckner keinesfalls missbilligte. Musikalisch besticht im Kopfsatz Bruckners ausdifferenzierte Klangarchitektur, die vom Orchester originalgetreu umgesetzt wird. Klangteppiche und Klangflächen sind durch markante Rhythmen, die im Verlauf des Werkes immer wiederkehren, durchbrochen. Die Dynamik - das Klangvolumen eines für das 19. Jahrhundert typischen ‘großen romantischen Orchester’ wird dem Hörer beispielhaft verdeutlicht - schaukelt sich immer wieder wellenartig auf und versinkt darauf sofort im ‘subito piano’.
Leider wird der Gesamtklang, vor allem im ersten Satz, aber auch über das ganze Stück, vom Blech dominiert. Die Blechbläser, deren starke Besetzung zwar am Ende des 19. Jahrhunderts unter Wagner und Bruckner ihren Höhepunkt erreichte, schmettern die Streicher fast zu Boden und dominieren das Klangbild zu stark. Dagegen ist die Besetzung von lediglich vier Bässen, die gegen ein gewaltige Blechlawine ankämpfen müssen, zu wenig. Im Orchestertutti ist von ihnen kaum mehr etwas zu hören und es fehlt an Fundament.
Wunderschön lyrisch, voll innerer Spannung, wird das weit gedehnte Adagio interpretiert. Ausbalancierte Streicherklänge bilden den Teppich für perlende Harfeneinsätze, die sich gegen Mitte des dritten Satzes zusammen mit dem kompletten Bläserapparat in ein kraftvolles Fortissimo-Donnern des Orchesters steigern und den Satz im pianissimo verlassen. Pulsierend eröffnet der pompöse Finalsatz, ehe er sich vor der gewaltigen endenden Coda nochmals in ruhigeren Passagen aufhält. Trotz aller technischen Schwierigkeiten bleibt die Intonation bei Streichern und Bläsern stets sauber. Der Schluss des fast 23 Minuten langen Finalsatzes setzt dem genialen Werk Bruckners durch einen immensen musikalischen Kraftausbruch einen sinfonischen Höhepunkt. Dabei sind zusammenfassend alle vier Themenköpfe übereinander geschichtet.

Hochwertiges Booklet und DVD Bonus
Das Booklet beinhaltet alle relevanten Informationen zur Entstehung des Werkes, zum Orchester und zu dem noch jungen Dirigenten Marcus R. Bosch. Dabei kann ebenfalls auf eine englische und französische Übersetzung zurückgegriffen werden. Als Bonus legt Coviello Classics eine DVD, ebenfalls mit der Liveaufnahme bei. Für einen Livemitschnitt ist die Audioqualität durchaus überzeugend. Keine störenden Hintergrundgeräusche trüben das Klangbild.

‘Krone der Sinfonik’
Laut dem Dirigenten Sergiu Celibidache stellt Bruckners Achte die ‘Krone der Sinfonik’ dar – die Krone für die beste Einspielung kann in der Masse der großen Konkurrenz für die Interpretationen dieses Werks nicht vergeben werden, obwohl die vorliegende Einspielung isoliert betrachtet eine gelungene Aufführung darstellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Florian Lang Kritik von Florian Lang,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie VIII

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Coviello Classics
2
01.01.2004
75:55
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4039956303015
COV 30301


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Bruckner, Anton
 - Sinfonie Nr. 8 c-moll - 1. Allegro moderato
 - Sinfonie Nr. 8 c-moll - 2. Scherzo: Allegro moderato - Trio: Langsam
 - Sinfonie Nr. 8 c-moll - 3. Adagio: Feierlich langsam, doch nicht schleppend
 - Sinfonie Nr. 8 c-moll - 4. Finale: Feierlich, nicht schnell


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Orchester/Ensemble:Sinfonieorchester Aachen


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"Die Liste berühmter Dirigenten, die in Aachen ihre Weltkarriere mitbegründeten, liest sich eindrucksvoll: Fritz Busch, Herbert von Karajan und Wolfgang Sawallisch sind nur einige der Stars, die sich hier erste Meriten verdienten. Offenbar bietet das städtische Sinfonieorchester fruchtbaren Nährboden für Supertalente, denn erneut macht ein Nachwuchsdirigent von sich reden: Marcus R. Bosch führt das Orchester zu neuen Höchstleistungen. Gerade in Bruckners „schwieriger“ achter Sinfonie zeigt sich die erstaunliche Meisterschaft des gerade 33jährigen. Die schroffen Brüche in der mehrfach umgearbeiteten Komposition, ihre immer wieder abrupt in sich zusammenfallenden Steigerungen werden nicht nivelliert, sondern als musikalisches Charaktermerkmal begriffen und herausgearbeitet. Mit beeindruckender Präzision zeichnen Bosch und die Aachener Sinfoniker Bruckners verstörendes Drama nach. Als kostenlose Zugabe zu dieser CD gibt es eine ausschließlich auf dem DVD-Player abspielbare Surround-Ton-Disc - auf der Heimkino-Anlage wird auch die imposante Akustik der Aachener St-Nikolaus-Kirche erlebbar. "


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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