> > > Bach, Johann Sebastian: Concerts avec plusieurs instruments II
Montag, 26. August 2019

Bach, Johann Sebastian - Concerts avec plusieurs instruments II

Frisch gebrüht mit Sahnehäubchen


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ließen sich Bachs Konzerte als Speisen zubereiten, so wären diese Aufnahmen fein gewürztes Finger-Food, dessen Delikatesse sich wohlschmeckend von dem sämigen Brei der Gralshüter der ?Leipziger Schule? unterscheidet, mögen diese noch so toben und immer wieder behaupten, sie allein hätten das Recht auf die Löffel, mit denen die Weisheit authentischer Interpretation der Musik Bachs zu fressen sei. Welch wohltuendes Sakrileg begeht das Ensemble, das sich auch noch nach dem berühmten Leipziger ?Café Zimmermann? nennt?

Der Duft der Frische
Tatsächlich glaubt man das junge Ensemble ?Café Zimmermann? inmitten einer Kaffee trinkenden Gesellschaft spielen zu sehen, während der frische Duft des dunklen Gebräus durch die Räume zieht. Die vorliegende Aufnahme ist bereits die zweite in der Reihe der geplanten Gesamtaufnahme des konzertanten Schaffens Johann Sebastian Bachs. Atmeten schon die ersten Aufnahmen förmlich den konzentrierten Hauch fulminanter Spielfreudigkeit, so rückt auch diese Einspielung des erst 1998 gegründeten französischen Ensembles die konzertante Musik Bachs in ein ungemein farbenfrohes Licht, dessen Widerschein unverfälschte Momente reinsten Musikantentums heraufbeschwört. Weniger poetisch ausgedrückt: ?Café Zimmermann? verleiht den Konzertwerken Bachs einen Elan, eine Leichtigkeit, die so gar nichts von der vermeintlichen Schwere des Leipziger Kontrapunktikers offenbaren.
Darin liegt vermutlich auch der Schlüssel zu Bachs Konzertwerk bzw. seiner Interpretation: die Abwesenheit von steifer Musikanschauung, stattdessen die Hervorhebung der spielerischen Elemente der Werke. ?Café Zimmermann? forciert diese Herangehensweise sicherlich mit ausgesprochen rasanten Tempi, doch dient diese Expandierung horrend schneller Zeitmaße nicht der bloßen Demonstration technischen Könnens, sondern ist organisch eingebunden in das Auskosten der durch den Notentext vorgegebenen Binnenstrukturen und deren Umsetzung in transparent ausgeführter Phrasierung. Auch die harmonischen Vorgänge innerhalb der Stücke werden klar und deutlich herausgearbeitet. Flexible Tongebung und Präzision offenbaren eine breit und doch stringent in allen Stimmen eingehaltene Dynamik. Kontraste werden hier nicht durch episodenhaft herausgestellte Blöcke geschaffen, sondern durch agogische Finessen, die auch dem großen Bogen dienlich sind, der sich auf diese Weise über alle Sätze eines Werks spannen kann. Rhythmische Impulse verschaffen den Kompositionen Beweglichkeit und ? wenn man so will ? es ?swingt? in jeder Phrase. Das Ensemble bietet einen klar umrissenen Klang und jede Stimme, die etwas ?zu sagen hat?, kommt zu ihrem Recht. Leicht und pointiert, so lässt man sich die Konzertwerke von Johann Sebastian Bach gerne gefallen. Man hört die Instrumente atmen und auch das einsatzgebende atmen des Konzertmeisters ist zu vernehmen. Lebendiger kann man diese Musik kaum musizieren.

Musik ist Malerei, Malerei ist Musik
Unter diesem Motto, ?ut pictura musica?, bieten die Aufnahmen des ?Café Zimmermann? nicht nur eine außerordentlich reiche Farbpalette, mit der Bachs Konzertmusik wie von leichter Hand hingetupft wird. Das CD-Cover ziert überdies ein Gemälde von André Bouys aus dem Jahr 1737: ?La Servante qui récure de la vaisselle d´argent?, das auf der Rückseite des Booklets im Detail dargestellt ist sowie im Booklettext eine eingehende kunstgeschichtliche Würdigung erfährt und die Brücke zur aufgenommenen Musik schlägt. Darüber hinaus enthält das Booklet umfangreiche Informationen zu den eingespielten Werken von Bach BWV 1048, 1043, 1066 und 1060 sowie Briefzitate Bachs. Einziger Nachteil: die Texte sind nur in französischer und englischer Sprache abgedruckt.
Diese Aufnahmen sind preisverdächtig. Schon die erste Folge mit dem Ensemble ?Café Zimmermann? wurde mit Preisen, wie dem ?Diapason d´or de l´année 2002 ausgezeichnet. Dieser zweiten Folge ist gleiches zu wünschen. Uneingeschränkt empfehlenswert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Concerts avec plusieurs instruments II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
01.01.2004
Medium:
EAN:

CD
3760014190483


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Bach, Johann Sebastian


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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