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Freitag, 23. August 2019

Liszt, Franz - Symphonic Poems

Deskriptive Linienführung


Label/Verlag: Real Sound
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Glück, dass Franz Liszts Bedeutung nicht allein auf der, aus heutiger und moralischer Sicht, zweifelhaften Ehre beruht, Richard Wagners Schwiegervater gewesen zu sein. Die Mosaiksteinchen, mit denen Liszt seinen persönlichen Platz in der Musikgeschichte belegte, sind seine symphonischen Dichtungen. Als erster verwendete er diesen Begriff und gilt somit als ?Erfinder? dieser Gattung. Die Einspielung von vier symphonischen Dichtungen Franz Liszts mit dem Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Adriano Martinolli D?Arcy markiert den Beginn einer geplanten Gesamteinspielung der Lisztschen symphonischen Dichtungen, die bei dem italienischen Label ?Real Sound? erscheint.

Die Psychologie des Programms
In den Augen Liszts sollte die symphonische Dichtung psychologisieren, worin er mit seiner Auffassung dem Ideal von Hector Berlioz nahe kam. 1837 schrieb Liszt: ?Das Programm hat keinen anderen Zweck als auf die psychologischen Regungen anzuspielen, die den Komponist dazu geführt haben, sein Werk zu schaffen und die er darin zu verkörpern versucht. Er mag das Werk unter dem Einfluss von bestimmten Eindrücken geschaffen haben, die er dem Hörer im Nachhinein zur vollen Kenntnis geben möchte.?

Wohllaut und Orchesterkultur
Adriano Martinolli D?Arcy, allein der Name ist die reinste Musik, in Triest, Mailand, Wien und Berlin ausgebildet und international am Pult tätig, widmet sich spür- und hörbar mit großem Engagement den symphonischen Dichtungen von Franz Liszt. Auf der vorliegenden Aufnahmen sind die ?Festklänge?, Tasso, Lamento e Trionfo?, ?Prometheus? und ?Les Préludes? eingespielt worden. Mit dem Philharmonia Orchestra steht D?Arcy ein grundsolides Orchester zur Verfügung, das zwar nie mit bahnbrechenden Interpretationen auffiel, immerhin aber dauerhaft kultivierte Präzision und Homogenität vorweisen kann, so auch hier. Zupackende Kernigkeit charakterisiert diese Darbietungen der symphonischen Dichtungen, rundes, klares Zusammenspiel der einzelnen Orchestergruppen ist durchaus dem Ziel gewidmet, dem Hörer diese bedeutenden Werke mitunter recht klanggewaltig nahe zubringen. Adriano Martinolli D?Arcy entscheidet sich für den plakativ deskriptiven Weg der Interpretation als Nacherzählungen der literarischen Vorlagen. Zu dumm nur, dass genau dies dem Komponisten eben nicht vorschwebte. Bloße Beschreibungen und Imitationen der Vorlage wollte Liszt ja gerade vermeiden. Allerdings muss man zugeben, dass die Kompositionen selbst oftmals äußerst plakativ und nachgerade deskriptiv gestaltet sind.
Für den Dirigenten gilt es also mehr zu tun, als an der Oberfläche der Textur zu kratzen. Wie aber filtert man den psychologischen Unterton dieser Musik heraus? Wahrscheinlich ist dies eine schier unlösbare Aufgabe. D?Arcys Ansatz ist so falsch nicht, wenn er versucht, Deskription mit dem großen Bogen zu überspannen. Das ist allemal angebrachter, als die symphonischen Dichtungen in Einzelepisoden aufzuspalten und so die Aufgabe der inneren Einheit der Werke zu riskieren. Sich an der stringent aufrechterhaltenen Klangpracht der Kompositionen zu erfreuen und dies dem Hörer vermitteln zu können, ist ja auch nicht zu verachten.
Der Raumklang ist relativ trocken und hallarm. Die Schichten der Partituren kommen jedoch alle voll zur Geltung, auch wenn einzelne Passagen mitunter sehr massiv wirken. Das Booklet gibt hinreichend Auskunft über die eingespielten symphonischen Dichtungen. Hoffnungsvoller Beginn, erwartungsvolle Fortführung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Liszt, Franz: Symphonic Poems

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Real Sound
1
14.03.2004
72:44
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8026305101176
RS 051-0117


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Liszt, Franz
 - Festklänge - Symphonic Poem no. 7
 - Tasso, Lamento e Trionfo - Symphonic Poem no. 2
 - Prometheus - Symphonic Poem no. 5
 - Les Préludes - Symphonic Poem no. 3


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Real Sound

Real Sound ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die vorwiegend im klassischen Musikbereich agiert. Wir sind ein junges Unternehmen, das sich durch die hohe Qualität der Produkte und durch die Anwendung innovativer Ideen in der Herstellung des klassischen Tonträgers sehr schnell durchsetzen konnte. Unser Team hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Herstellung hochwertiger Musikproduktionen, die seit 1989 unter dem eigenen Label RS veröffentlicht werden. Damit sind wir auf den wichtigsten Märkten der Welt (Europa, USA, Japan) präsent.


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