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Montag, 11. Dezember 2023

Piers Lane goes to town again - Piers Lane, Klavier

Souveräner Spaziergang durch die Stile und Epochen


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der zweite 'Spaziergang in die Stadt' von Piers Lane entpuppt sich als erstklassiges Recital eines souverän disponierenden Pianisten.

Mit 65 in Rente gehen? Das ist nichts für Piers Lane. Der australische Pianist, dessen Diskographie kaum noch überschaubar ist, hat sich vor allem im vernachlässigten Konzert-Repertoire des 19. Jahrhunderts Verdienste erworben. Alfred Hill, Ferdinand Ries und Edmund Rubbra sind nur drei von vielen Komponisten, deren Konzerte dank Lane in einer greifbaren Einspielung vorliegen. In den letzten Jahren hat sich der Pianist verstärkt der Kammermusik gewidmet, zumal mit seiner Violin-Partnerin Tasmin Little. Im Jahr 2012 erschien dann 'Piers Lane goes to town', eine Zusammenstellung von Miniaturen und Zugabestücken für Klavier solo. Die Silberscheibe war offenbar ein Erfolg, jedenfalls liegt nun die Fortsetzung vor: 'Piers Lane goes to town again', eine CD mit insgesamt 17 (Zugabe-)Stücken bekannter wie unbekannter Komponisten. Schubert und Liszt sind hier ebenso vertreten wie Robert Constable und Alan Charlton.

Lanes Anliegen ist es, wie er im Beiheft schreibt, dem Publikum diese 'collection of very personal guilty pleasures' vorzustellen – das Nebeneinander vollkommen unterschiedlicher Stile und Epochen sollte den Hörer also nicht abschrecken. Auch technisch-virtuose Aspekte spielen nur teilweise eine Rolle, Schuberts auch für den begabten Amateur erreichbare deutsche Tänze stehen neben Liszts hyper-virtuoser Tarantella aus 'Venezia e Napoli'. Der Pianist möchte in erster Linie Stücke vorstellen, die ihm gefallen – ist ihm das gelungen?

Nicht nur beim ersten Hören darf man feststellen: Sehr gut sogar. Zunächst ist die Aufeinanderfolge der Kompositionen keineswegs so willkürlich, wie es der erste Blick auf die Abfolge der Tracks vermuten lässt. Loeillets E-Moll-Suite aus dem frühen 18. Jahrhunderts ist ein ebenso behutsamer Einstieg in das Recital, wie es mit der Bach-Bearbeitung von Julian Jacobson ausklingt. Dazwischen stehen rasante, unterhaltsame und rhythmisch höchst vertrackte Stücke – etwa der mitreißende Foxtrot 'Nocturne' von Constable. Bezüglich der pianistischen Darstellung muss man bei einem etablierten Musiker wie Lane nicht allzu viele Worte verlieren, den Australier stellt auch ein modernistisch-bruitistisches Stück wie Murrays 'Danse barbaro' vor keinerlei Probleme. Jede Miniatur wird sorgfältig klanglich disponiert, auch substanziell etwas schwächere Werke wie etwa Lyadovs kurzes russisches Volkslied wirken in Lanes pointierter Interpretation überzeugend. Der Klavierton wurde hervorragend eingefangen, so dass eine barocke Suite ebenso plastisch klingt wie ein unmittelbar zeitgenössisches Stück aus dem 21. Jahrhundert.

Überfülle

Wenn es überhaupt etwas auszusetzen gibt an dieser großartigen CD, dann wohl ihre Überfülle: Hört man ohne Pause nacheinander Loeillet, Szymanowski, Schubert, Murray und die folgenden Tondichter, könnte das auch den hartgesottenen Musikfreund etwas überfordern. Besser ist es wohl, zwischen einigen Stücken kurze Pausen einzulegen. Die substanzielle Dichte einiger der Kompositionen, speziell von Liszts zehnminütiger 'Tarantella', lässt ein kurzes 'Luftholen' nach dem Schlussakkord sinnvoll erscheinen. Lane hat die CD – zumindest gehe ich davon aus! - ja auch nicht in einem Take eingespielt.

Während man also längst nicht von jeder Fortsetzung in der Musikgeschichte – sei es ein Werk oder eine Aufnahme – behaupten kann, dass der zweite Teil das Niveau des ersten Teils hält, so lässt sich das bei 'Piers Lane goes to town again' ohne Abstriche feststellen. Die Zusammenstellung bietet für fast jeden Klavierfreund etwas, und auch die Stücke, die man eventuell weniger gelungen findet, erfahren zumindest eine erstklassige Interpretation. Einem dritten 'Spazigergang' von Lane darf man jetzt schon voller Vorfreude entgegensehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Piers Lane goes to town again: Piers Lane, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571281636


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Bach, Johann Sebastian
Godard, Benjamin
Liszt, Franz
Mozart, Wolfgang Amadeus
Schubert, Franz
Szymanowski, Karol


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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