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Dienstag, 18. Februar 2020

Helbock, David - Emotions

Recht hat er


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


David Helbock hat recht. Der 20 jährige Schlagzeug- und Pianospieler schreibt: ?Gute Musik erzählt Geschichten und zeigt Gefühle auf.? In den knapp 65 Minuten von Emotions spielt er uns mit Piano und ein wenig Percussion vor, was das bedeutet - und das er recht hat. Seine sechs Jazz-Kompostitionen erzählen vom Wundersamen und Bedrohlichem, vom Schauderhaften und Schönen. Er nimmt uns mit auf eine Reise der Variation und Lebendigkeit. Keine starre Konstruktion, viel mehr flexible Interpretation, zeichnet die Leichtigkeit und gleichzeitig den hohen Anspruch seiner Musik aus.
?Wer die Sprache [der Töne] beherrscht, ist noch lange kein Dichter. Um das zu sein, muss man mit der Sprache spielen und Geschichten erzählen. [...] Es wäre mir wichtig, dass jeder versucht, diese Musik aktiv zu hören, nach Geschichten zu suchen. Und jeder kann seine eigene Geschichte finden, denn, und das ist das Schöne, Musik ist eine universelle Sprache.?
Jeder der sich auf Musik einlässt versteht sie auch. Und bei David Helbocks Geschichten, gilt es vielfältig zu verstehen.

?Geschichten aus der Gruft?
Der thematische Einstieg von Helbocks Eigenkompositionen wirkt häufig düster und schwermütig; offenbart im Verlauf aber immer wieder aufregende Momente geladener Geschwindigkeit, Durchbrüche gleißender Sonnenstrahlen durch das wolkenverhangene Grau. Da sorgt die ansteckende Bedrohlichkeit, auf der Flucht vor einem unsichtbaren Verfolger in ?So What?, für wohliges Unbehagen. Da amüsiert die tänzerische Gewandtheit von ?Transformation?. Gleich einer Ballerina auf dem Parkett oder einem, in Regenpfützen stappsenden und jauchzenden, Frank Sinatra. Gefolgt von einem sportlichen Wettsprint über das feucht glänzende Straßenpflaster ? bei dem die Ballerina gewinnt ;-). Diese Bilder mögen anderen Hörern nicht gleich durch den Kopf geistern. Aber sie belegen einwandfrei, wie geschickt Helbocks Arrangements Bilder erzeugen und Interpretationen fördern, die Phantasie und Einbildung herausfordern.
Keine leichte Geschichte schreibt das zerrissene ?Repression? . Eigenwillig stacksen die wilden Klangfolgen ohne erkennbares Ziel hin und her, wandeln sich in ein verwirrendes Geflecht, ein Dickicht dem selbst mit einer Machete schwer beizukommen ist. In der Mitte entzweit es sich und umschreibt etwas imposantes, glorreiches. Der Meister besteigt seinen Thron und verliert sich am Ende wieder in rauen Kellerverliesen. Schlichtweg genial.

Sprechen mit Gott?
Klangqualität und Intonation verstärken den perfektionistischen Eindruck und Anspruch der CD:
?Jeder Ton hat eine Bedeutung, ist Teil einer Entwicklung und formt mit den anderen Tönen ein Konstrukt von Gefühlen.?
Er hat schon wieder recht. Man nimmt ihm seine Worte ohne Umschweife ab; und das bedeutet einen weiteren Pluspunkt für die abschließende Wertung und zwar für glaubwürdige und authentische Musik. Keine Spur von aufgesetzten Masken oder zu dick aufgetragenem Lidschatten. Kosmetik und Verkleidung hat sein Jazz nicht nötig. Diese Natürlichkeit macht Spaß und lässt einen ungläubig und verwundert zurück, wenn man auf folgende Zeilen im Booklet stößt:
?Musik ist für mich der Versuch, eine göttliche Sprache zu finden, während des Spielens mit Gott zu sprechen. Ich bin überzeugt, dass viele große Komponisten, wie zum Beispiel Beethoven, durch ihre Musik mit einer höheren Kraft, mit Gott, in Kontakt treten wollen.?
Unwillkürlich tat sich mir die Frage auf, ob das junge Jazz-Genie vielleicht doch etwas abgehoben ist. Oder hat er vielleicht auch in diesem Fall einfach nur recht?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Helbock, David: Emotions

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Gramola
1
01.11.2012
64:23
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8003643987587
98758


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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