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Samstag, 4. Februar 2023

Beethoven: Die Weihe des Hauses - Vocalconsort Berlin, Sächsischer Kammerchor, Filharmonie Brno, Fabian Enders

Schmückt die Altäre Beethoven zur Ehre


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Versuch einer Rekonstruktion der Schauspielmusik zu 'Die Weihe des Hauses'.

Das Beethoven-Jahr 2020 sah viele Konzerte und Projekte, auch (und nicht nur coronabedingt) aber auch merkwürdige Lücken in der Würdigung. Die Kantate ‚Der glorreiche Augenblick‘ (1814), essenziell zum Verständnis der Neunten Sinfonie, erfuhr offenbar kaum eine Aufführung, auch wurde ‚Fidelio‘ immer noch nicht in einer dem Werk würdigen Neueinspielung vorgelegt. In der Potsdamer Friedenskirche erklang (um ein Jahr verschoben im November 2021) die Musik zu ‚Die Weihe des Hauses‘ (1822) in einer Rekonstruktion von Peter Berg. Bei Schauspielmusiken (gerade wenn sie rekonstruiert werden) bleibt es merkwürdig, wenn das zugehörige Schauspiel nicht hinreichend präsentiert wird – dies ist leider auch hier der Fall (es ist zu vermuten, dass das Schauspiel für heutiges Publikum gewöhnungsbedürftig wäre – doch warum dann überhaupt die Schauspielmusik wiederbeleben? bloß weil sie von Beethoven ist?). Zwar erfolgte offenbar eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Quellenmaterial zu der Musik, aber diese ist hier nicht als Selbstzweck zu sehen, sondern eher Beiwerk zum Schauspiel, nicht zuletzt weil diverse Teile aus anderen Schauspielmusiken (vor allem ‚Die Ruinen von Athen‘) ‚recycled‘ wurden; nicht ohne Grund hat Beethoven nur die Ouvertüre drucken lassen.

In warmem orchestralem Mischklang wird die Musik durch die Filharmonie Brno dargeboten, doch ohne große Transparenz, so dass Feinheiten der Instrumentierung teilweise verloren gehen. Auch die Textverständlichkeit des Chores ist (wohl bedingt durch den Aufnahmeort) nicht immer gewährleistet, auch das Orchester im Verhältnis zu präsent. So leidet die von Fabian Enders geleitete Aufführung an beträchtlichen akustischen Problemen. Dabei ist Enders‘ Zugang insgesamt frisch (Marcia alla turca) und einfühlsam, und das Vocalconsort Berlin und der Sächsische Kammerchor haben im Konzert sicher stärker gewirkt als jetzt in der CD-Veröffentlichung. Und so schön der Sopran von Evelin Novak sein mag – Klaus Mertens (selbst mit einigen altersbedingten Einschränkungen) überstrahlt sie an Ausdruck und interpretatorischer Natürlichkeit deutlich. Mertens übernimmt ‚so nebenbei‘, wenn auch nicht so rhetorisch präsent wie in seinen sängerischen Beiträgen als Jüngling und Oberpriester, den Sprechpart des Apollo – der Verzicht auf eine Verteilung der Rollen konterkariert die Wirkung der Aufführung insgesamt und der musikalischen Beiträge im Einzelnen deutlich und kann kaum anders als zur Abwertung führen. Wozu der Beifall auf der CD dokumentiert wurde (ansonsten hört man das Publikum nicht), erschließt sich nicht.

Der Booklettext ist in Bezug auf das Schauspiel und seine Musik insgesamt eher knapp geraten, immerhin mit den Gesangstexten. Stärker im Fokus sind die Künstlerbiografien (die weitaus den größten Teil des Booklets ausmachen) platziert, und diese sind teilweise an Peinlichkeit kaum zu überbieten – die Selbstbeweihräucherungen hätten gründliche redaktionelle Eingriffe und Kürzungen vertragen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven: Die Weihe des Hauses: Vocalconsort Berlin, Sächsischer Kammerchor, Filharmonie Brno, Fabian Enders

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
Medium:
EAN:

CD
881488220124


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Beethoven, Ludwig van


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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