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Mittwoch, 30. November 2022

Max Reger: Organ Works Vol.8 - Gerhard Weinberger, Orgel

Gar nicht einfach


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gerhard Weinberger widmet sich dem 'kleineren' Reger.

Jeder Kenner weiß, dass auch der 'kleinere Reger', jene Werke, die er als einfach oder zum praktischen Gebrauch bezeichnete, ihre Tücken haben. Die Anforderungen an die Interpreten, die mit Regers künstlerischer Kreativität einhergingen, sind nicht untypisch für jene Zeit des Umbruchs, in der sich die Musikwelt zunehmend professionalisierte (nicht nur durch die Gründung neuer Ausbildungsstätten, sondern auch durch die Professionalisierung etwa des Orchesterwesens und die wissenschaftliche Erschließung der musikalischen Vergangenheit durch die noch junge Musikwissenschaft). Als professioneller Musiker wich Reger - in seinen Analysekursen am Leipziger Konservatorium wie auch in seinen Kompositionen oder seine Sicht auf Musik der Vergangenheit - trockenem Schematismus konsequent aus, den er 'Buchstabengelehrten' überließ, auf die er verächtlich herabsah.

In seinen Kompositionen kommt Reger zwar häufig auf Grundgestalten der Vergangenheit zurück (hier Präludium und Fuge sowie Choralvorspielen), gestaltete sie aber immer wieder ganz unterschiedlich und im Grunde ganz neu. 'Andere machen Fugen, ich kann nicht anders als darin leben', soll er einmal geäußert haben, und von seinen Schülern forderte er unendlichen Fleiß, bis die Form nicht mehr den Inhalt, sondern der Inhalt die Form bestimmte.

Einnehmend

Gerhard Weinberger setzt sich seit weit über fünfzig Jahren mit Regers Orgelkunst auseinander (sein Münchner Lehrer war der legendäre Franz Lehrndorfer, seine erste Reger-Platte erschien 1981), die von ihm nun vorgelegte neue Gesamteinspielung berücksichtigt nicht nur den neuesten Forschungsstand, sondern auch die Erkenntnisse der historisch informierten Aufführungspraxis - und auch dies nicht schematisch-dogmatisch, sondern stets flexibel auf das zu betrachtende Werk bezogen. Hier spielt er einerseits auf der Walcker-Orgel der Lutherkirche Wiesbaden, die Reger während seines Studiums bis 1898 noch nicht kennen konnte, da die Kirche erst 1908-10 erbaut wurde (die Orgel 1911), die sich aber in der vergangenen Zeit als ausgesprochen Reger-geeignet erwiesen hat. In vorzüglicher SACD-Aufnahmetechnik nehmen Orgel und Interpretation sogleich für sich ein - die vertiefte Durchdringung des Notentextes, die sorgfältige Registrierung zeugen vom Orgelmeister Weinberger wie auch von den feinen Schattierungen und Facetten der Kompositionen. Da müssen wir gar nicht zu Canzone, Capriccio und Scherzo aus den 'Monologen' op. 63 kommen, die gerne als Charakterstücke bezeichnet werden - gleiches gilt auch für die Präludien und Fugen und für die Choralvorspiele aus opp. 67 und 79b - 'symphonische Dichtungen en miniature', wie Reger in Bezug auf die Bach'schen Vorspiele geschrieben hat.

Auf der zweiten SACD spielt Weinberger auf der Kreutzbach/Jehmlich-Orgel der Stadtkirche Pößneck, einem Städtchen in Thüringen, südlich von Jena (Regers letztem Wohnsitz) und von dort auf unmittelbarer Strecke Richtung Weiden in der Oberpfalz gelegen, wo Reger aufwuchs. Bei der 1896 erbauten Orgel gab es von Anfang an Probleme mit den Windverteilungssystemen, die erst im Rahmen des Umbaus 1926 gelöst wurden. 2011-15 erfolgte die umfangreiche Sanierung der mit 54 Registern größten romantischen Orgel Thüringens. Ein erhellender Booklettext ergänzt einen weiteren vorzüglichen Beitrag zu Weinbergers Reger-Diskografie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Max Reger: Organ Works Vol.8: Gerhard Weinberger, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD SACD
761203534227


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Reger, Max


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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