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Samstag, 26. November 2022

Telemann: Recorder Sonatas - Dan Laurin, Blockflöte

Flötentöne


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Telemann und die Blockflöte – eine besondere Beziehung, hier von Dan Laurin und seinen Mitstreitern so hochklassig und affektiv frisch vorgestellt, wie man es sich nur wünschen kann.

Zweifellos war Georg Philipp Telemann ein Instrumentalmeister, der allen Sätteln seiner Zeit gerecht wurde. Eine spezielle Beziehung zur Blockflöte lässt sich mit Blick auf die Vielfalt seines Schaffens aber kaum leugnen: Da sind etwa die wunderbaren Solo-Fantasien, die Konzerte oder Ouvertüren, die der Blockflöte solistisch oder in der Interaktion einer kleinen Gruppe Raum geben. Und es gibt die reiche Welt der von einem Basso continuo begleiteten Sonaten. Aus dreien dieser Sonaten-Sammlungen hat der schwedische Blockflötist Dan Laurin jetzt ein feines Programm gemacht, das er gemeinsam mit der Cembalistin Anna Paradiso und dem Cellisten Mats Olofsson beim Label BIS auf einer SACD vorstellt.

Gewonnen hat er es aus der Sammlung ‚Der getreue Music-Meister‘, einer Musikalienzeitschrift, die Telemann 1728/29 in zweiwöchentlichem Rhythmus herausgab, aus den gleichfalls um 1730 entstandenen ‚Neuen Sonatinen‘ sowie aus den etwa zehn Jahre danach veröffentlichten ‚Essercizii musici‘. Sie zeigen Telemann sämtlich auf der Höhe seiner Möglichkeiten, sind reich an stimmungssatt explizierten Satzcharakteren, bieten technisch ausgefeilte Solopartien und harmonisch attraktive Verläufe – das alles in Verbindung mit jener Gabe, so instrumentenspezifisch zu komponieren wie kaum jemand sonst. Wohl auch deshalb, weil diese Musik so ungemein idiomatisch und ungezwungen wirkt, berührt und begeistert Telemann damit auch heute – und das weit über eine einzelne Spezialität hinaus in der gesamten Vielfalt seines instrumentalen Schaffens.

Kongeniale Interpretation

Dan Laurin hat sich in der Vergangenheit als ebenso repertoiresicherer wie explorativ-mutiger Blockflötenmeister gezeigt. ‚Seinem‘ Telemann verleiht er auf drei verschiedenen Altflöten eine natürliche, leichte, selbstverständliche Anmutung – auch in der allfälligen virtuosen Verdichtung und rasanten Linearität erhält sich dieser Ton kultivierter Schlichtheit. Dennoch sind die langsamen Sätze – man könnte sie angesichts dieses Ausgangsbefunds in dieser Hinsicht für anfällig halten – alles andere als gefühlig oder sentimental; auch hier bleibt Laurin seiner Idee einer stark artikulierten und gegliederten Entfaltung treu. Sein unverstellter Flötenton verliert nie Eleganz und Façon.

Anna Paradiso und Mats Olofsson bestechen gleichfalls durch ihr hochagiles Spiel: Alles ist wach, präzis, prall und rhythmisch pointiert musiziert. Sie machen das Gewebe unterhalb der Flötenlinien zu einem Ereignis und zeigen, dass Telemann auch strukturell etwas zu bieten hat – indem sie seinen Satz so lebendig auslegen wie nur irgend möglich.

Entschieden gewählte Tempi fügen sich zu einem überzeugenden Gesamttableau, dynamisch wird das der Besetzung Mögliche entschlossen und mit klarer Geste ausgelotet. Die Intonation ist nicht nur makellos, sondern federnd-frei im Zusammenspiel der drei Instrumente. Artikulatorisch ist das Spiel des kleinen Ensembles ein Fest: In den langsamen Sätzen werden die lyrischen Qualitäten perfekt ausgesungen, in den raschen dominieren prasselnde Kleinteiligkeit, rhythmische Verve und beinahe perkussive Akzente. Keine Option zu an- wie aufregender Gestaltung bleibt ungenutzt. Klanglich gerät das Abbild aufgeräumt und klar, strukturell definiert und in schöner Eintracht mit dem Ensemble und dessen gestenreichem Spiel.

Telemann und die Blockflöte – eine besondere Beziehung, hier von Dan Laurin und seinen Mitstreitern so hochklassig und affektiv frisch vorgestellt, wie man es sich nur wünschen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann: Recorder Sonatas: Dan Laurin, Blockflöte

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925554


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Telemann, Georg Philipp


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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