> > > Hugo Alfven: Symphonic Works Vol. 3: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Lukasz Borowicz
Montag, 5. Dezember 2022

Hugo Alfven: Symphonic Works Vol. 3 - Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Lukasz Borowicz

Der schwedische Titan


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Łukasz Borowicz und das deutsche Symphonie-Orchester Berlin präsentieren die gewaltige zweite Symphonie von Hugo Alfvén, dazu die dritte schwedische Rhapsodie.

Ein monumentales Werk, das nicht nur in seinen Dimensionen an Gustav Mahler erinnert: Die zweite Symphonie des Schweden Hugo Alfvén (1872 – 1960) verlangt mit einer Spieldauer von rund 52 Minuten viel Ausdauer von den Musikern wie vom Publikum. Das in den Jahren 1897/98 komponierte Werk bedeutete für seinen Schöpfer den internationalen Durchbruch und wurde bald nach seiner Uraufführung weltweit gespielt. Heute darf die Zweite, zumindest in den Konzertsälen hierzulande, allerdings als echte Rarität gelten; im Vergleich zu Mahler (oder auch Sibelius, mit dem Alfvén gut bekannt war) ist der schwedische Komponist weitgehend in Vergessenheit geraten. Hier versucht der Dirigent Łukasz Borowicz mit dem deutschen Symphonie-Orchester Berlin gegenzusteuern, für cpo haben die Musiker bereits die erste und dritte Symphonie auf Tonträger vorgelegt. Mit dieser CD folgt nun die Zweite, auf der Silberscheibe war außerdem noch Platz für die schwedische Rhapsodie Nr. 3, die 1932 uraufgeführt wurde.

Alfvén folgt in seiner Symphonie zwar der viersätzigen Tradition, setzt dem Finale allerdings ein 'Preludio' voran, das mit knapp sieben Minuten Spieldauer schon als eigener Abschnitt bezeichnet werden darf. Die Grundstimmung des Werkes ist düster, herb, streckenweise fast depressiv – nur gelegentliche Aufheiterungen finden sich im ersten und dritten Satz. Der Tondichter neigt in weiten Teilen der Symphonie zu dynamischen Extremen, die für Orchester (und Klangtechnik) eine große Herausforderung darstellen: Massive Blechbläser-Steigerungen decken die restlichen Instrumente zu, andererseits verlangen sehr leise Passagen eine extreme Differenzierung, um überhaupt noch hörbar zu bleiben. Borowicz ist dieser heiklen Aufgabe leider nur teilweise gewachsen: Schon die an sich beeindruckende Entfaltung zu Beginn des Kopfsatzes geht bald in einer klanglichen Überfülle unter, die einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt. Teilweise wirkt es, als hätte ein Rennfahrer gleich am Anfang das Gaspedal voll durchgetreten und versuche nun im weiteren Verlauf des Rennens leicht verzweifelt, noch mehr Gas zu geben.

Rein technisch kann man den Musikern des Berliner Orchesters keinen Vorwurf machen. Wenn es im Laufe des Werkes die eine oder andere Redundanz gibt – zumal im ausufernden Andante-Abschnitt – liegt dies am Komponisten, nicht an den Interpreten. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, mit einer sorgfältigeren Disposition wäre hier deutlich mehr drin gewesen. Der Hörer wird mit dieser Interpretation von Alfvéns Zweiter regelrecht erschlagen, was angesichts der komplexen Fülle des Werkes schade ist. Es mag auch ein wenig an der klanglichen Balance liegen, die nicht schlecht ist, aber doch Luft nach oben lässt: Raffinierte Harmonien und Instrumenten-Koppelungen, die einen wesentlichen Reiz der Symphonie ausmachen, werden nicht ausreichend nuanciert abgebildet. Das betrifft vor allem den Kopfsatz und die abschließende Doppelfuge.

Die dritte schwedische Rhapsodie op. 47 ist schon alleine durch ihre Länge von knapp 25 Minuten deutlich mehr als eine Zugabe und steht auch (fast) auf dem Niveau der Zweiten. Der etwas freundlichere, stellenweise fast heitere Charakter des Werkes bildet einen angenehmen Kontrast zur düsteren Symphonie, ohne dass Alfvén je in die Trivialität abgleiten würde. Während die Zweite es schwer haben dürfte, jemals auf ein (deutsches) Konzertprogramm zu kommen, sollte die Rhapsodie hier gewisse Chancen haben. Alfvén, der Titan der schwedischen Symphonik, hat mit dieser CD in Borowicz und dem deutschen Symphonie-Orchester Berlin prominente Fürsprecher – auch wenn deren Interpretation stellenweise etwas unbefriedigend ausgefallen ist

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hugo Alfven: Symphonic Works Vol. 3: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Lukasz Borowicz

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203535422


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Alfvén, Hugo


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
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