> > > Berners: Le Carrosse du Saint-Sacrement: RTE Sinfonietta, BBC Scottish Symphony Orchestra, Nicholas Cleobury
Samstag, 4. Februar 2023

Berners: Le Carrosse du Saint-Sacrement - RTE Sinfonietta, BBC Scottish Symphony Orchestra, Nicholas Cleobury

Kutschenfahrt mit Erleuchtung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lord Berners einzige Oper 'Le Carrosse du Saint-Sacrement' erlebt ihre vergnügliche Wiederauferstehung.

In einer goldenen Kutsche des peruanischen Vizekönigs fährt die Schauspielerin Camilla Pericola zur Kirche. Dabei baut sie einen Unfall, bekommt danach im Gotteshaus eine Erleuchtung und stiftet das Gefährt für arme Kranke und Schwache, um ihnen die Kommunion zu bringen. Dies löst ein Wunder aus: Der an Gicht leidende Herrscher kann sich wieder besser bewegen. So geht der Inhalt der einaktigen Komödie „Le Carrosse du Saint-Sacrement“, die der Carmen-Autor Prosper Mérimée 1829 verfasste. Die Hauptfiguren gab es wirklich: María Micaela Villegas y Hurtado de Mendoza, genannt La Perricholi, war Aktrice und Mätresse von Manuel de Amat y Juniet und im Peru des 18. Jahrhunderts hoch angesehen. Ob diese Episode der Realität entspringt, darf bezweifelt werden. Nicht aber, dass Mérimées Schauspiel, selbst nicht sonderlich erfolgreich, als Inspirationsquelle für einige künstlerische Höhenflüge diente. Jaques Offenbach benutzte die Vorlage 1868 für seine satirische Operette „La Périchole“, Thornton Wilder 1927 für seinen Romanklassiker „Die Brücke von San Luis Rey“ und Jean Renoir 1953 für den Ausstattungsfilm „Die goldene Karosse“.

Weniger bekannt ist die Oper gleichen Namens von Lord Berners, jenem 1883 geborenen britischen Adligen, der sich nach einer Zeit im diplomatischen Dienst der Kunst zuwandte und sich als Maler, Autor und Komponist verwirklichte. „Le Carrosse du Saint-Sacrement“ bleibt inhaltlich am nächsten an Mérimées Original dran. Den gekürzten französischen Text vertonte Berners in Form einer Konversationskomödie, luftig instrumentiert und hispanisch koloriert. Die Uraufführung fand 1924 unter der Leitung von Ernest Ansermet in Paris statt, als letzter Teil eines Triple-Abends nach Stravinskys „Histoire du soldat“ und dem Ballett „La Chatte“ von Henry Dutilleux. Großen Erfolg hatte das Stück nicht, auch eine geplante Übernahme nach London kam nicht zustande. Dies mag der Grund dafür sein, dass Berners für die Bühne nur noch Ballette komponierte, aber keine weitere Oper mehr.

Delikate Begleitung

Die einzige Gesamtaufnahme, die Mitte der 90er Jahre bei Marco Polo herauskam und gerade bei Naxos klanglich aufgefrischt wiederaufgelegt wurde, präsentiert ein rollendeckendes Ensemble mit feinem Sinn für die musikalischen Linien und bemerkenswerter Wortdeutlichkeit. Cynthia Buchan bezirzt mit sinnlichem Mezzosopran den eitlen, von Ian Caddy pointiert gestalteten Vizekönig, dem Alexander Oliver mit wendigem Charaktertenor als Sekretär beisteht. David Lloyd-Jones dirigiert zum Aperitif das von Constant Lambert arrangierte Opernthemen-Medley „Caprive Péruvian“, danach überlässt er Nicholas Cleobury den Taktstock. Der achtet mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra auf Transparenz und delikate instrumentale Begleitung. Das Beiheft enthält alles Notwendige zum Komponisten, dem Stück und zu den Mitwirkenden. Warum darin aber nicht verzeichnet ist, wer welche Rolle singt, bleibt das Geheimnis des Labels. Ein gewinnbringendes und gelungenes Plädoyer für die hierzulande unterrepräsentierte britische Oper ist die Aufnahme aber allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Berners: Le Carrosse du Saint-Sacrement: RTE Sinfonietta, BBC Scottish Symphony Orchestra, Nicholas Cleobury

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
730099051071


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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