> > > Heinrich Schütz: Dafne: La Capella Ducale, Musica Fiata, Roland Wilson
Dienstag, 9. August 2022

Heinrich Schütz: Dafne - La Capella Ducale, Musica Fiata, Roland Wilson

Kammeroper in milder Dramatik


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roland Wilson hat mit seinen Ensembles einen so interessanten wie lohnenden Versuch unternommen, klingendes Leben in das Rätselraten um Heinrich Schütz' Oper 'Dafne' zu bringen.

Heinrich Schütz‘ am 13. April 1627 anlässlich der Hochzeitsfeierlichkeiten der sächsischen Herzogin Sophie Eleonore und des hessischen Landgrafen Georg II. in Torgau – vermutlich zum ersten und einzigen Mal – aufgeführte Oper Dafne ist den theoretisch wie praktisch seiner Musik Verbundenen weitgehend ein Rätsel: War es eine echte Oper, deren Musik verschollen ist, während das Libretto von Martin Opitz gedruckt die Zeiten überstand? War es eher ein Theaterstück mit musikalischen Einlagen? Oder war es gar ein – für die Zeit typisches – Pasticcio, das Beiträge verschiedenster Hände zusammenführte? Dem musikalischen Leiter der Ensembles La Capella Ducale und Musica Fiata, Roland Wilson, haben diese Fragen keine Ruhe gelassen und er ist daran gegangen, das Rätsel auf seine Weise zu lösen – ohne freilich Anspruch auf das Original zu erheben, noch auf die einzig mögliche Variante: Er fand dem Text entsprechende Kontrafakturen bei Schütz selbst und anderen Komponisten – etwa bei Samuel Scheidt, Johann Nauwach, Biagio Marini, Alessandro Grandi, dem Komponisten einer früheren Dafne Marco da Gagliano oder Carlo Farina, dessen Gagliarda im ersten Aufzug erklingt und von der als einzigem Stück sicher ist, dass es in der Schütz-Oper erklungen ist.

Das seriöse Libretto von Marin Opitz basiert auf der Geschichte von Daphne und Apollo aus dem ersten Buch der ‚Metamorphosen‘ des Ovid in einer Dramatisierung von Ottavio Rinuccini. Es fügt sich zu fünf knapp dimensionierten ‚Acten‘ samt Intrada und Vorrede des Ovid und wird von den Künsten des Disponenten Wilson auf erstaunlich farbige Weise mit Leben erfüllt. Die doch deutlich verschiedenen musikalischen Ebenen fügen sich harmonisch zueinander, vokale und instrumentale Anteile werden glücklich ineinander verschränkt. Vermutlich wird diese – wie auch jede andere denkbare und nicht eindeutig Schütz und der Hochzeit von 1627 zuzuordnende – Dafne nicht kanonisch werden. Ein berechtigter und inspirierter Versuch, die bislang schmerzlich klaffende Lücke zu füllen, ist sie doch.

Lebendig und höchst differenziert

Zur Capella Ducale verbinden sich sieben Sängerinnen und Sänger: Die Sopranistinnen Marie Luise Werneburg als Dafne, Magdalena Podkoscielna und Magdalene Harer als Venus und Cupido, gemeinsam auch als Nymphen. Der Tenor Tobias Hunger ist als Apollo zu hören, Georg Poplutz ist als erzählender Ovidus besetzt, dazu gemeinsam mit dem Altus David Erler und dem Bass Joachim Höchbauer als einer von drei Hirten. Versammelt ist also vielfach ausgewiesene Expertise in Repertoire und zeittypischem Gepräge, Stimmen, die sich in dramatisch geweiteter Geste über das von ihnen gewohnte Maß kultivierter Kontur – von einigen zum Beispiel im Rahmen der Schütz-Gesamteinspielung bei Carus vielfach unter Beweis gestellt – hinauswagen und eine lebendige Szenerie gestalten. Alle sprechen exzellent und sichern das Verständnis des einerseits ästhetisch fernen, in der Wirkung doch auch vertrauten Textes. Dabei vertrauen sie dem Wort vollkommen: Die Musik fügt sich Metrum und Diktion der Opitzschen Dichtung erstaunlich leichtgängig und bruchlos.

Die Instrumente entfalten in manchem Ritornell einen frischen tänzerischen Schwung: Dabei ist die Besetzung mit Violinen, Gamben, Zinken, Blockflöten, Fagott, Posaunen, Orgel, Cembalo, Regal, Chitarrone, Gitarre, Laute und Doppelharfe als reich anzusprechen. Und Roland Wilson ordnet die Kräfte zu maximaler Wirkung an – Farbe, Kontrast, charaktervolle Eigentümlichkeiten verbinden sich zu einer wechselvollen Szenerie, die keine Sekunde langweilt und ein weites Klangpanorama schafft. Alles fließt in frischen Tempi, reiche Impulse ergeben sich aus diminuierter Linearität zum Beispiel der Violin-Stimmen. Wilson entfaltet das dynamische Spektrum subtil, doch mit Weite und Substanz – die ganz großen affektiven Wirkungen sind bei Opitz zwar nicht angelegt, was volleren Klängen aber nicht entgegensteht. Auf allen Ebenen wird gelöst und vollkommen frei intoniert, vokale und instrumentale Sphäre verbinden sich in dieser Hinsicht glücklich, letztere reich an farbigem Schweben. Das Klangbild ist gesammelt und entspricht der überwiegend kammermusikalischen Geste, mit klarem Abbild aller Strukturen, glücklich in der Balance der klingenden Anteile.

Roland Wilson hat mit seinen Ensembles einen so interessanten wie lohnenden Versuch unternommen, klingendes Leben in das Rätselraten um Heinrich Schütz‘ Oper Dafne zu bringen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Heinrich Schütz: Dafne: La Capella Ducale, Musica Fiata, Roland Wilson

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203549429


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Schütz, Heinrich


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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