> > > Kuhnau: Complete Sacred Works Vol. 8: Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer
Dienstag, 27. September 2022

Kuhnau: Complete Sacred Works Vol. 8 - Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer

Finale


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Werk ist vollbracht – Johann Kuhnau in acht Folgen: Wer einen umfassenden Eindruck mitteldeutscher geistlicher Musik um 1700 gewinnen möchte, kommt an dieser löblichen Reihe von Opella Musica und camerata lipsiensis nicht vorbei.

Beim Label cpo liegt die achte und damit letzte Folge der Gesamteinspielung der geistlichen Werke Johann Kuhnaus vor: Die Ensembles Opella Musica und camerata lipsiensis haben, geleitet von Gregor Meyer, soviel kann und muss man sagen, den Amtsvorgänger Johann Sebastian Bachs mit dieser klingenden Befassung wieder in seine Rechte eingesetzt. Kuhnau wurde dank frischer Interpretationen nicht nur in der Vielfalt seines geistlichen Schaffens – das freilich als nur in überschaubaren Teilen überliefert gelten muss – gespiegelt, sondern zugleich vom Ruf des Zopfigen befreit, des bloß Gelehrten, auf dem Papier Gewussten, das keinen eigenständigen Klangreiz hat, führt man es denn auf. Die vielen Kompositionen des Übergangs vom Geistlichen Konzert älterer Statur hin zur reifenden Kantate Neumeisterscher Prägung machen Kuhnaus Werk so attraktiv, bereichern das Bild, das wir von jener Epoche haben und sind absolut hörenswert. Gewiss: Kuhnau war kein genialischer Melodiker oder zumindest Motiviker. Wirklich Memorables findet sich nur in einem sehr überschaubaren Ausmaß. Doch ist alles harmonisch, geschmeidig und vor allem auf eine sichere Wirkung hin gesetzt.

Die letzte Folge bringt drei schöne Kantaten: ‚Ach Herr, wie sind meiner Feinde so viel‘ für Solo-Sopran und reiches Instrumentarium, dann, gleichfalls für solistischen Sopran und eine mit Violine und Basso continuo kargere Besetzung, ‚Ende gut, alles gut‘ sowie auf einen lateinischen Text ‚Spirate clementes‘ ein Werk, mit dem sich die Ausführenden und das Publikum in den Randbereich dessen begeben, was dem Komponisten sicher zuzuordnen ist – ein Phänomen übrigens, dem man nicht nur bei Kuhnau im Repertoire dieser Zeit und mit den üblichen Überlieferungswegen zum Beispiel durch Kopien immer wieder ausgesetzt ist. Daneben sind im Programm der abschließenden Folge auch Miszellen zu hören, die jeder Gesamteinspielung an irgendeinem Punkt typisch sind: Sätze aus geistlichen Schauspielen, dazu drei einzelne Arien – erstere in schlichter Strophigkeit, letztere in der Struktur ebenfalls klar und mit instrumentaler Aufweitung.

 

Ein eingespieltes Team

Vokal ist mit Opella Musica ein harmonisches Ensemble zu erleben, das die gesamte Aufnahmereise hindurch stabil seinen Part verantwortet hat: Im Einzelnen sind das die Sopranistinnen Isabel Schicketanz und Heidi Maria Taubert, der Altus David Erler, der zugleich für das gemeinsam mit dem Verlag Breitkopf & Härtel realisierte Editionsprojekt verantwortlich zeichnete, der Tenor Tobias Hunger und der Bass Friedemann Klos. Das sind sämtlich schlanke, bewegliche Stimmen, die registertypisches Gepräge entfalten, vor allem in der die Kompositionen dominierenden Ensemblekunst gefragt sind und klar reüssieren. Soli lösen sich gefällig, ohne in den vokal größer besetzten Werken zu dominieren. Die beiden Sopranistinnen nutzen die ihnen im aktuellen Programm gebotenen größeren Räume souverän aus. Sie kultivieren eine leicht anmutende Geläufigkeit, die elegant wirkt, ohne aufgesetzt zu sein.

Die Instrumente der camerata lipsiensis bieten sehr viel mehr als nur eine verlässliche Grundierung – natürlich unterstreicht das Ensemble auch diese Qualität noch einmal mit Nachdruck. Sie emanzipieren sich aber auch in manch einleitender Sonata zu eigenständiger Größe, die der Musik die geforderte Farbigkeit angedeihen lässt. Unter dem Stichwort Farbigkeit darf eine Anmerkung zur erklingenden Orgel nicht fehlen: Es ist, wie schon in den vorausgegangenen sieben Teilen der Reihe die schöne Silbermann-Orgel der Georgenkirche zu Rötha, die der Gesamteinspielung eine feste und klangvolle Größe geworden ist: Ein klares Plädoyer für die Verwendung größerer Instrumente bei der Einspielung derartigen Repertoires, erweist sich die von Gregor Meyer gespielte Orgel den üblichen kleinen Truhen doch als klangfarblich und dynamisch stupend überlegen.

Insgesamt scheuen die versammelten Kräfte auch kompakte Klangwirkungen nicht – mit der famosen Orgel im Rücken nur allzu verständlich –, punkten aber verlässlich noch stärker im Bezirk des differenzierten Zugriffs. Frisches Fließen sichert der Musik günstige Wirkung, eine drucklose Intonation, gekrönt von viel fein ausgehörter Akkordik ebenso. Positiv zusätzlich: Man benötigt kein Textbuch, um Kuhnaus Musik zu folgen: Klar und natürlich ist die Diktion, die Sprache inspiriert hörbar auch den musikalischen Zugriff, verbunden mit rhythmischer Präzision aus den Impulsen des agilen Basso continuo.

Das Werk ist vollbracht – Johann Kuhnau in acht Folgen: Wer einen umfassenden Eindruck mitteldeutscher geistlicher Musik um 1700 gewinnen möchte, kommt an dieser löblichen Reihe von Opella Musica und camerata lipsiensis nicht vorbei. Wüsste man es aus vielfältiger Erfahrung mit Blick auf den Konzertbetrieb nicht besser, man würde dieser Musik reichlich praktische Aufführung außerhalb enger Expertenzirkel wünschen. Doch auch so bleibt für beide Ensembles, das Label und den Verlag das Verdienst unbestritten, einen echten Schatz gehoben zu haben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kuhnau: Complete Sacred Works Vol. 8: Opella Musica, Camerata Lipsiensis, Gregor Meyer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203546022


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Kuhnau, Johann


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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