> > > French Trumpet Concertos: Hakan Hardenberger, Royal Stockholm Philharmonic, Fabien Gabel
Samstag, 4. Februar 2023

French Trumpet Concertos - Hakan Hardenberger, Royal Stockholm Philharmonic, Fabien Gabel

Französische Entdeckungen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Trompeter Håkan Hardenberger überzeugt mit einem rundum gelungenen Programm französischer Konzerte des mittleren und späteren 20. Jahrhunderts.

Kaum ein Trompeter hat sich so für das zeitgenössische Repertoire engagiert wie Håkan Hardenberger. Der Schwede hat sowohl Solowerke als auch Konzerte für sein Instrument beauftragt und aufgeführt, dies ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert. Seine neueste SACD ist französischen Trompetenkonzerten des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts gewidmet, der Bogen spannt sich dabei vom 1944 entstandenen Werk von Henri Tomasi bis zum Konzert mit dem interessanten Titel 'Onze Lieder', das Betsy Jolas 1977 komponiert hat.

Neben relativ gut im Repertoire etablierten Werken wie den beiden Konzerten von André Jolivet bietet Hardenberger mit der Suite für Trompete und Orchester op. 133 von Florent Schmitt auch eine echte Entdeckung: Schmitt, der bis kurz vor seinem Tod 1958 hartnäckig in einem (spät-)romantischen Stil komponierte, wurde von der Musikwelt größtenteils jahrzehntelang mit Vergessenheit gestraft. Erst in den letzten Jahren erleben seine Werke eine kleine Renaissance. Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra begleitet unter der Leitung von Fabien Gabel, in Jolivets erstem Konzert (für Trompete, Streicher und Klavier) ist außerdem der Pianist Roland Pöntinen zu hören.

Lyrisch und melodisch

Das (einzige) Trompetenkonzert von Henri Tomasi erklingt auf diesem Tonträger mit einer überarbeiteten Fassung des Finales, die Franck Villard aus dem Klavierauszug rekonstruiert hat. Das lyrische, melodienselige Werk bietet dem virtuosen Solisten praktisch alles, was er sich wünschen kann: Reichlich Freiraum zur Entfaltung, eine dezente, gut abgestimmte Orchesterbegleitung und ein rasantes Finale. Hardenberger lässt sich diese Chance nicht entgehen und brilliert nicht nur mit reiner Virtuosität, sondern auch mit einem dynamischen Differenzierungsvermögen, das keinen Vergleich scheuen muss. Zu diesem positiven Eindruck des Solisten gesellt sich ein von Dirigent Gabel sehr gut eingestelltes, dezent zurückgefahrenes Orchester und eine Klangtechnik, die dem Solisten jederzeit den nötigen Raum zugesteht. Mag sein, dass für den einen oder anderen Hörer hier die Trompete ein wenig zu sehr im Vordergrund steht. Für ein traditionelles Solokonzert – und ein solches hat Tomasi komponiert – scheint mir die Balance genau richtig.

Die beiden Jolivet-Konzerte hinterlassen einen minimal blässeren Eindruck, gelungener wirkt noch das erste Konzert mit einer von Pöntinen ebenbürtig absolvierten Klavier-Begleitung – sofern man überhaupt noch von einer Begleitung sprechen möchte. Stellenweise geht der Anspruch fast schon in Richtung eines Doppelkonzertes. Jolivets Versuch, Brücken zwischen Tradition und Moderne – im zweiten Konzert auch in Richtung Jazz – zu bauen, wirkt jedoch nur bedingt gelungen. Spielraum für instrumentale Virtuosität ist aber natürlich reichlich vorhanden, und Hardenberger nutzt diesen Raum auch. Er tut dies auch in Schmitts Suite, die mit zwölf Minuten Gesamtdauer angenehm kompakt konzipiert ist und leider viel zu selten im Konzertsaal auftaucht. Zusammen mit Tomasis Konzert stellt dieses Werk definitiv eine Repertoire-Bereicherung dar.

'Onze Lieder' schließlich von Betsy Jolas ist das Stück, mit dem sich Hardenberger am Weitesten in Richtung der Moderne vorwagt. Das Werk verfügt mit einer geschickten Integration der Trompete in das Orchester und raffinierter Instrumentation zweifelsohne über eine gewisse Faszination, weist aber auch die eine oder andere uninspirierte Länge auf. Insgesamt aber überzeugt die Komposition vor allem dank Hardenbergers hundertprozentiger Hingabe und bildet die gelungene Abrundung einer sehr hörenswerten CD, die nicht nur Trompeten-Freunden empfohlen werden kann. Mein persönlicher Favorit auf der Silberscheibe ist das sehr schöne Tomasi-Konzert, das Lust auf mehr Werke aus der Feder des Komponisten macht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    French Trumpet Concertos: Hakan Hardenberger, Royal Stockholm Philharmonic, Fabien Gabel

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925233


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Jolas, Betsy
Jolivet, André
Schmitt, Florent
Tomasi, Henri


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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