> > > Staud, Johannes Maria: A map is not the territory
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Staud, Johannes Maria - A map is not the territory

Positionsbehauptungen


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die auf der vorliegenden CD eingespielten Stücke des 1974 in Innsbruck geborenen Johannes Maria Staud hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits kann man sie leicht für langweilig und eintönig halten. Beispielsweise das dreiteilige Stück ,A map is not the territory'. Es gibt keine Dramatik, jegliche Entwicklung fehlt dem Stück. Beständig wird ein immer gleicher Intervall wiederholt. Verändert wird die Instrumentation und damit auch die Klangfarbe. Durch die Übereinanderschichtung immer anderer Klangfarben erprobt Staud neue Klangfarben. Die Schichtung geschieht nach dem immer gleichen Muster: nach einem dynamischen Ausbruch bleiben die Klänge liegen, solange, bis die Spannung nachzulassen droht. Dann folgt ein neuer Ausbruch und die neuen Klänge lagern sich die über die vorhergehenden. Die Dynamik nutzt Staud nicht als Mittel der Dramatisierung, sondern als Mittel die Klangfarbe zu gestalten. Das klingt dann so, als würden sich die Töne beäugen und gelegentlich dynamisch oder farblich aufplustern, als wären sie Platzhirsche, die ihr Revier behaupten wollen. Nur mit dem Unterschied, dass im Stück die Gefahr eines Revierverlustes nicht vorhanden ist.
Der zweite und dritte Teil des Stückes sind nach dem selben Muster komponiert. Im zweiten Teil streicht Staud Instrumente und verkleinert das Material, während er es im dritten Teil vergrößert und Instrumente hinzufügt, so dass es beinahe monumental klingt. Das Stück verändert sich so, so wie sich das Dargestellte auf einer Landkarte verändert, wenn man den Maßstab vergrößert oder verkleinert. Die Maßstabsverschiebungen sind so genau gearbeitet, dass die Vermutung aufkommt, ^Johannes Maria Staud hat sie mathematisch berechnet. ,A map is not the territory' ist eher ein persönliches Experiment, eine kompositorische Studie um mit verschiedenen Instrumentenmischungen neue Klangfarben zu erproben, wie es der Art nach viele gibt.

Dramatik und Entwicklung fehlen auch in den anderen vorliegend eingespielten Stücken. Dort arbeitet Staud ebenfalls mit der oben beschriebenen Methode der Schichtung durch dynamische Ausbrüche. Insofern sind sich die Stücke nicht nur in sich, sondern auch untereinander ähnlich. Was Staud andererseits auszeichnet, ist eine große Strenge der Materialbehandlung, eine große Präzision und eine Hand für räumliche Gestaltung. Dem Gefühl verweigert er sich völlig. Damit stellt sich Staud in eine Tradition, die die Verbindung zwischen Gefühl und Musik verneint. Musik sei Musik, und sonst nichts. Hieraus, und aus den im Programm gedruckten Notizen Stauds scheint ein wissenschaftliches Weltbild, wonach es eine objektive Welt gäbe und es die Aufgabe des Künstlers sei, die objektive Welt unter Abtrennung alles Subjektiven zu zeigen. Da kann man auch anderer Ansicht sein.
Interpretation – unter anderem das Klangforum und das Radiosinfonieorchester Wein – und Klangqualität sind wie immer beim Label Kairos ausgezeichnet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Staud, Johannes Maria: A map is not the territory

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Kairos
1
14.01.2004
61:51
2003
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
9120010280139
0012392KAI


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Staud, Johannes Maria


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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