> > > Fastes de la Grande Ecurie: Syntagma Amici, Giourdina
Dienstag, 7. Februar 2023

Fastes de la Grande Ecurie - Syntagma Amici, Giourdina

Eine musikalische Darstellung der königlichen Reiterei


Label/Verlag: Ricercar
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein vielgestaltiges Programm durch zwei Jahrhunderte stellt dar, wie prunkvoll und zugleich nachdenklich es am königlichen Hof zuging. Das Ensemble zeigt die verschiedenen Gelegenheiten, zu denen diese Musik ausgeführt wurde.

Der Titel der vorliegenden CD lautet frei übersetzt: Der Prunk der großen Reiterei. Damit ist auch das Titelbild auf dem Booklet erklärt: Es handelt sich tatsächlich um eine königliche Reiterparade mit vielen Zuschauern. Versammelt sind hier höfische Musikstücke aus der Zeit um 1600 und 1700, zumeist französischer Herkunft. Die Instrumente sind den historischen Vorbildern nachgebaut. Es handelt sich vornehmlich um Blasinstrumente: Blockflöten, eine Frühform der Oboe, Krummhorn, Trompete und andere mehr. Auch eine Batterie von Trommeln ist mit von der Partie sowie eine Barockgitarre. Einige Stücke sind von anonymen Meistern, andere zum Beispiel von Philidor oder Lully. Es handelt sich um ein breitgefächertes Repertoire; die Aufnahme enthält 29 Titel.

Diese CD wurde von den Ensembles Syntagma Amici und Giourdina sowie Jérémi Papasergio in höchster Qualität eingespielt. Der raue Klang der altertümlichen Oboen wird hörbar, die Virtuosität der Blockflöten. Auch ein Sopranino, eine kleine, sehr hohe Töne produzierende Blockflöte, erklingt. Die Trommeln wiederum üben eine starke Anziehungskraft aus. Den Anfang macht ein „Concert“ für die Ritter um Heinrich 3. Es hat Signalcharakter und wird mit scharfen Punktierungen ausgeführt. Mehrere Pavanen erklingen, doch keineswegs als Trauermusiken, als die sie später verwendet wurden, sondern als eine Art Schreittanz voller Lebendigkeit. Ein instrumentales Requiem für tiefe Blechblasinstrumente und Orgel führt in ernstere Gefühlslagen. Von völlig anderem Charakter ist das folgende „Ballet à cheval fait pour le grand Carouselle fait à la Place Royale“. Es ist an Lebendigkeit und Virtuosität kaum zu überbieten – man hört die Pferde geradezu springen. Dann wieder, ein Wechselbad der Gefühle, „Les pleurs d’Orfée ayant perdu sa femme“, also die Tränen Orpheus beim Verlust seiner Frau. Der Lärm einer Schlacht wird von hohem Blech und Trommel dargestellt. In logischer Folge erklingen diverse Märsche. Auch eine spanische Folia fehlt nicht. Das sind nur wenige Titel dieser inhaltsreichen CD. Das Ende der CD enthält eine eher nachdenkliche Chaconne à 4. Es beschließt ein Programm, das an Vielgestaltigkeit nicht zu übertreffen ist.

Nicht nur die Entwicklungen in der musikalischen Sprache vom 16. zum 17. Jahrhundert kann man hörend nachvollziehen, sondern ebenso die der Instrumente. Die Klangqualität dieser CD ist so hoch, dass es keine Mühe macht, die Klangfarben der einander verwandten Instrumente zu erkennen. Anzuführen ist noch, dass die Blockflöten so aufeinander abgestimmt sind, dass sich beim Zusammenspiel keine unerwünschten Interferenzen ergeben, wie dies manchmal geschieht. Das Booklet ist lediglich in englischer und französischer Sprache und wird deswegen nur mit "gut" bewertet. Es vermittelt dem Sprachkundigen eine Fülle lesenswerter Informationen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fastes de la Grande Ecurie: Syntagma Amici, Giourdina

Label:
Anzahl Medien:
Ricercar
1
Medium:
EAN:

CD
5400439004399


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Ricercar

Von Haus aus Musikwissenschaftler und Gambist (und hier immerhin Schüler von Wieland Kuijken), gründete der Belgier Jérôme Lejeune 1980 sein Label RICERCAR, das schnell zu einem der wichtigsten im Bereich der Alten Musik wurde. Das war nicht nur durch die musikwissenschaftliche Arbeit Lejeunes nahe liegend, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass Belgien von je her zu den führenden Nationen im Bereich der historischen Aufführungspraxis gehörte. Die Künstler, die für RICERCAR aufnehmen bzw. aufgenommen haben, lesen sich ohne Übertreibung wie das Who-is-Who der Alten Musik-Szene: Hier machte zum Beispiel Philippe Herreweghe genauso seine allerersten Aufnahmen wie das Ricercar Consort, Jos van Immerseel oder Mark Minkowski (sowohl als Fagottist als auch als Dirigent). Zu den Künstlern und Ensembles, die derzeit dem Label verbunden sind, gehören so prominente Namen wie der Organist Bernard Foccroulle, die Sopranistin Sophie Karthäuser sowie die Ensemble La Fenice und Continens Paradisi. Nach wie vor bietet Lejeune dabei jungen Künstlern und Ensembles eine künstlerische Plattform und er beweist dabei stets ein besonders glückliches Händchen. Viele der nicht weniger als 250 Aufnahmen, die hier veröffentlicht wurden, waren klingende Lektionen in Musikgeschichte, die in mehrteiligen Reihen solche Themen wie Bach und seine Vorgänger, die franko-flämische Polyphonie oder Instrumentenkunde behandelten und so etwas wie zu einem Markenzeichen des Labels wurden. Das erstaunliche dabei war auch, dass nahezu alle Produktionen des Labels von Lejeune sowohl wissenschaftlich als künstlerisch und technisch betreut wurden.


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