> > > Ravel: Cantates pour le Prix de Rome: Choeur et Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé
Freitag, 3. Februar 2023

Ravel: Cantates pour le Prix de Rome - Choeur et Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé

Mit fünf Bonustracks


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In den solistischen Leistung kann die neue Gesamteinspielung von Ravels Kantaten für den Rompreis nicht den Spitzenplatz erlangen.

Im Frühjahr 2000 ging Michel Plasson für EMI France in Toulouse ins Studio, um die drei großen Kantaten Maurice Ravels, mit denen dieser 1901–1903 beim Wettbewerb um den Prix de Rome in die Schlussrunde kam, einzuspielen. Kleinere Werke hatte er für die Vorrunden 1900, 1901–1903 und 1905 eingereicht, und diese sind zusammen mit den großen Kantaten auf der vorliegenden Doppel-SACD mit einer Gesamtspieldauer von 102 Minuten zusammengefasst, die Aufnahmen entstanden im September 2020 in Nantes und im September 2021 in Angers. Die erste SACD ist den drei großen Kantaten ‚Alyssa‘ (1903), ‚Alcyone‘ (1902) und ‚Myrrha‘ (1901) gewidmet, und die aufgebotenen Vokalsolisten sind nicht minder renommiert als jene bei Plasson.

‚Alyssa‘ ist eine quasi-szenische ‚Légende irlandoise‘ in drei Szenen für Sopran, Tenor und Bariton. Im direkten Vergleich zur Plasson-Einspielung fällt auf, dass beide Male Véronique Gens die Alyssa singt, einmal jugendlich frisch, nun reif und kaum weniger ausdrucksstark. Der Tenor Julien Behr ist Yann Beuron unter Plasson nicht ganz gleichwertig, und auch der Bariton Jacques Imbrailo hat nicht die Überzeugungskraft Ludovic Téziers.

Leuchtende Höhen

Die fünfteilige ‚scène dramatique‘ ‚Alcyone‘ fordert zwei Frauensoli und einen Tenor, Sophie Koch singt die Titelrolle – und ist, nicht zuletzt wegen mittlerweile arg wabernden Vibratos, abermals weniger überzeugend als Mireille Delunsch, die der Partie leuchtendere Höhe verleiht und mit Béatrice Uria-Monzon und Paul Groves überdies die hochkarätigeren Partner hat. Die ‚scène lyrique‘ ‚Myrrha‘ entstammt der Sardanapal-Legende, und Vannina Santoni und Michael Spyres singen die beiden Hauptrollen. Spyres ist für den Part des Sardanapal noch besser geeignet als Groves und Santoni bringt stärkeren Eigencharakter in die Titelrolle als Norah Amsellem. Jacques Imbrailo ist in der Partie des Bélésis Marc Barrard unter Plasson gleichwertig.

Besondere Bedeutung erlangt die Produktion also weniger durch die Einspielung der drei großen Kantaten, obschon der SACD-Klang große Klarheit und Transparenz bietet (doch auch die zwanzig jahre ältere EMI-Einspielung ist in dieser Hinsicht keine größere Enttäuschung). Interessanter sind die fünf kürzeren Werke für die erste Wettbewerbsrunde, in chronologischer Reihenfolge ‚Les Bayadères‘, ‚Tout est lumière‘, ‚La Nuit‘, ‚Matinée de Provence‘ und ‚L’Aurore‘. Ravel erkundet, wie gefordert, unterschiedliche ‚Exotismen‘ und Stimmungen, und dass man noch nicht seine eigene Stimme hinreichend hört, ist nicht zuletzt auch der vorgeschriebenen Form geschuldet. Kurze Werke für Solostimme, Chor und Orchester finden wir sonst in Ravels Schaffen kaum, so dass die Bemühungen des Komponisten (der 1905 seinen Beitrag einreichte, obwohl er bereits das Höchstalter von 30 Jahren erreicht hatte). Aus den Jahren 1900–1905 entstanden noch zwei weitere Kantaten, dieaber teilweise verschollen sind, außerdem der kleine Orchesterliederzyklus ‚Shéhérazade‘ (1903), dazu das orchestrierte Lied ‚Noël des jouets‘ (1905/06) sowie kurz zuvor die Ouverture de féerie ‚Shéhérazade‘ (1898); es wäre schön gewesen, wäre der verfügbare Platz zu entsprechender Kontextualisierung genutzt worden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ravel: Cantates pour le Prix de Rome: Choeur et Orchestre National des Pays de la Loire, Pascal Rophé

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
2
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925820


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Ravel, Maurice


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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