> > > Talivaldis Kenins: Symphonies No. 5 & 8: Iveta Apkalna, Latvian National Symphony Orchestra, Andris Poga
Donnerstag, 8. Dezember 2022

Talivaldis Kenins: Symphonies No. 5 & 8 - Iveta Apkalna, Latvian National Symphony Orchestra, Andris Poga

Lettisch-kanadische Entdeckungen


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der lettisch-kanadische Tondichter Tālivaldis Ķeniņš hat mit seinen Symphonien Nr. 5 und 8 zwei ausdrucksstarke Werke komponiert, vor allem die Achte für Orgel und Orchester hat Beachtung verdient.

1919 im lettischen Liepāja geboren und 2008 in Toronto verstorben – die Lebensdaten von Tālivaldis Ķeniņš verweisen auf eine bewegte Biographie. Obwohl er seit 1951 in Kanada lebte, gilt er allgemein als lettischer Komponist. Auf vorliegender CD aus dem Hause Ondine ist es auch das lettische Nationalorchester (unter Andris Poga), das sich seinen Werken widmet. Zu hören sind zwei der insgesamt acht Symphonien: Die fünfte Symphonie aus dem Jahr 1976 sowie die Achte mit dem Untertitel 'Sinfonia concertata' für Orgel und Orchester, komponiert 1984. Solistin im letztgenannten Werk ist die Organistin Iveta Apkalna.

Bei einer Symphonie für Orgel und Orchester liegt natürlich der Vergleich mit Camille Saint-Saëns und seiner berühmten dritten Symphonie nahe, doch Ķeniņš wandelt nicht auf den Pfaden des berühmten Franzosen – eher schon auf denjenigen seiner (früheren) Nachbarn Prokofiev und Shostakovich. Dies gilt für beide Symphonien, am deutlichsten aber für die Fünfte, deren energiegeladener Kopfsatz den Hörer von Beginn an fesselt. Die herben, fast bruitistischen Klänge dürften zwar nicht jedermanns Geschmack sein, doch der rhythmische Sog, den der Komponist hier entfaltet, ist von packender Wirkung. Diese Wirkung beschränkt sich nicht auf plakative Effekte, sondern erfährt eine durchdachte motivisch-thematische Entwicklung im Laufe des Werkes, das sich insgesamt durch seine angenehme Kompaktheit (Spieldauer etwas über 20 Minuten) auszeichnet.

Positiver Gesamteindruck

Poga und das lettische Nationalorchester gehen das Stück mit Schwung und Engagement an, manchmal übertreiben es die Blechbläser möglicherweise, doch der Gesamteindruck des Werkes ist durchweg positiv. Ķeniņš hat die Symphonie viersätzig angelegt, verzichtet dabei aber auf ein 'klassisches' Scherzo, vielmehr werden zwei verhaltene Mittelabschnitte von zwei schnellen Ecksätzen flankiert. Das funktioniert – nicht nur aufgrund einer überlegenen kompositorischen Faktur, sondern auch aufgrund einer rasanten und präzisen Interpretation, die dem Werk in jeder Hinsicht gerecht wird. Nur beim Klangbild muss man kleiner Abstriche in Kauf nehmen, die erwähnten Blechbläser stehen doch etwas zu sehr im Vordergrund.

Die achte Symphonie ist dreisätzig und räumt erwartungsgemäß der Orgel großen Raum ein, ohne jedoch ein Solokonzert zu sein. Konzertante Elemente, in den sich die Instrumente gleichsam 'den Ball zuspielen', durchziehen das ganze Werk, sehr gelungen etwa der Dialog zwischen Pauken und Fagott zu Beginn des Kopfsatzes. Die mächtigen, virtuosen Orgel-Einwürfe von Apkalna korrespondieren gut mit dem Orchester, wie es überhaupt in diesem Fall der Klangtechnik besser als in der fünften Symphonie gelungen ist, eine Balance herzustellen – keine Kleinigkeit bei der akustisch heiklen Kombination von Orgel und Orchester. Insgesamt wirkt die Achte abwechslungsreicher als die fünfte Symphonie, da neben dem motorischen hier auch das lyrische Moment angemessen berücksichtigt wurde. Für den Hörer sind beide Werke jedenfalls eine willkommene Gelegenheit, den Komponisten Ķeniņš kennenzulernen.

Dies gilt auch für die 1984 komponierte 'Aria per corde', die nach den beiden beeindruckenden Symphonien eher wie eine Zugabe wirkt. Das Stück ist nicht schlecht gemacht, kann es aber in puncto klanglicher und dramatischer Wucht nicht mit den zwei anderen Werken aufnehmen. Poga und das lettische Orchester absolvieren die 'Aria' routiniert und mit klanglicher Sensibilität, doch es bleibt klar, das hier eher ein gut gemachtes Stück – aber nicht mehr – zu hören ist. Im Kontrast dazu sind die Symphonien Nr. 5 und 8 echte Entdeckungen. Insbesondere die Achte mit ihrer gelungenen Kombination von Orgel und Orchester sollte Organisten interessieren, die mit einem Symphonie-Orchester zusammen auftreten und nicht immer nur Saint-Saëns spielen möchten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Talivaldis Kenins: Symphonies No. 5 & 8: Iveta Apkalna, Latvian National Symphony Orchestra, Andris Poga

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195138823


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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