> > > Korngold: Die tote Stadt: Camilly Nylund, Klaus Florian Vogt, Finnish National Opera
Samstag, 4. Februar 2023

Korngold: Die tote Stadt - Camilly Nylund, Klaus Florian Vogt, Finnish National Opera

Camilla Nylund at her best


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese 'Tote Stadt' schickt gewiss keine der älteren Aufnahmen aus dem Rennen, ist aber allein schon wegen Camilla Nylund eine lohnenswerte Ergänzung.

Schon seit nicht ganz zehn Jahren gibt es bei Opus Arte den DVD-Mitschnitt von Erich Wolfgang Korngolds Welterfolg ‚Die tote Stadt‘ aus der Finnischen Nationaloper aus dem Jahr 2010 mit Klaus Florian Vogt und Camilla Nylund in den Hauptrollen. Nun legt das Label mit einer reinen CD-Veröffentlichung desselben Mitschnitts nach. Eine wirkliche Übersättigung mit Aufnahmen der ‚Toten Stadt‘ auf dem Plattenmarkt gibt es nach wie vor nicht, auch wenn man durchaus mittlerweile eine Wahl hat, in welcher Interpretation man sich dieser Oper nähern möchte. Noch immer dürfte die Studioproduktion unter Erich Leinsdorf mit René Kollo und Carol Neblett von 1975 ziemlich an der Spitze der Diskografie rangieren, zumal sie neben einer noch wesentlich älteren Rundfunkaufnahme die einzige Einspielung unter Studiobedingungen ist. Einige Livemitschnitte sind ebenso erhältlich, auch recht aktuelle aus München oder Frankfurt – nun also der Livemitschnitt aus Helsinki.

Klanglich ist die Veröffentlichung sehr stimmfreundlich, die Sängerinnen und Sänger sind akustisch klar im Vordergrund platziert, was die ohnehin recht gute Textverständlichkeit noch weiter erhöht. Das Orchester der Finnischen Nationaloper schafft es aber letztlich nur in den reinen Instrumentalpassagen, aus dem Schatten zu treten. Das mag auch an dem Dirigat von Mikko Franck liegen, der sich dem vokalen Geschehen unterordnet und eher das leicht Schwülstige sowie ‚Gefällige‘ der Partitur betont. Moderne Zwischentöne und die Komplexität von Korngolds Musik schwimmen im großen Hollywood-Sound leicht genant mit. Freilich macht der üppige Sound auch Freude – wer beispielsweise gerne im berühmten Lied Mariettas zur Laute schwelgt oder im Harlekin-Lied, der kommt bei diesem Mitschnitt fraglos auf seine Kosten. Auch die ausladenden Szenen zwischen Marietta und dem mentalen Grenzgänger Paul steigern Franck und sein Ensemble ins Rauschhafte.

Eine Marietta-Traumbesetzung

Ein wahre Traumbesetzung für die Marietta ist Camilla Nylund, die sich hier im November 2010 im Vollbesitz ihrer stimmlichen und gestalterischen Möglichkeiten präsentiert. Sie verbindet lyrische Wärme mit gleißenden Spitzentönen und fast endlosen Bögen, die mühelos das gnadenlose Korngold-Orchester durchschneiden oder sich vielmehr magisch darüber ausbreiten. Sie zaubert die gespenstisch kühle Verführerin ebenso entwaffnend aus dem Ärmel wie die leidenschaftliche Geliebte. Schöner und wahrhaftiger kann man diese Musik kaum singen.

An der Besetzung der männlichen Hauptrolle scheiden sich vermutlich die Geister: Klaus Florian Vogt beweist zweifelsfrei das nötige Durchhaltevermögen für die höllische Partie, technisch kennt er keine Schwierigkeiten. Aber dieses helle, fast knabenhafte Timbre mit der Tendenz zur Farbverweigerung muss man wirklich mögen. Den Mann am Rande des Wahnsinns kauft man ihm durch seine kluge Textbehandlung mühelos ab, aber gerade die langen Szenen mit Camilla Nylund legen offen, wie eintönig Vogts vokale Darbietung gerät. Selbst im heftigsten Forte entwickelt die Stimme keine spürbar physische Kraft, die Darbietung rangiert am ehesten unter dem Gütesiegel ‚lyrisch ohne Ermüdungserscheinung‘. Das alles gehört aber zum Phänomen ‚Vogt‘, das offenbar die Konsumenten dieser Kunst in Pro und Contra trennt, dazwischen gibt es wenig. Dass Klaus Florian Vogt ein gern gebuchter Paul in der ‚Toten Stadt‘ ist, zeigt sich auch am Frankfurter Mitschnitt von 2009, der ebenfalls mit Vogt wirbt.

Kernig, balsamisch

Als Frank und Fritz macht Markus Eiche mit kernigem und ebenso zu balsamischen Phrasen fähigem Bariton einfach nur Freude. Sari Nordqvist ist eine grundsolide Brigitta und im übrigen Ensemble gibt es keinerlei Ausfälle, wenn auch keine besonderen Glanzlichter: Kaisa Ranta als Juliette, Melis Jaatinen als Lucienne, Per-Håkan Precht als Victorin, Juha Riihimäki als Graf Albert und Antti Nieminen als Gaston. Der Chor der Finnischen Nationaloper hat intonatorisch bestimmt schon bessere Tage gehabt, entledigt sich der überschaubaren Chorpartie mit zu erwartender Souveränität.

Diese ‚Tote Stadt‘ schickt gewiss keine der älteren Aufnahmen aus dem Rennen, ist aber allein schon wegen Camilla Nylund eine lohnenswerte Ergänzung, wenn man die Leinsdorf-Einspielung oder den Salzburger Mitschnitt unter Donald Runnicles schon im Regal stehen hat.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Korngold: Die tote Stadt: Camilly Nylund, Klaus Florian Vogt, Finnish National Opera

Label:
Anzahl Medien:
Opus Arte
2
Medium:
EAN:

CD
809478090502


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Korngold, Erich Wolfgang


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