> > > Jaques-Dalcroze: Werke für Cello & Klavier: Pi-Chin Chien, Bernhard Parz [Ersteinspielungen]
Dienstag, 9. August 2022

Jaques-Dalcroze: Werke für Cello & Klavier - Pi-Chin Chien, Bernhard Parz [Ersteinspielungen]

Rhythmisch bewegt


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Gesamteinspielung von Émile Jaques-Dalcrozes Œuvre für Violoncello und Klavier wartet mit einigen Überraschungen auf.

Émile Jaques-Dalcroze (1865–1950) entzieht sich allzu leichter Einordnung. Bedeutend nicht zuletzt als Begründer der musikbasierten rhythmischen Sportgymnastik (nicht zu verwechseln mit der anthroposophisch geprägten Eurythmie), beschränkte sich seine Tätigkeit keineswegs Musik, so dass ihn Kritik und Zeitgenossen nicht selten belächelten und nicht ernst nahmen. Dabei weist Jaques-Dalcroze ein beachtliches kompositorisches Schaffen auf, darunter mehr als 500 Lieder und Gesänge, mehrere Opern und andere Chorwerke, zwei Konzertwerke für Violine und Orchester, Kammer- und Klaviermusik sowie verschiedene Unterrichtswerke; einzig größere symphonische Werke fehlen in seinem Œuvre.

Die vorliegende CD umfasst vier Kompositionen für Violoncello und Klavier – von der Suite op. 9 (1891) und den Trois Morceaux op. 48 (1902) bis hin zu den Trois Esquisses (1906 – seit 1905 vergab Jaques-Dalcroze keine Opuszahlen mehr) und den vier ‚Rhythmes délaissées‘ (1924). Harmonisch war Jaques-Dalcroze zunächst traditionsgebunden – doch das Interesse an eigenständigen Klangtexturen und rhythmischen Eigenheiten können wir bereits bei der frühen Suite entdecken. Die Trois Morceaux zeigen trotz scheinbar konventioneller Klangsprache einen mehr als unkonventionellen Geist. Das Konzept der Sérénade mit einer rhythmischen Eröffnung im Klavier zeigt, wie wenig ernst Jaques-Dalcroze sich und musikalische Traditionen nimmt – die ironische Brechung erweist, wie nahe am Puls der Zeit der Komponist Jaques-Dalcroze war.

Die stilistische Weiterentwicklung, die wir mit der Abkehr von Opuszahlen feststellen können, ist beachtlich – Jaques-Dalcroze entwickelt seine Harmonik zwar in Richtung seiner Zeitgenossen weiter, diversifiziert sich aber vor allem in Bezug auf rhythmische Aspekte. Während das Andante cantabile aus den Trois Esquisses dem ‚leichteren‘ Reger (den Jaques-Dalcroze spätestens 1904 persönlich kennengelernt hatte) nicht ganz fern steht, weisen rhythmisch durchaus eigenen Ecksätze teilweise in die Richtung von Chabrier oder anderen französischen Zeitgenossen. Die ‚Rhythmes délaissées‘ sind verstärkt der Musik der 1920er-Jahre verbunden, der sogenannten ernsten ebenso wie der Unterhaltungsmusik, mit rhythmischen Besonderheiten im namengebenden kompositorischen Fokus.

Die aus Taiwan stammende Pi-Chien Chien und ihr Klavierpartner Bernhard Parz (an einem bestens präparierten Bösendorfer-Flügel) wissen die Eigenheiten von Jaques-Dalcrozes musikalischem Denken herauszuarbeiten – einerseits die besonderen Texturen, dann die harmonische Entwicklung in den späteren Kompositionen und vor allem der bedeutende rhythmische Aspekt. Das tiefe Verständnis für die kompositorischen Charakteristika, für Doppelbödigkeit und die ironische Auseinandersetzung mit dem Musikleben seiner Zeit ergeben ungemein lebendige und charmante Wiedergaben, die weitergehende Erkundung des Schaffens von Jaques-Dalcroze unbedingt geboten erscheinen lassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jaques-Dalcroze: Werke für Cello & Klavier: Pi-Chin Chien, Bernhard Parz [Ersteinspielungen]

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
TYXart
1
41:52
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4250702801672
TXA22167


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"CD PROGRAMME / TRACKLIST:

Trois Morceaux op. 48 pour violoncelle et piano
Lied romantique 07:07
Sérénade 04:11
Bagatelle 03:06

Rythmes délaissés pour violoncelle et piano
Nr. I Chantant et bien rythmé 02:33
Nr. II Commodément 02:11
Nr. III Allegretto comodo 02:18
Nr. IV Gaîment animé 03:40

Suite op. 9 pour violoncelle et piano
Nr. I Allegro ma non troppo 02:23
Nr. II Andantino espressivo 03:19
Nr. III Allegretto con moto 03:23
Nr. IV Vivace 03:10

Trois Esquisses pour violoncelle et piano
Nr. I Allegretto vivace 01:07
Nr. II Andante cantabile 02:10
Nr. III Allegretto scherzando 01:14

*** World Premiere Recordings ***


Of the most prolific and world-famous composers from Switzerland, none fell into oblivion faster after his death than Emile Jaques-Dalcroze. With the late Romantic Joseph Joachim Raff, born in Lachen (Canton Schwyz), he shares the multitude of compositions in various genres, with his friend Arthur Honegger the multitude of publishers in France, England and Switzerland. Born as a contemporary of Jean Sibelius five years after Mahler and Hugo Wolf and ten years before Ravel, who influenced him less than the German Romantics, Jaques-Dalcroze developed a distinct personal style at the turn of the 20th century.

When Emile Jacques-Dalcroze died in Geneva on 1 July 1950, a few days before his 85th birthday, he left behind a life's work of overwhelming abundance as a composer. In addition to well over 500 songs in various instrumentation forms, his oeuvre contains several operas, festival music, cantatas, chamber and piano music as well as solfèges and other teaching literature for children and adults. Until the end of his life, his largely late Romantic oeuvre remained mixed with elements from the musical language of composers as diverse as Chopin, Schumann, Saint-Saëns and Fauré, despite all the independence. Emile Jaques-Dalcroze, however, was an extremely imaginative composer of great originality.

First and foremost, however, the long-out-of-print compositions for violoncello and piano deserve to be returned to concert practice. The promising prelude to this CD album with exclusively world premiere recordings is the "Trois Morceaux op. 48" (Strasbourg 1902). With a dialogue introduced by the cello as a soloist, the multi-part "Lied romantique" in G major begins in a very unusual, free way. In the four "Rythmes délaissés" (Paris 1924), the composer uses rhythmic formulas such as short ostinati to combine them with singable melodic lines. The odd metres with which the first piece (C minor) begins in five-eighth time and with strikingly intoned arpeggios, and the frequent bar changes return in No. II (A major).

The "Suite op. 9" is dedicated to his friend Adolf Rehberg, the brother of the much better known pianist and composer Willy Rehberg. For the French-speaking Swiss cellist, who taught at the Geneva Conservatory, Jaques-Dalcroze also suited the "Lied romantique" op. 48 Point 1. The "Pièces faciles" published in 1907 go back to a children's concert performed by six- to sixteen-year-old students of the composer. Most of them are set for piano of two or four hands, those composed for violoncello and piano form an enchanting addition under the title "3 Esquisses". What the gifted pedagogue put on paper on only two printed pages of melodic freshness, contrapuntal subtleties and humor testifies as much empathy to the children's world as to compositional sophistication.

Magnificently recorded by the duo Pi-Chin Chien, violoncello and Bernhard Parz, piano, this CD offers a musical and sonic wealth of first recordings that should not be missed."


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TYXart

TYXart - the musicART label

TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


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