> > > Graupner: Der Herr ist auferstanden: Franz Vitzthum, Georg Poplutz, Main-Barockorchester
Samstag, 25. Juni 2022

Graupner: Der Herr ist auferstanden - Franz Vitzthum, Georg Poplutz, Main-Barockorchester

Elegant und kurzweilig


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Arien und Duette aus österlichen Kantaten von Christoph Graupner: Musik an der Schwelle zur Eleganz, mit leichter Hand und in leuchtenden Farben gedeutet von Franz Vitzthum, Georg Poplutz und dem Main-Barockorchester.

Christoph Graupner und seine Kantaten – das ist ein mehr als 1.400 Werke umfassender Riesenkosmos, der in den vergangenen Jahren von manchem Ensemble Schritt für Schritt, oft in thematischen Kontexten erkundet wird, von einer auch nur ansatzweise systematischen Erschließung freilich noch ein gutes Stück entfernt ist. Was aber an jenen Beispielen neben der schieren Qualität der Werke deutlich geworden ist: Graupner war zweifellos ein ‚galanter Individualist‘, wie eine Formulierung im Booklettext der aktuell bei Accent erschienenen Platte befindet. Der Countertenor Franz Vitzthum und der Tenor Georg Poplutz haben gemeinsam mit dem von Martin Jopp geleiteten Main-Barockorchester einige Arien und Duette aus Kantaten zur Osterzeit – von Auferstehung bis Himmelfahrt – zusammengestellt, bereichert um eine Ouvertüre und ein Concerto.

Eine Stippvisite gewissermaßen, mit oft leichter Musik frohlockenden Affekts – was der ohnehin bei Graupner vorhandenen Neigung zur Eleganz und zum lichten Satz ganz entspricht. Doch was wäre eine solche Aussage ohne ihre Relativierung: Natürlich ist Graupner alles andere als eindimensional, und so wird auch in diesem Programm der Gegenpol verdüsterter Haltung angesteuert, etwa im Duett ‚Mein Freudenlicht hat sich verborgen‘ aus der gleichnamigen Kantate.

Der Instrumentalsatz der hier erklingenden Kantaten-Sätze ist ausschließlich mit Streichern und Basso continuo besetzt, was ihn die sonst im Werk Graupners so belebenden Impulse interessanter instrumentaler Farben entbehren lässt. Die Ouvertüre c-Moll GWV 413 und das viersätzige Concerto älteren Typs in g-Moll GWV 335 sind ebenfalls für Streicher gesetzt, das Concerto mit zwei solierenden Violinen – den kompositorischen Ansatz in insgesamt etwas freierer Geste ausdeutend. Das ergibt durchaus ein Programm von Wert und Gehalt, wenngleich manche Arie doch ihres Kontexts beraubt wirkt, mancher im Satz angelegte Übergang zum jeweils nächsten Abschnitt der Kantate zwangsläufig unbeschritten bleibt – das ist der Preis einer solchen Programmierung, was jedoch nichts am Gewicht der Kompositionen Graupners ändert.

Klangschöne Vokalisten, geschmackvolles Orchester

Der vielseitig präsente Altist Franz Vitzthum glänzt mit einer Stimme in süffigen Farben, ist vor allem lyrisch und mit fabelhaft durchgebauten Linien überzeugend, technisch sicher bis zu den leuchtenden Höhen. Bei Georg Polplutz verbinden sich – wie schon in unzähligen Einspielungen zuvor – eine natürliche Eloquenz und eine mit leichtem Zugriff ausgeformte lineare Kunst, die ganz im Dienst des Affekts steht. Das sichert seinem Vortrag eine spezifische Eleganz. Poplutz ist der bei weitem Stärkere in der Diktion, arbeitet auf natürlichste Weise plastisch heraus, was bei Franz Vitzthum gelegentlich sehr in die Linie gelegt ist.

Das von dem Geiger Martin Jopp geleitete Main-Barockorchester betont das delikate Spiel, ist darin reich an Details; sämtliche Musikerinnen und Musiker hören der Differenz nach, formen elegant geschnittene Satzcharaktere aus. Linien werden beseelt ausgesungen, ohne allzu große Süße, aber doch mit wachem Sinn für das Lyrische. Die Tempi sind klar konturiert, siedeln aber überwiegend im unteren Bereich dessen, was zutreffend ist. Intoniert wird ohne Makel und Beschwernis, vokal wie instrumental ergibt sich eine gleichsam mit duftig leichten Qualitäten durchmessene Sphäre. Die Artikulation ist hochpräzis – die schmale Besetzung ermöglicht das und fordert es geradezu heraus, lässt diese Stärke zugleich plastisch hervortreten. Schließlich ist ein direktes und vielschichtiges Klangbild zu verzeichnen: Man hört in den Streicherkorpus förmlich hinein. Dazu ist eine harmonische Balance zwischen Instrumenten und Vokalstimmen zu verzeichnen.

Arien und Duette aus österlichen Kantaten von Christoph Graupner: Musik an der Schwelle zur Eleganz, mit leichter Hand und in leuchtenden Farben gedeutet von Franz Vitzthum, Georg Poplutz und dem Main-Barockorchester.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Graupner: Der Herr ist auferstanden: Franz Vitzthum, Georg Poplutz, Main-Barockorchester

Label:
Anzahl Medien:
Accent
1
Medium:
EAN:

CD
4015023243828


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Graupner, Christoph


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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