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Freitag, 6. Dezember 2019

Satie, Erik - Gnossienne

Traumhafte Ruhe


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zu den bemerkenswertesten Künstlergestalten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zählt zweifellos der französische Komponist Erik Satie. Der 1866 geborene Musiker zählte Zeit seines Lebens als Sonderling, dessen Werk von der Öffentlichkeit wenig bzw. gar nicht beachtet wurde. Dies lag sicherlich darin begründet, dass er sich offen gegen das Kompositions- und Klangideal der Spätromantik wandte und einen radikalen musikalischen Neuanfang wagte. Statt eine jahrhundertealte Entwicklung weiter zu verfeinern, schuf er Werke von großer Einfachheit, die in der Tat (auch heute noch) recht unkonventionell wirken. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass Satie die Grundlagen zahlreicher Neuerungen, wie z.B. den Dadaismus oder die Popart, ersann. Auch musikalisch hinterließ er deutliche Spuren. Das Werk John Cages wäre beispielsweise ohne Saties Einfluss schwerlich denkbar.

Die vorliegende CD ?Satie ? A selection of piano pieces? des Labels Glossa Platinum enthält Klavierkompositionen Erik Saties aus den späten 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts. Interpretiert werden die 20 Stücke von dem in Mulhouse geborenen Pianisten Patrick Cohen.
Das Klavier war Saties bevorzugtes Ausdrucksmedium, konnte er dort doch seine musikalischen Gedanken am direktesten mitteilen. Alle Stücke sind von einer großen Einfachheit und Durchsichtigkeit des Satzes geprägt. Gleichmäßig und ruhig fließen die Viertel- und Achtelnoten dahin, wie ein niemals enden wollender Strom. Es scheint fast so, als stünde die Zeit still, während sich die oft einfachen Harmonien aneinander reihen. Obwohl Musik erklingt, kann man eine traumhafte Ruhe verspüren. Die große Ähnlichkeit der aufgenommen Kompositionen untereinander, stellt das größte Problem der CD dar. Patrick Cohen gibt sich zwar Mühe, die Stücke durch feine Akzente und Nuancen unterscheidbar darzubieten, doch mit der Zeit wird das Album zunehmend eintöniger und langweilig. Die aus der Werbung (?Ein Fels in der Brandung?) bekannte Komposition ?Gymnopédie No.1? ist eine der wenigen mit einem hohen Wiedererkennungswert. So fällt es schwer, allen Stücken die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl sie sicherlich nicht schlecht dargeboten werden.

Zur Entspannung hingegen ist Saties Musik genau die richtige, da sie den Zuhörer vollkommen unbeschwert von den Problemen des Alltags loslöst. Und wenn man seine Augen schließt, meint man das Meer vor sich zu haben, mit seinen endlos anrollenden Wellen, und es ist einem, als ob man zur Musik gerade den Ruf einer Möwe vernommen hätte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Martin Ballmeier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Satie, Erik: Gnossienne

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.11.2003
63:35
1997
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
8424562305083
GCD P30508


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Satie, Erik


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Interpret(en):Cohen, Patrick (Piano)


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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