> > > Werke von Weinberg und Shostakovich: Kateryna Kasper, Trio Vivente
Samstag, 21. Mai 2022

Werke von Weinberg und Shostakovich - Kateryna Kasper, Trio Vivente

Rasanz und Resignation


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Sopranistin Kateryna Kasper und das Trio Vivente brillieren mit einer originellen Gegenüberstellung von Klaviertrios und Liedern von Schostakowitsch und Weinberg.

Eine wahrlich spektakuläre Besetzung: Bei der Uraufführung von Dimitri Schostakowitschs 'Sieben Romanzen' op. 127 liest sich die Liste der Mitwirkenden wie ein 'Who is who' der damaligen sowjetischen Musik. Den Vokalpart übernahm die Sopranistin Galina Wischnewskaja, die Violine spielte David Oistrach, das Cello Mstislaw Rostropowitsch. Der Komponist selbst konnte den Klavierpart aufgrund einer Bein-Fraktur nicht übernehmen, für ihn sprang sein Kollege Mieczysław Weinberg ein. Die ungewöhnliche Besetzung des Liederzyklus (für Sopran, Violine, Violoncello und Klavier) mag ein Grund sein, warum das Werk eher selten zu hören ist – bedauerlicherweise, denn Schostakowitschs Biograph Krzysztof Meyer zählt das Werk zu den 'Spitzenleistungen' des Tondichters und spricht sogar von einem 'Meisterwerk der Vokallyrik, die in seinem Schaffen nicht ihresgleichen haben'. Weinberg indessen, der seinerzeit als Pianist einsprang, ist mittlerweile als Komponist eine feste Größe und ebenfalls auf dieser CD vertreten: Die 'Jüdischen Lieder' op. 13 entstanden ursprünglich für Sopran und Klavier, wurden für diese Aufnahme aber von Alexander Oratovski für die Besetzung von Schostakowitschs op. 127 bearbeitet. Den beiden Liederzyklen hat man beim Label cpo Klaviertrios der beiden Tondichter gegenübergestellt: Bei Weinberg das eher selten zu hörende Trio op. 24, bei Schostakowitschs das sehr häufig gespielte erste Trio op. 8. Die Interpreten sind Kateryna Kasper (Sopran) und das Trio Vivente, bestehend aus Jutta Ernst (Klavier), Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kristin von der Goltz (Violoncello).

Platz für die Zwischentöne

Die 'Sieben Romanzen' stehen mit ihrem vergleichsweise kargen Klangbild, langen, eher verhaltenen Passagen und kurzen, aber heftigen Ausbrüchen typisch für das Spätwerk des Komponisten. Der Klavierpart ist recht schlicht gehalten, deutlich höher sind die Ansprüche an die Sopranistin. Kasper ist diesen Ansprüchen vollauf gewachsen und trifft den elegisch-verhaltenen Ton der Stücke sehr genau. Die pro Stück jeweils unterschiedlich Begleitung (alle drei Instrumente begleiten erst im letzten Lied) stellt die Musiker vor keine unüberwindbare Hürde, da Schostakowitschs stets einen sparsamen, gut durchhörbaren Satz komponiert hat. Das dramatische Spektrum des Zyklus kommt in dieser Einspielung hervorragend zur Geltung, auch das Klangbild ist beinahe optimal; Singstimme und Instrumente wurden jeweils gut ausbalanciert.

Deutlich knapper präsentiert sich Weinbergs op. 13 nach Gedichten von Itzak Lejb Peretz. Das kürzeste Lied dauert nur 46 Sekunden, aber substanziell kann man die Stücke bedenkenlos neben Schostakowitsch stellen. Hier wie dort überzeugt Kaspar mit einer klaren, schlichten Sopranstimme, die dank einer einfühlsamen Begleitung niemals forcieren muss. Der expressive, manchmal auch verspielte Charakter der Lieder wird hervorragend eingefangen, es bleibt genügend Platz für die nachdenklichen Zwischentöne, die diese Musik prägen.

Dies gilt auch für die Einspielung des Klaviertrios op. 24, das – ohne die Qualität der Lieder in Abrede zu stellen – als Höhepunkt dieser CD bezeichnet werden darf. Das viersätzige, im Grundton düstere Trio erfährt eine exzellente, gut ausgewogenen Interpretation und hält jedem Vergleich mit den Gattungsbeiträgen weitaus berühmterer Kollegen stand. Vom Larghetto-Beginn über die 'Toccata' und das 'Poem' hin zum rasanten Finale können sich die Musikerinnen voll entfalten und nun auch einmal – was in den Liedern nur bedingt möglich war – ihre Virtuosität demonstrieren. Dies geschieht auch im Schostakowitsch-Trio, das jedoch aufgrund seiner Bekanntheit weniger überraschend wirkt, obwohl die Interpretation keineswegs schlechter ist. Weinbergs Trio darf jedoch als der große Repertoire-Pluspunkt dieser CD gelten. Insgesamt ist die Kombination von Liedern mit Trio-Begleitung und 'reinen' Trios als vollauf gelungen zu bezeichnen und macht Lust auf mehr Werke dieser ungewöhnlichen, aber spannenden Besetzung.

 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Weinberg und Shostakovich: Kateryna Kasper, Trio Vivente

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203536726


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Schostakowitsch, Dimitri
 - Seven Romances op. 127 -
 - Seven Romances op. 127 -
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 - Trio for Violin, Violoncello and Piano No.1 op.8 -
Weinberg, Mieczyslaw
 - Jewish Songs op.13 -
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 - Trio for Violin, Violoncello and Piano op.24 - Prealudium und Arie. Larghetto
 - Trio for Violin, Violoncello and Piano op.24 - Toccata. Allegro moderato
 - Trio for Violin, Violoncello and Piano op.24 - Poem. Moderato
 - Trio for Violin, Violoncello and Piano op.24 - Finale. Allegro moderato


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Interpret(en):Kasper, Kateryna


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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