> > > Eliasson: Symphonies No. 3 & 4, Trombone concerto: Christian Lindberg, Gothenburg Symphony, Johannes Gustavsson
Mittwoch, 28. September 2022

Eliasson: Symphonies No. 3 & 4, Trombone concerto - Christian Lindberg, Gothenburg Symphony, Johannes Gustavsson

Mit prominentem Blech


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine spannungsvolle Würdigung zum 75. Geburtstag Anders Eliassons.

Der schwedische Komponist Anders Eliasson (1947–2013) ist ein weiterer Exponent der großen schwedischen Tradition seit dem späten 19. Jahrhundert. Sein Motto ‚Musik ist ganz einfach, sie ist wie Wasser: H2O entspricht Melodie+Harmonik+Rhythmik‘ resultiert in einer spannungsvoll pulsierenden, tonal scheinbar freien, vielmehr aber auf einem anders konstituierten harmonischen System basierender Musik. Die Dritte Sinfonie entstand 1989 und wurde 2010 überarbeitet. Das in fünf Abschnitte gegliederte, durchkomponierte Werk verwendet neben dem differenziert eingesetzten Sinfonieorchester ein konzertantes Sopransaxophon (für den amerikanischen Saxophonisten John-Edward Kelly, 1958–2015, einen besonderen Exponenten von Eliassons Saxophonkompositionen) und ist bei aller klanglichen und musikalischen Frische zutiefst der sinfonischen Tradition des 20. Jahrhunderts verbunden. Die hier nun vorgelegte Einspielung entstand bereits 2017 in Göteborg mit dem Solisten Anders Paulsson unter der Leitung von Johannes Gustavsson – nun, anders in der ursprünglichen Fassung, mit Sopransaxophon, das, wie Paulsson berichtet, laut Aussage Eliassons der Musik angemessener sei. Das kontrast- und farbenreiche Werk wird – in vorzüglicher SACD-Klangqualität – in mustergültiger Wiedergabe dargeboten, besonders die Ecken und Kanten der Musik werden hinreichend ausgeleuchtet und geschärft.

Traditioneller viersätziger konzipiert (wenn auch durchkomponiert) ist die Vierte Sinfonie von 2005, die aus dem ‚Grundmotiv‘ der abwärts gerichteten großen Sekunde entwickelt wird und eine ganz eigene Welt erschafft. Der Orchesterklang ist diesmal hörbar kompakter konzipiert (mit Flügelhornsoli an entscheidenden Stellen), die Texturen für das Orchester noch dankbarer in der Ausarbeitung als bei der Dritten Sinfonie, und es überrascht nicht, dass das Werk schon eine beachtliche Aufführungshistorie aufweisen kann. Das Kungliga Filharmoniska Orkestern unter Sakari Oramo erfüllt die stimmungsmäßig starke Komposition, deren Schlusssatz ein sich im Saal verlierender Adagio-Epilog ist, mit beeindruckender Dichte und Spannkraft, und gerade das mehr oder minder unerwartete Ende, das das Ende von Eliassons Sinfonieschaffen anzeigt, ist von verblüffender Wirkung.

Gleichfalls mit dem Kungliga Filharmoniska Orkestern unter Oramo erklingt Eliassons Posaunenkonzert aus dem Jahr 2000. Das Werk entstand für Christian Lindberg, der auch hier (in einer Einspielung aus dem Jahr 2011) den Solopart spielt, der weit weniger das musikalische Geschehen dominiert als das Saxophon die Dritte Sinfonie. „Du solltest wie ein eingesperrter Vogel spielen – bloß ist in dem Stück der Vogel eigentlich ausgeflogen“, soll Eliasson Lindberg vor der Uraufführung gesagt haben, um damit einen eher gedeckten Klang des Soloinstruments zu erreichen, der die Expression der Komposition verstärkt. Die satztechnische Dichte des Werks nähert sich einer sinfonischen an, und der Dialog zwischen Solist und Orchester ist – nicht zuletzt dank der ausgezeichneten Klangqualität – von beklemmender Nähe zueinander. Eine kongeniale, wenn überhaupt vielleicht nur im Gesamtergebnis noch einen Hauch zu ‚glatte‘ Wiedergabe. Insgesamt aber haben BIS Eliassons 75. Geburtstag 2022 mehr als würdig eingeläutet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Eliasson: Symphonies No. 3 & 4, Trombone concerto: Christian Lindberg, Gothenburg Symphony, Johannes Gustavsson

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599923680


Cover vergössern

Eliasson, Anders


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... Hörenswerte Alternativaufnahme zum Opus 3 von Händel: Die Van Diemen's Band erweist sich als versiertes Kammermusikensemble auf barocken Instrumenten. Ihr Händel setzt Alternativen zu anderen Aufnahmen frei. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Entspannt: Etwas mehr Drive könnten die mit Eleganz und Esprit vorgetragenen Klavierkonzerte Nr. 1-3 von Johann Wilhelm Wilms vertragen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neue Facetten aus Schweden: Leider ist das Engagement für Hugo Alfvén in nicht optimaler Weise kanalisiert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2022) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich