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Sonntag, 2. Oktober 2022

The Florentine Renaissance - The Orlando Consort

Leuchtende Renaissance


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein kurzweiliges, interpretatorisch höchst gelungenes Porträt der Florentiner Renaissance ist zu verzeichnen. Das Orlando Consort überzeugt mit all seiner Qualität in einem feinen Programm vollkommen.

Florenz als bedeutende Stadt der Renaissance-Kultur wurde in Malerei und Architektur von großen Namen geprägt, die unser Bild der Renaissance bis heute maßgeblich bestimmen. Doch gab es auch in der Musik Figuren von großer Strahlkraft – die neue Platte des englischen Orlando Consort beim Label Hyperion wirft unter dem Titel ‚The Florentine Renaissance‘ ein helles Licht darauf.

Für die Jahrzehnte von 1430 bis etwa 1450 stehen Guillaume Dufay und Gilles Binchois mit ihrer rhythmisch vertrackten, klanglich schwebenden, kaum je kompakten, beinahe gespinsthaften Musik: Für das Orlando Consort ist dieses Repertoire spätestens seit seinen groß angelegten Repertoireerkundungen bei Dufay oder Machaut ein interpretatorisches Heimspiel. Kaum weniger profund sind die Kenntnisse dessen, was für die Jahrzehnte ab 1460 aufgerufen wird: Vor allem kommt Heinrich Isaac umfangreich zu Wort, dazu erklingt manch anonym überlieferter Satz – Musik unmittelbarer, teils kraftvoller Wirkung, vor allem wird das in den weltlichen Kompositionen deutlich, die frühe madrigalische Qualitäten aufweisen. Ganz andere Farben werden durch Isaacs intensive Klagegesänge auf den Tod Lorenzo de´ Medicis – ‚Quis dabit capiti meo aquam?‘ und ‚Quis dabit pacem populo timenti?‘ – aufgerufen, in ausgreifender Vierstimmigkeit von eindringlicher Wirkung.

Herausragende Könner

Das Orlando Consort – gegründet 1988 – singt in der seit Jahren angestammten Besetzung mit Matthew Venner (Countertenor), Mark Dobell (Tenor), Angus Smith (Tenor) und Donald Greig (Bariton). Die vier Vokalisten sind im allerbesten Sinne technisch und stilistisch aufeinander ‚eingesungen‘, hören perfekt auf die Beiträge der jeweils anderen Stimmen. In diesem Florentiner Programm greifen sie beherzt auf diesen reichen Erfahrungsschatz zu und entfalten das stilistisch durchaus anspruchsvolle Programm mit stupender Souveränität. Der Ensembleklang der Formation ist wie stets von maximaler Klarheit und Konzentration geprägt, gerade die geringstimmig besetzten Kompositionen künden davon. Doch entfalten die Vier auch eine eigentümlich-individuelle Sinnlichkeit und Intensität, die mit Blick auf vergleichbare Ensembles des angesprochenen Repertoires in Gegenwart und Vergangenheit so deutlich wohl nur beim Hilliard Ensemble zu verzeichnen war. In den lebensprallen weltlichen Sätzen geben die Sänger mehr als nur Kostproben davon, dass sie stimmlich in medias res gehen können: Dies ist ein Zug, der schon in der Vergangenheit bei teils deutlich älterem Repertoire anzumerken war, als sich das stimmtechnische und expressive Vermögen vor allem der beiden hohen Stimmen deutlich exponierte und keinen Vergleich mit den entsprechenden Möglichkeiten von Vokalisten anderen Repertoires zu scheuen brauchte.

Viele stimmige Details

Das Orlando Consort singt in überwiegend frischen Tempi, die die rhythmische Bewegung der Stücke betonen und das Moment des Intrikaten explizieren: Gerade in dieser Hinsicht ist das Ensemble von außerordentlichem Rang, gerät die Leichtigkeit der Präsentation besonders beeindruckend. Intoniert wird herausragend qualitätvoll; besonders die kargen Bizinien manches der älteren Sätze nötigen hohen Respekt ab: Wie hier teils dramatisch offen liegende Einzelstimmen leicht und selbstverständlich geführt und gefügt werden, ist nicht oft zu erleben. Das ist auch vor dem Hintergrund des technischen Klangideals von Belang: Das tendiert eindeutig zu direkter, konzentrierter Klarheit, kein größerer Raumanteil steuert zusätzlichen Charme oder Sicherheitspuffer bei. Vielmehr positioniert sich die Realisierung ganz bei den Stimmen und der Musik, ohne Mätzchen oder Künstlichkeiten. Natürlich werden weit ausgreifende vokale Linien präsentiert: Diese Qualität ist aus etlichen der vormaligen Produktionen sattsam vertraut. Hier, vor allem bei einigen der Isaac-Sätze, kommt auch die homophone Schlichtheit zu schöner Entfaltung, intensiv und erstaunlich kraftvoll.

Ein kurzweiliges, interpretatorisch höchst gelungenes Porträt der Florentiner Renaissance ist zu verzeichnen. Das Orlando Consort überzeugt mit all seiner Qualität in einem feinen Programm vollkommen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    The Florentine Renaissance: The Orlando Consort

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571283494


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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