> > > Ritter Pasman: ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Heinz Wallberg
Samstag, 25. Juni 2022

Ritter Pasman - ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Heinz Wallberg

Ein Kuss auf die Stirn


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine liebevolle Wiederbelebung einer komischen Oper von Johann Strauss.

Die unwahrscheinliche Opuszahl 441 trägt die 1892 uraufgeführte komische Oper ‚Ritter Pásmán‘ von Johann Strauss, ein Werk, das von der dramaturgischen Substanz deutlich leichtgewichtiger ist als es Werke für eine Hofoper zumeist waren. So kann es auch nicht überraschen, dass der Dreiakter, in dem es um einen Kuss auf die Stirn, den der ‚Casanova‘ König Karl von Ungarn inkognito der Frau seines Vasallen Ritter Pásmán gibt, schon bald rundweg von der Bildfläche verschwand. Nachdem der ORF-Live-Mitschnitt unter der Leitung von Heinz Wallberg bereits einmal auf dem grauen Schallplattenmarkt erschienen war, wurde sie nun von den Originalbändern neu wiederveröffentlicht – ergänzt um die Ballettmusik aus dem III. Akt, die in der Konzertaufführung im Wiener Musikverein gekürzt war, die aber die Staatliche Slowakische Philharmonie Košice 1993 für Marco Polo eingespielt hatte (leider erfahren wir nicht im Booklet, wo die Ballettmusik ihren Platz gehabt hätte; auch sonst sind die Booklettexte beschämend kurz, ein Libretto fehlt).

In den 1970er- und 1980er-Jahren hat sich Heinz Wallberg mit zahlreichen Opern- und Operettenproduktionen für die Electrola und Eurodisc profiliert, nicht zuletzt als Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters. Dass ihm hier das ORF-Symphonieorchester zur Verfügung steht, eine Liga höher also als ihm in München zur Verfügung stand, liegt nicht zuletzt an dem Fehlen eines vergleichbaren Klangkörpers in Wien, spiegelt aber auch die Wertschätzung auch unbekannterer Opern für das Repertoire eines renommierten Rundfunk-Sinfonieorchesters.

Leichte Hand

Man spürt vom ersten Takt die Freude, die alle Beteiligten an der Aufführung haben – das ungarische Sujet ist weniger archetypisch präsent als im ‚Zigeunerbaron‘, und der Operncharakter des Werks wird schon mit der ersten Szene (der Frauenchor singt ein Spinnerinnenlied). Es ist ungewohnt, Strauss als Schöpfer einer durchkomponierten Oper ohne Dialoge zu hören – und natürlich haben wir hier eine Nummernoper, bei der aber die überleitenden Szenen keineswegs, wie früher behauptet wurde, deutlich neben den charmanten, mitunter herrlich ironisch wagnernden ‚Hauptnummern‘ abfallen. Man muss einer komischen Oper von Johann Strauss halt die leichte Hand, die der Komponist, anwendet, gönnen und kann dann auch unzählige Schönheiten der Partitur genießen.

Dieser Genuss wird nicht zuletzt unterstützt durch eine renommierte Solistenbesetzung (wenn auch nicht immer alle gleich gut textverständlich sind): Josef Hopferwieser und Sona Ghazarian als Königspaar, Eberhard Waechter und Trudeliese Schmidt als Ritterspar, Artur Korn als Hofnarr. Waechter hatte schon in den 1960er-Jahren eine Stimmkrise ereilt, von der er sich nie mehr richtig erholte – das können wir auch hier; seiner szenischen Präsenz tut das keinen Abbruch. Hopferwieser, später profiliert als Heldentenor, ist hier noch einigermaßen sauber in der Stimmführung, wenn auch seine Neigung, manche Töne stentorenhaft zu betonen, bereits zu hören ist – doch auch die Jugendlichkeit seiner Partie weiß er zumeist musikalisch glaubhaft zu machen. Schmidt ist eine luxuriöse Besetzung für die Partie der Rittersgattin Eva, die Frische ihrer Stimme und Leichtigkeit ihrer Höhe überwiegt Momente der Gaumigkeit. Neben dem ORF-Symphonieorchester ist vor allem auch der ORF Chor ein wichtiger Protagonist, und alle Leistungen vereint Heinz Wallberg zu einem lebhaften, kleinere Makel mit Leichtigkeit vergessen lassenden Opernerlebnis. Ein wichtiger, von der Bookletedition leider etwas zu leichtgewichtiger Beitrag zur Johann-Strauss-Diskografie.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ritter Pasman: ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Heinz Wallberg

Label:
Anzahl Medien:
ORFEO
1
Medium:
EAN:

CD
4011790200620


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
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