> > > Medtner: Complete Songs: Ekaterina Levental, Frank Peters
Samstag, 25. Juni 2022

Medtner: Complete Songs - Ekaterina Levental, Frank Peters

Betont lyrisch


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ekaterina Levental und Frank Peters mit der dritten Folge ihrer Gesamtaufnahme der Lieder Nikolai Medtners.

Auf Folge drei ihrer Medtner-Gesamteinspielung wagen sich die Sopranistin Ekaterina Levental und der Pianist Frank Peters auch auf Nebenpfade vor, die neue Platte enthält nicht nur Lieder. Da ist nämlich auch noch die knapp 20minütige Suite Vocalise, ein wirkliches Kuriosum. In den fünf Sätzen „Introduction“, „Gesang der Nymphen“, „Geheimnisse“, „Zug der Grazien“ und „Was der Dichter spricht“ artikuliert die Sängerin nicht ein einziges Wort, sondern singt ihre Melodien als Vocalise. Eher ungewohnt für den Hörer, und für die Sängerin eine im Grunde spezielle Herausforderung: Zwar nimmt das Werk deutlichen Bezug auf eine Goethe-Vorlage, doch es fehlt eben der Text, dessen Stimmungen umzusetzen sie gelernt hat. Medtner hat in dieser Suite eine besonders eingängige Musik komponiert, doch leider wirkt die Interpretation der Suite Vocalise, zumindest stellenweise, deutlich weniger inspiriert als die der Lieder. Zuweilen plätschert die Musik ohne besonders großen Ausdruck dahin. Das liegt sicher auch daran, dass beide Künstler Akzente nicht entschieden genug betonen und Kontraste oder Stimmungswechsel zu wenig in Szene setzen.

Pianist Frank Peters spielt erstmals auf dieser Lieder-Edition auch ein Werk für Klavier solo, nämlich die zweisätzige Sonate-Idylle op. 56. Gleich im Auftakt verlangt Medtner zwar „espressivo“, doch der ganze erste Satz, Allegretto cantabile, steht dann in hellem, lichtem G-Dur, mit teilweise nur zweistimmigen Strukturen. Er ist, im Unterschied zu vielen anderen Werken Medtners, alles andere als ein wuchtiges Virtuosenstück, und vermutlich genau deswegen legt Frank Peters die Betonung eindeutig auf diesen friedvollen, pastoralen Charakter, weniger auf das „espressivo“. Auch den zweiten Satz spielt er sehr elegant und betont das von Medtner im Notentext immer wieder geforderte „cantabile“, gelegentliche Kontraste (Medtner verlangt etwa „risoluto“ oder „forte subito“) scheinen hingegen auch hier allenfalls mäßig ausgeprägt.

Betonung des Lyrischen

Etwas genauer und sorgfältiger, so der Eindruck an einigen Stellen, könnte die Gestaltung schon sein, und das gilt in den Liedern, im Zentrum dieser Folge stehen sieben Lieder op. 52 nach Puschkin, auch seitens der Sopranistin. So scheint etwa die Umsetzung der dynamischen Vorgaben manchmal nicht allzu deutlich, was das Ausdrucksspektrum einschränkt. Außerdem mangelt es der Aufnahme weitgehend an jener Wucht, die Medtners Musik entfalten kann. Es scheint sich allerdings um eine bewusste Entscheidung der Interpreten zu handeln, konsequent die zarten, lyrischen, kantablen Elemente zu betonen. Eben das war auch die größte Stärke der beiden ersten Folgen der entstehenden Gesamtaufnahme, überzeugt diesmal allerdings nicht in gleichem Maße.

Wie schon in den ersten beiden Folgen des Medtner-Projekts steht das Klavier in der Klangtechnik stark im Vordergrund, was angesichts der Bedeutung des Klavierparts schon berechtigt ist. Doch das Instrument klingt auch, anscheinend bedingt durch die Aufnahmetechnik, etwas dumpf und nicht sehr brillant, das Obertonspektrum könnte deutlich besser aufgenommen sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Medtner: Complete Songs: Ekaterina Levental, Frank Peters

Label:
Anzahl Medien:
Brilliant classics
1
Medium:
EAN:

CD
5028421960623


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Medtner, Nikolai


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