> > > Gemischter Satz: Groissböck, Ebner, Trenkwitz, Philharmonia Schrammeln
Samstag, 28. Mai 2022

Gemischter Satz - Groissböck, Ebner, Trenkwitz, Philharmonia Schrammeln

Fließend Wienerisch


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Günther Groissböck realisiert mit berufenen Künstlerkollegen ein Herzensprojekt.

„Gemischter Satz“ bezeichnet in der Winzersprache die Herstellung eines Weins unter Verwendung verschiedener Rebsorten. Im programmatischen Konzept dieses bei Gramola erschienenen Doppelalbums steht der Begriff für die Kombination verschiedener Spielarten des Wienerischen in Gestalt von Duetten, Liedern, Gedichten und Schrammelmusik (der Begriff leitet sich ab vom Namen der genreprägenden Gebrüder Schrammel). Star-Bassist Günther Groissböck und der Tenor Michael Ebner haben die Idee zu dieser Produktion parallel zu ihrer Beteiligung an André Hellers spektakulärer „Rosenkavalier“-Inszenierung des vergangenen Jahres entwickelt. Mit ins Boot geholt haben sie das Ensemble Philharmonia Schrammeln, seit Jahrzehnten eine Wiener Institution, sowie Christoph Wagner-Trenkwitz, ehemaliger Chefdramaturg der Wiener Staatsoper und amtierender solcher der Volksoper.

Temperamentvoller Charme

Groissböck und Ebner sind zwar gebürtige Nieder- bzw. Oberösterreicher, das Idiom des Wienerlieds beherrschen sie aber ebenso perfekt wie Lokalmatador Wagner-Trenkwitz. Groissböck und Ebner interagieren nicht nur gemeinsam (z.B. in „Was Österreich is´“/“Da Weana geht net unter“/“Was glauben´S was gschegn is“) mit musikalisch „blindem“ Verständnis, auch jeder für sich bewegen sie sich stilsicher in diesem Metier. Mit temperamentvollem Charme und wunderbar warm abgerundetem Bass-Timbre präsentiert Groissböck etwa das berühmte „Fiakerlied“, auch Ebner macht alleine (beispielsweise in „Weil i a alter Drahrer bin“) mit subtiler Phrasierungs-Raffinesse eine souveräne Figur. Der instrumental umrahmende Anzug der Philharmonia Schrammeln (in der Besetzung zwei Violinen, As-Klarinette, Alt-Wiener Knöpferlharmonika und Kontragitarre) sitzt perfekt, mit ihrer geballten, auf diesem Gebiet führenden Kompetenz malen sie das musikalische Kolorit perfekt aus.

„Schmäh“ aus erster Hand

Wagner-Trenkwitz hat in der Rezitation von Prosa und Mundart-Dichtung unterschiedlicher Epochen quasi ein literarisches „Heimspiel“ und ist buchstäblich mit allen lokalen Wassern der Genres gewaschen. Mit gewinnendem Charme und lebendiger Sprachgestik gibt er die von hintersinnigem, teils beißendem Humor durchsetzten Texte von Josef Weinheber, h.c. Artmann und Trude Marzik zum Besten. Die Philharmonia Schrammeln transportieren in den instrumentalen Nummern (exemplarisch Josef Wicharts „Weanerisch“) original Wiener „Schmäh“ aus erster Hand. Sogar humorvoll „verwienerischte“, unverkennbare Anklänge an Wagner gibt es in Alfons Eggers „Ring-Quadrille“. Johann Strauss‘ „Wiener Blut“ im ganz besonderen Wiener Klanggewand ist, um ein sprachlich bewusst zugespitztes Klischee zu bemühen, quasi die Extraportion Schlagobers auf der „Sacher-Torte“. Den Tonfall dieser Lieder, den Ausdruck des gelegentlich „Schmierigen“, sich zwischen den Zeilen im Ungefähren Bewegenden kann man, wie Groissböck selbst sagt, nicht akademisch vermitteln. Oder mit den Worten von Ebner: „Raunzen“ und „süffisant“ sein muss es. Man hat es eben, oder man hat es nicht – diese drei haben es definitiv. Was sie außerdem hörbar mitbringen: Leidenschaft und Begeisterung für die gemeinsam konzipierte Sache. Der Hintergrund des Projekts wird im Booklet eingehend geschildert, auch auf Inhalt und Entstehungskontext der einzelnen Lieder wird eingegangen. Was man sich, zumal für mit dem Wiener Dialekt weniger vertraute Hörer und trotz hoher Textverständlichkeit der Gesangsstimmen, als einziges noch hätte wünschen können, wäre ein Abdruck der Liedtexte gewesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gemischter Satz: Groissböck, Ebner, Trenkwitz, Philharmonia Schrammeln

Label:
Anzahl Medien:
Gramola
2
Medium:
EAN:

CD
9003643992436


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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