> > > Martha Mödl 1955: Festspielorchester Bayreuth, Joseph Keilbert, Hans Knappertsbusch
Samstag, 3. Dezember 2022

Martha Mödl 1955 - Festspielorchester Bayreuth, Joseph Keilbert, Hans Knappertsbusch

'Keine wie sie'


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Martha Mödl beseelt mit ihrer künstlerischen Meisterschaft zwei Akte aus 'Siegfried' und 'Parsifal'.

„Kundry, Isolde oder Brünnhilde, keine wie sie“, so schwärmte Wieland Wagner von Martha Mödl (1912-2001). In seiner Inszenierung von „Parsifal“ hatte sie 1951 als Kundry in Bayreuth debütiert und bis 1955 alle Vorstellungen auf dem Grünen Hügel übernommen. Im „Ring des Nibelungen“ war sie 1951 zunächst als Gutrune und Dritte Norn besetzt, ab 1953 übernahm sie die Brünnhilde und 1954 sang sie auch Sieglinde. Etliche dieser Mödl-Aufführungen sind auf Tonträgern dokumentiert und genießen einen legendären Ruf. Komplettiert werden sie seit kurzem durch zwei Novitäten, die das Label Profil Hänssler herausgebracht hat. Es handelt sich um den dritten „Siegfried“-Aufzug und den Mittelakt aus „Parsifal“, beides klanglich hochwertige Livemitschnitte von Festspiel-Aufführungen im August 1955. In diesen Opern ist Martha Mödl das Zentrum inmitten des damaligen Bayreuther Stammensembles, zu dem sie ab 1951 selbst gehörte. Ihrer Aura, der Hingabe und totalen Identifikation mit den Rollen kann man sich auch rein akustisch kaum entziehen.

Innigkeit und Wärme

Ausgebildet als Mezzosopranistin, debütierte Martha Mödl 1942 als Azucena, der weitere Partien dieses Stimmumfangs folgten. Ins hochdramatische Wagner-Fach wuchs sie mit der Kundry hinein. Erstmals sang sie die „Höllenrose“ 1949 in einer Rundfunkproduktion des Kölner WDR, dann 1951 an der Mailänder Scala unter Wilhelm Furtwängler. In der Bayreuther Aufführung, die von Hans Knappertsbusch unnachahmlich zelebriert wird, gibt sie die Kundry mit überwältigendem Ausdruck vom fast tonlosen Erwachen bis zum erschütternden Schrei „Ich sah ihn und lachte“. An ihrer Seite imponiert Gustav Neidlinger als herrischer Klingsor und Ramón Vinay als baritonal timbrierter, leidenschaftlich-expressiver Parsifal. Den Tenor schätzte die Mödl nicht nur als Bühnenpartner, sondern auch als besonders integren Kollegen, wie sie in ihren 1998 erschienenen autobiographischen Gesprächen mit Thomas Voigt „So war mein Weg“ erzählte.

Im „Siegfried“-Akt, den Joseph Keilberth sängerfreundlich und transparent dirigiert, begegnet man zunächst der profunden Erda von Maria von Ilosvay und dem grüblerischen Wotan von Hans Hotter. Der packenden Zwiesprache folgt der Auftritt Siegfrieds in Gestalt  von Wolfgang Windgassen, der in dieser Rolle über 10 Jahre die Opernbühne dominierte. Ungestüm und von jugendlicher Stimmkraft trifft er im Duett auf die bestens disponierte Brünnhilde von Martha Mödl. Sie singt mit Innigkeit, Wärme, kaum forciert in den für sie unbequemen Höhen und bis zum jubelnden Finale zu Herzen gehend intensiv.

Das Booklet kombiniert Interessantes zu den Besetzungen der Bayreuther Nachkriegsfestspiele mit persönlichen Erinnerungen von Wieland Wagners Tochter Daphne und dem Dirigentensohn Thomas Keilberth, die die Hochachtung und Verehrung gegenüber der Künstlerin aufs Sympathischste widerspiegeln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martha Mödl 1955: Festspielorchester Bayreuth, Joseph Keilbert, Hans Knappertsbusch

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
1
Medium:
EAN:

CD
881488210552


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Wagner, Richard


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Profil - Edition Günter Hänssler

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EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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