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Dienstag, 30. November 2021

Beethoven, Ludwig van - Mass in C major

Die kleine ältere Schwester


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei den Stichworten ‘Beethoven’ und ‘Messe’ scheint alles klar zu sein: ‘Missa solemnis’ in D-Dur. Dass diese Messe jedoch eine Vorläuferin, sozusagen eine ältere, im musikhistorischen Bewusstsein jedoch ‘kleinere’ Schwester hat, ist kaum bekannt. Obwohl diese, gerade in der Aufnahme von Richard Hickox und seinem Ensemble Collegium Musicum 90, eine in ihrer Kompaktheit überzeugende Messvertonung darstellt. Wieso kompakt? Anders als viele Messen vor Beethoven, teilt er die Vertonung der Liturgieteile (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus – Benedictus, Agnus Dei) nicht in viele kleine Einzelstücke mit Chören, Solo-Arien, Duetten, etc., sondern fügt das vierstimmige Solistenquartett in den Gesamtverlauf nahtlos ein und bildet fünf große Blöcke, eben die genannten Teile des Gottesdienstes. Vielleicht war es das, was dem Fürsten Esterházy so gar nicht gefiel, denn der Auftraggeber äußerte sich im Vorfeld der Uraufführung im September 1807 nicht gerade positiv über das Werk Beethovens. Vermutlich erwartete er eine Messe im Stile Haydns und war mit dem Ergebnis unzufrieden. Obwohl sich in der C-Dur Messe Beethovens nicht solch innovativen Elemente finden wie etwa in der etwa zeitgleich entstanden 3.Symphonie (‘Eroica’) oder auch in der Vorläuferin des Fidelio, der ‘Eleonore’. Dennoch lassen sich in der ihr Elemente ausmachen, die auf eine, wenn auch nicht opernhafte, so doch dramatische Anlange hinweisen. Dies betrifft primär die Gestaltung der Solistenparts im Zusammenhang mit der Verwendung des Chors. Stark vereinfacht könnte man sagen, dass die Solisten an den Stellen heraustreten, die als Aussage einer Person gesehen werden können, im Gegensatz zu den kollektiven Aussagen. So z.B. im Benedictus, in dem die Solostimmen das Wunder verkündigen, der Chor antwortet.
Und wie auch die Messe in C-Dur nicht zu den allgemein geläufigen Werken Beethovens gehören, so gilt dies auch für die beiden weiteren auf dieser CD enthaltenen Stücke, den ‘Elegischen Gesang’ für Chor und Streichorchester und ‘Meeresstille und Glückliche Fahrt’, eine als ‘Kantate’ bezeichnete Vertonung zweier Goethe-Gedichte für Chor und Orchester.

Richard Hickox macht jedoch jedes Werk dieser Aufnahme zu einem interessanten Beispiel für gestalterische Kunst im Umgang mit Vokalem und Instrumentalem. Die Balance zwischen den Solisten (in der Messe), dem Chor und dem Orchester sind durchweg vorbildlich. Nirgends treten Stimmen über Gebühr in den Vordergrund, alles ist in ein ausgewogenes Klangbild gesetzt. Dennoch fehlt es nicht an Differenziertheit und Nuancenreichtum. Dies betrifft zum einen Phrasierung und spannungsgeladene Melodiebögen, zum anderen die genaue Beachtung der Partituranweisungen in Dynamik, Tempo und Akzentuierung. Hier wird auf hohem Niveau Kirchenmusik vorgestellt, und dasselbe gilt auch für die weiteren Werke. Die gehören zwar nicht zu den ‘Best of Beethoven’, doch verdienen sie es durchaus, einmal wieder auf CD gebannt zu werden. Und wenn das in so intensiver Darstellung wie bei Richard Hickox geschieht, dann werden sogar diese Werke zu interessanten, facettenreichen Gedichtvertonungen mit Chor und Orchester. Im Großen und Ganzen kann man also nur Lob austeilen: Sowohl das auf alten Instrumenten spielende, glänzend disponierte Orchester, als auch die fein und deutlich artikulierenden, stimmlich überzeugenden Solisten, als auch der Chor liefern hiermit ein weiteres Zeugnis ihrer hervorragenden Fähigkeiten ab.

Und was den Klang dieser CD betrifft, so kann man kurz und knapp sagen: So wie man das beim Label Chandos meist gewohnt ist, wird alles in einem differenzierten, in Balance gehaltenen Klangbild präsentiert, das vielleicht in den dynamischen Extremen etwas deutlicher ausfallen könnte, doch in seiner Gesamtheit durchaus überzeugend ist. Wer also diese kleine Schwester der ‘Missa Solemnis’ noch nicht kennt, dem sei diese CD ans Herz gelegt. Und wer zu Weihnachten eine CD bekam, die er ohnehin schon im Plattenschrank stehen hatte, der macht mit dieser Produktion einen guten Umtausch!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Mass in C major

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Chandos
1
17.11.2003
56:02
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
0095115070321
CHAN 0703


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Beethoven, Ludwig van


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Dirigent(en):Hickox, Richard


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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