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Dienstag, 27. September 2022

Enescu: Phantasy for Piano & Orchestra - NDR Radiophilharmonie, Peter Ruzicka

Jugendliche Geniestreiche


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese neue Platte bietet Raritäten in Starbesetzung: Carolin Widmann spielt das unvollendete Violinkonzert von George Enescu, es dirigiert der Komponist Peter Ruzicka.

George Enescus Violinkonzert besteht nur aus zwei Sätzen, ein Finale fehlt. Dennoch dauert das Werk in dieser Aufnahme schon 33 Minuten. Es handelt sich um ein sehr frühes Werk des etwa 15-jährigen Komponisten, der Mitte der 1890er Jahre als Student in Wien lebte. Doch so reif Enescu auch sonst in seinen frühen Werken sein mag, hier spürt man die fehlende Erfahrung dann doch. Dem Konzert fehlt die Stringenz, bis hin zu direkten motivischen Anleihen orientiert sich Enescu außerdem noch sehr deutlich an romantischen Vorbildern, an Brahms etwa. Stellenweise könnte man aber auch fast meinen, unversehens in Beethovens Violinkonzert gelandet zu sein.

Das erklärt, warum das Konzert bisher nicht zum Repertoirestück geworden ist und auch künftig kaum werden wird. Die neue Aufnahme hingegen ist ein Glücksfall, denn auch dieses noch etwas unausgereifte Werk steckt voller Schönheiten und ganz bezaubernder Momente, die von den Interpreten wirklich liebevoll herausgearbeitet werden. Damit ist Carolin Widmanns silbrig blühender Geigenton ebenso gemeint wie ihr entschlossener Zugriff und der perfekt abgewogene Klang der NDR Radiophilharmonie Hannover. Besonders hübsch etwa, wie das Spiel der Solistin im langsamen Satz immer wieder von den Holzbläsern flankiert wird. Der Klang dieser Produktion wirkt fast etwas nostalgisch, er könnte vielleicht an Aufnahmen romantischer Violinkonzerte aus vergangenen Jahrzehnten erinnern.

Bedeutender Schritt

Ganz so bekannt wie Carolin Widmann oder Peter Ruzicka ist die Pianistin Luiza Borac sicher nicht, doch dafür ist sie eine echte Enescu-Expertin: Sie hat eine Dissertation über sein Klavierwerk geschrieben und Erstaufnahmen vieler seiner Stücke vorgelegt. Hier ist sie mit einer Fantasie für Klavier und Orchester zu hören, ein imposantes, ziemlich beeindruckendes Werk von 20 Minuten. Nur wenig später als das unvollendete Violinkonzert entstanden, scheint Enescu, der sein Studium inzwischen in Paris fortsetzte, damit doch einen bedeutenden Schritt getan zu haben. Auch diese Aufnahme entpuppt sich im engagierten und inspirierten Zusammenwirken von Solistin und Orchester als absolut überzeugend.

Enescu ist schon ein besonderer Fall: Zwar steckt die Musikgeschichte noch immer voller bislang unbekannter Schätze, doch bei einem Komponisten seines Kalibers ist es die große Ausnahme, dass noch derart große, gewichtige Werke unentdeckt sind und erst jetzt zum ersten Mal eingespielt werden. Und doch werden die beiden Werke dieser Platte hier offenbar als Ersteinspielungen präsentiert. Dass aber Ersteinspielungen ein solches Niveau aufweisen, ist nicht selbstverständlich. Volker Tarnow formuliert es im Beiheft vielleicht etwas zu enthusiastisch, bringt es aber letztlich auf den Punkt: „Unser Bild von George Enescu, eines der größten Meister aller Zeiten, gewinnt dadurch neue Facetten – und das Repertoire zwei bislang unbekannte, exzellente Werke.“

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Enescu: Phantasy for Piano & Orchestra: NDR Radiophilharmonie, Peter Ruzicka

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203548729


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Enescu, George
 - Violin Concerto - Allegro moderato
 - Violin Concerto - Andante
 - Phatasy for Piano & Orchestra -


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Dirigent(en):Ruzicka, Peter
Orchester/Ensemble:NDR Radiophilharmonie
Interpret(en):Widmann, Carolin
Borac, Luiza


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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