> > > Werke von J.S.Bach: Staatskapelle Dresden, Philippe Herreweghe
Sonntag, 2. Oktober 2022

Werke von J.S.Bach - Staatskapelle Dresden, Philippe Herreweghe

Erinnerung an den 13. Februar 1945


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Herreweghe musiziert mit modernem Instrumentarium und entlockt den Werken Bachs stimmige Klangbilder. Eine Bonus-CD enthält Ausschnitte aus romantischen Werken unter verschiedenen Dirigenten.

Die CD samt ihrer Bonus-Beigabe erfüllt drei Aufgaben: Sie enthält zwei Kantaten und zwei Sinfonien von Johann Sebastian Bach, sie stellt die Staatskapelle Dresden vor und enthält dafür auf der Bonus-CD zusätzlich Werke von Verdi, Berlioz und Mahler, sie erinnert an den 13. Februar 1945, als Dresden in Schutt und Asche gelegt wurde und viele Menschen im Bombenhagel starben. Letzteres betont vor allem Philippe Herreweghe in einem Interview auf der Bonus-CD. Hier nun soll es um die Kantaten Bachs gehen. Herreweghe tut hier etwas, das ungewöhnlich scheint und doch nicht so ganz ungewöhnlich ist: Er musiziert mit modernem Instrumentarium. So hatte er es auch schon mit dem Concertgebouw-Orchester praktiziert. Hier nun dirigiert er eine Auswahl aus der Staatskapelle Dresden. Vor allem fällt der satte Klang auf, den die Musiker erzielen. Da erscheint Bach noch einmal in einem anderen Licht, das jedoch nicht weniger faszinierend ist als mit dem Barockorchester. Einige Nummern erhalten dabei eine Intensität, die mit historischen Instrumenten nur schwer zu erzeugen ist. Ich meine damit vor allem die Kantate BWV 82 und dort die Arie „Schlummert ein“, die an sich schon eine große emotionale Tiefe enthält, die in dieser Besetzung noch einmal gesteigert wird.

Einfühlung und Virtuosität

Trotz der ‚modernen‘ Instrumente wird die historisch informierte Praxis doch an vielen Stellen deutlich. Die Dynamik ist spannungsvoll und markiert laut und leise, Höhepunkte und in den Abläufen der einzelnen Phrasen. Die beiden Kantaten sind Solo-Kantaten, einmal für Bass, einmal für Sopran. Sie gehören zu den wenigen Kantaten, die rein solistisch angelegt sind. Den Bass singt Krešimir Stražanac; er bietet eine schlanke Stimme und gestaltet seinen Part mit wenig Vibrato. So fügt er sich nahtlos in das Ensemble ein. Dorothee Mields singt den Sopran mit leuchtenden Spitzentönen. Was allerdings irritiert, ist ihr fast ständiges Vibrato, das sie doch gar nicht nötig hat. Dadurch trübt sich der Gesamteindruck. In der Sinfonia zu „Ich hatte viel Bekümmerns“ fällt auf, dass der Bass ziemlich stark hervortritt. Eine besondere Erwähnung betrifft den Oboisten, der in der gesamten Aufnahme gegenwärtig ist und seine Parts mit Einfühlung, Souveränität und Virtuosität meistert.

Die romantischen Werke werden von den bedeutenden Dirigenten Christian Thielemann, Colin Davis und Bernard Haitink dirigiert. Es handelt sich um Ausschnitte aus religiösen Werken, die 1994, 1995 und 2014 jeweils am 13. Februar aufgeführt wurden. Ihre Botschaft wird mit großer Intensität dargeboten. Besonders der Satz „Auferstehn, ja auferstehn“ (nicht: ‚Auferstehen‘ wie im Booklet angegeben!) von Gustav Mahler ist in seiner hoffnungsvollen Intensität kaum zu überbieten. Das Album enthält zwei Booklets. Das eine ist auf das Orchester zugeschnitten, das andere enthält Anmerkungen zu den Werken Bachs. Sie sind üppig und ansprechend illustriert. So entfalten CD und Bonus-CD eine lebendige Erinnerung an die Zerstörung Dresdens. Man hört es nicht ohne innere Bewegung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von J.S.Bach: Staatskapelle Dresden, Philippe Herreweghe

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
2
Medium:
EAN:

CD
881488210248


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Bach, Johann Sebastian


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
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Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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