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Dienstag, 27. September 2022

Brahms: Piano Sonata No.3 - Alexandre Kantorow, Klavier

Reifezeugnis


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch Alexandre Kantorows zweites Album überzeugt auf ganzer Linie.

Seine zweite CD nach dem Gewinn der Goldmedaille beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb im Jahr 2019 hat Alexandre Kantorow bei BIS vorgelegt. Werke von Brahms waren auch auf dem ersten Album bereits enthalten, ausschließlich dessen Musik widmet Kantorow sich auf dem zweiten. Am Beginn stehen die vier frühen Balladen op. 10. In der ersten versenkt er sich mit romantisch wärmender Bassfülle in die gedehnten Akkordfolgen, denen er den nötigen Raum zum Atmen lässt. Dynamisch raumgreifend und mit sauberem Pedalgebrauch türmt er weitgriffige Klangschichten übereinander. Immense rhythmische Präsenz hat sein Spiel in der Staccato-Artikulation der zweiten Ballade, sie tritt in wirkungsvollen Kontrast zu klangsensibel geformten Kantilenen. Bekannt geworden ist aus dieser Sammlung vor allem das „Intermezzo“, dessen forschen Beginn spielt Kantorow mit temperamentvoller Entschlossenheit. Feingliedrig lässt er demgegenüber die zarten Diskant-Sphären leuchten.   

Vollständige Durchdringung

Den Schwerpunkt bildet die f-Moll-Sonate op. 5. Kantorow behält einen weitsichtigen Überblick über die ausladende Anlage des fünfsätzigen Werks, vom resoluten Beginn des „Allegro maestoso“ an lässt er keine Zweifel an der vollständigen musikalischen Durchdringung aufkommen. Im Umgang mit dem markant wechselnden Themenmaterial setzt er klare, musikalisch dennoch kohärente Zäsuren. Das „Andante espressivo“ erhält weiche kantable Konturen. Das „Scherzo“ besitzt ganz im Sinn der weiterführenden Vortragsbezeichnung energiegeladene Frische, der Mittelteil verströmt lyrisch ausgeglichene Ruhe. Das melancholische, von Brahms mit „Rückblick“ untertitelte „Intermezzo“ behandelt Kantorow mit gesanglicher Empfindsamkeit, im Finale setzt er nochmals emotional aufgewühlte, rhythmisch straffe Reizpunkte.

Überzeugende Auffassung

Nicht so bekannt wie das Arrangement von Feruccio Busoni, technisch aber gleichfalls hoch anspruchsvoll ist Brahms´ für die linke Hand gesetzte Bearbeitung von Bachs „Chaconne“ aus der Partita Nr. 2 für Violine solo. Daniil Trifonov beispielsweise hat bei den letztjährigen Salzburger Festspielen vorgemacht, wie man diese Aufgabe technisch perfekt und musikalisch bruchlos meistert und die Transkription auch auf seinem neuesten Album eingespielt. Kantorow bewältigt die Herausforderung ebenfalls souverän, sein vergleichsweise moderates Tempo – er braucht fast drei Minuten länger – hat ausschließlich mit einer anderen, deswegen aber nicht minder überzeugenden Interpretationsauffassung zu tun. Auch mit seiner zweiten Veröffentlichung stellt Kantorow sich ein beeindruckendes Reifezeugnis aus und unterstreicht: Für sein noch sehr junges Alter ist er pianistisch schon erstaunlich weit, fast erreicht sein Brahms-Spiel schon die Intensität so berufener Großmeister wie Grigory Sokolov, Arcadi Volodos oder einst Claudio Arrau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms: Piano Sonata No.3: Alexandre Kantorow, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599926001


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Brahms, Johannes


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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