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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Pomerania - Mare Balticum Vol.4 - Ensemble Peregrina, Agnieszka Budzinska-Bennett

Umrundet


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Reise um die Ostsee hat sich vollendet: Das Ensemble Peregrina mit dem pommerschen Schlussstein der Erkundungen rund um das Mare Balticum.

Produziert vom Label TACET liegt das Finale einer feinen Reihe zu Musik vor, die rund um die Ostsee am Ausgang des Mittelalters gesungen und gespielt wurde: Der erste Teil startete in Dänemark, eine weitere Platte war schwedischen und finnischen Reflexen gewidmet, Folge drei machte ausführlich bei Wizlaw von Rügen Station. Das Finale bringt unter dem Titel ‚Pomerania‘ eine Sammlung von Stücken, die von Stettin bis Lüneburg überliefert sind, also neben den genuin pommerschen auch mecklenburgische und holsteinische Akzente beinhaltet. Überlieferungsorte sind neben anderen Danzig, Stargard, Stettin, Jasienica, Greifswald, Stralsund, Rostock, Lübeck und Lüneburg, die Spur mehrere Responsorien führt gar ins niedersächsische Kloster Wienhausen.

In aller Regel ist das einstimmige Musik, gelegentlich kontrastiert mit mehrstimmigen Gesängen aus Frauenklöstern, die im Programm zu kleineren Themengruppen zusammengefasst wird: Maria wird als ‚Stella Maris‘ angesprochen oder Fürsprache haltende ‚Maria rogatrix‘. Dazu kommen Reflexe zu den pommerschen Fürsten, zu Otto von Bamberg als ‚Apostel von Pommern‘, ergänzt um Weihnachtliches und einen epilogischen Ausblick, der den Bogen zu Wizlaw von Rügen zurückschlägt.

Das konzeptionell und künstlerisch famose Vorhaben des Ensembles Peregrina hat illustriert, dass Küstenregionen vergleichbarer kultureller Prägung und lebensweltlicher Wahrheiten sehr viel mehr eint, als das Trennende sprachlicher oder (macht)politischer Ausprägung zu bewirken mag. Zu erkennen war auch, dass Impulse aus verschiedenen religiös-kulturellen Zentren rund um das Mare Balticum gleichermaßen Wirkung entfalteten, dass maßgebliche Handschriften oder gar Drucke – wie die in Greifswald erschienenen ‚Piae Cantiones‘ – mehr als nur lokale oder regionale Phänomene waren. Und man lernt ohne Mühe, dass die heutige Diskussion über die Ostsee als verbindendes Element möglichst aller ihrer Anrainer vielfältige Entsprechungen in der Vergangenheit hat.

Exquisite Könner

Das Ensemble Peregrina bilden für diese vierte Folge Agnieszka Budzińska-Bennett, die neben ihrem Gesang auch gotische Harfe und Symphonia spielt, dazu die rein vokal aktiven Hanna Järveläinen, Lorenza Donadoni und Sabine Lutzenberger sowie der auf der Fidel musizierende Baptiste Romain. In einzelnen der Sätze sind zudem Mara Winter auf einer mittelalterlichen Traversflöte sowie Marc Lewon auf der Chiterna oder Quinterne zu hören.

Die Vokalistinnen präsentieren sämtlich ähnliche Stimmen – von schlanker Statur und auffallender Strahlkraft: Es gibt im Grunde keine Phrase, die nicht kräftig leuchten würde, keinen Bogen, der auf diese spezifische Weise nicht reich substantiiert wäre. Die allfällige Einstimmigkeit bietet edel ineinander verblendete Stimmen, ist dabei lebendig und von frischer Kraft. Natürlich und frei expliziert ist die Diktion – es ist eben nicht nur an Vokalisen gemahnende Schönheit zu erleben, sondern auch eine erzählerische Dringlichkeit, die, das ist allerdings nur eine marginale Einschränkung, nicht ganz die stupende Intensität erreicht, mit der Benjamin Bagby die erste Platte zu Dänemark geprägt hatte.

Die Instrumente entfalten einen delikaten Beitrag von mürber Gespinsthaftigkeit – nicht in allen Sätzen und damit übermäßig präsent, was diesen oft schütteren Klängen Relevanz und Wirkung sichert. In Tempi freien Fließens wird das Ganze umgesetzt, mit lebendigem Puls zwar, doch ohne drängende Force. Intoniert wird nicht nur ohne jeden Makel, sondern von besonderer Inspiration und Leichtigkeit getragen: Es geht in der bloß liegenden, leicht verständlichen Einstimmigkeit nicht anders, ebenso wenig in der hauchzarten Mehrstimmigkeit. Der regelmäßige, wie der freiere Bau der luftigen Sätze wird mit aktiver Sprachgestaltung aufgegriffen, auch mit wachem Sinn für gelingende lineare Gestalten. Das Klangbild der hybriden SACD erweist sich dank des Real Surround Sounds von TACET wiederum als unschlagbar qualitätvoll: Das Ergebnis ist strukturklar bis zum Gefühl des unmittelbaren Beteiligtseins, greift das Schwebend-Leichte kongenial auf.

Eine Reise um die Ostsee hat sich vollendet: Das Ensemble Peregrina mit dem pommerschen Schlussstein der Erkundungen rund um das Mare Balticum. Einfühlungsreiches, hochklassiges Musizieren vokaler und instrumentaler Stimmen von feiner Ausprägung – eine Epoche leuchtet in die Gegenwart.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pomerania - Mare Balticum Vol.4: Ensemble Peregrina, Agnieszka Budzinska-Bennett

Label:
Anzahl Medien:
Tacet
1
Medium:
EAN:

CD
4009850027348


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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