> > > British Music for Strings III: Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Douglas Bostock
Dienstag, 16. August 2022

British Music for Strings III - Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Douglas Bostock

Verbeugung vor den Damen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein vergessenes Werk von Ethel Smyth und ein Geschenk zum hundertsten Geburtstag.

Die verdienstvolle Reihe des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim unter Douglas Bostock hebt ein weiteres Mal vergessene Schätze. Zentrales Werk der Folge III ist Ethel Smyths Suite für Streicher op. 1a von 1883/1890, die Streichorchesterfassung ihres Streichquintetts op. 1. Das fünfsätzige Werk (mit zwei langsameren Sätzen) vermittelt besondere Qualitäten der Komponistin – einen etwas hemdsärmeligen Zugriff, der eher böhmisch denn englisch vom Gestus ist, und man mag, wenn man eine Einordnung versuchen will, das Werk zwischen Dvořák und Hubert Parry platzieren. Es ist nie einfach, für Smyths Musik ganz den rechten Ton zu finden – den Pforzheimer Musikern und ihrem Chefdirigenten gelingt das auf das Vorzüglichste. Die strotzende Energie, die Smyth als Mensch auszeichnete, springt (geziemend für den Konzertsaal gebändigt) unmittelbar über, das Adagio ist von beeindruckender Tiefe, während die Ecksätze die kompositionstechnischen Fähigkeiten der Komponisten zusammen mit ihrer umwerfenden Verve herausstellen (das kontrapunktisch durchsetzte Finale beginnt als Fugato in den Soloinstrumenten, das schnell zum Streichertutti zurückkehrt).

2021 wird der 100. Geburtstag von Ruth Gipps gefeiert, einer Komponistin, die alles Atonale, selbst eine in ihren Augen über-erweiterte Tonalität ablehnte. Die erst 1952 entstandene ‚Impression‘ ‚Cringlemire Garden‘ op. 39 lässt sich vielleicht als postimpressionistisch mit mehr als nur einem Touch Vaughan Williams bezeichnen; spannende bitonale Momente und vor allem eine für das Streichorchester (mit beachtlichen Soloanteilen) genuine ausgearbeitete Textur bietet eine Vielfalt an Texturen, die den Pflanzenreichtum des Arboretums im nordenglischen Lake District mit viel Charme widerspiegelt.

Die in Birmingham geborene Constance Warren stellte 27-jährig ihre kompositorische Tätigkeit ein und war nur mehr als Klavierpädagogin und Konzertpianistin tätig. ‚Heather Hill‘ , um 1930 während ihrer Studienzeit entstanden, ist eine weitere Naturevokation, diesmal weniger klar lokalisiert (Lake District oder Schottland – Heidelandschaft halt) – und auf ihre Weise rekurriert die Komposition gleichfalls auf Vaughan Williams, diesmal mit einem Touch Delius (der zu jener Zeit in England aber keineswegs in Mode stand). Bei beiden Werken erweist sich das Südwestdeutsche Kammerorchester als der Musik genuine Interpreten – Bostocks große Liebe zu dieser Art Repertoire zahlt sich rundum aus.

Eigener Ton

Als Komponistin der Post-Smyth-Generation profitierte auch Susan Spain-Dunk von der Förderung durch die Dirigenten Henry Wood und Dan Godfrey, die an ihren jeweiligen Tätigkeitsorten vielen Komponisten der jüngeren Generation die Möglichkeit zur Vorstellung ihrer Werke ermöglichten. Bei Spain-Dunk (die wie Gipps von der englischen Kanalküste stammte) waren es eher Bournemouth und Godfrey, während Smyth nicht zuletzt in London Erfolge feiern konnte. Spain-Dunks Streichersuite h-Moll erlebte ihre Uraufführung 1924, ein gleichfalls fünfsätziges Werk (mit dem langsamen Satz als Zentrum), in dem die harmonischen Farben und klanglichen Texturen Hubert Parrys noch durchscheinen, wenn auch gerade in der zentralen Romanze ein ganz eigener Ton vorherrscht. Im Scherzo und dem passacagliaartigen Finale steht Spain-Dunk seinem Fast-Zeitgenossen Frank Bridge näher – nicht zuletzt durch diese Querbezüge in der (nicht nur) britischen Musikgeschichte bietet das Werk spannende neue Perspektiven. Das 1934 entstandene Lament zerfließt nicht in Trauer oder Selbstmitleid, ist eher eine kraftvolle, mit Mittelteil zerbrechliche Elegie à la Bridge.

Die im November 2020 entstandenen Aufnahmen bieten einen bedeutenden Beitrag nicht nur zur Diskographie des Orchesters, sondern auch der britischen Musik für Streichorchester. Der Aufnahmeklang ist vorbildlich, der Booklettext substanziell.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    British Music for Strings III: Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Douglas Bostock

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203545728


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Smyth, Ethel


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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