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Samstag, 21. Mai 2022

Messiaen - Bayerischer Rundfunk, Kent Nagano

Monumental und kammermusikalisch


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Drei Werke aus der Feder Olivier Messiaens – so sehr sie sich voneinander unterscheiden, zeigen sie doch insgesamt das überragende tonpoetische Können des Franzosen.

Ein riesiges Orchester, ein großer Chor, sieben Solisten und über 90 Minuten Spieldauer – Mahlers Achte? Nein, obwohl der Aufwand durchaus vergleichbar ist – hier handelt es sich um ein Werk von Olivier Messiaen. Und wenn es auch riskant ist, die beiden Tondichter miteinander zu vergleichen, in einem Punkt sind sie sich zumindest ähnlich: Beide hatten eine beeindruckende künstlerische Vision, für deren Umsetzung sie keinen Aufwand scheuten. Im Bereich der Politik gilt wohl immer noch das Wort von Altkanzler Helmut Schmidt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. In der Musik sind wir aber froh um solch gewaltige Visionen und noch mehr um die Werke, die aus ihnen entstanden sind: Bei Mahler seine Symphonien, bei Messiaen – in diesem konkreten Fall – die 'Transfiguration', deren kompletter Werktitel wie folgt lautet: 'Neun Meditationen über die Verklärung Christi, für sieben Instrumentalsolisten, gemischten Chor und Orchester'. Gattungstechnisch würde man wohl von einem Oratorium sprechen, das aber durch die nicht nur vokalen, sondern instrumentalen Solisten auch Aspekte des Konzertes mit einbezieht. Beim Wort 'Verklärung' im Titel bilden sich außerdem Assoziationen zur bekannten Strauss-Tondichtung 'Tod und Verklärung', zudem gibt es – wie fast immer bei Messiaen – eine starke theologische Komponente, ohne dass man explizit von geistlicher Musik sprechen möchte. Stoff genug also für mehrere musikwissenschaftliche Abhandlungen, doch wie klingt das Werk?

In der vorliegenden Aufnahme leitet Kent Nagano Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Solisten sind Pierre-Laurent Aimard (Klavier), Lionel Cottet (Violoncello), Henrik Wiese (Flöte), Stefan Schilling (Klarinette), Christian Pilz (Xylorimba), Guido Marggrander (Marimba), Jörg Hannabach (Vibraphon) sowie der Tenor Moon Yung Oh und der Bassist Matthias Ettmayr. Auf dieser 3 CDs umfassenden Veröffentlichung wird das monumentale Werk ergänzt durch die deutlich kompakteren 'Poèmes pour Mi' für Sopran und Orchester und das Orchesterwerk 'Chronochromie'.

Instrumentatorische Raffinesse

Der große instrumentale Aufwand der in den Jahren 1965 bis 1969 entstandenen 'Transfiguration' führt nur selten zu orgiastischen Klangballungen, wie man sie in anderen Werken des Franzosen – etwa der aufwühlenden 'Turangalila'-Symphonie – durchaus antreffen kann. Messiaen dosierte sehr gezielt und abwechslungsreich und nicht zuletzt mit einer hohen instrumentatorischen Raffinesse. Das Werk besteht aus zwei 'Septénaires', also Abschnitten zu je sieben Teilen, also 14 Teilen, die auf den monumentalen Höhepunkt, dem Erscheinen der Dreifaltigkeit in ihrer Gesamtheit, zusteuern. Die Herausforderung für den Dirigenten ist immens: Er muss nicht nur über eineinhalb Stunden den Spannungsbogen halten, sondern auch teils höchst ungewöhnliche Klang-Kombinationen zu einem schlüssigen Ergebnis formen.

Nagano, mit Messiaens Musik vertraut wie nur wenige Dirigenten, gelingt dies durch eine höchst feinnervige klangliche Sensibilität, die einkalkuliert, dass sich ein Solist auch einmal etwas mehr zurückhalten muss, als ihm möglicherweise lieb ist. Aimard etwa könnte in den zahlreichen hochvirtuosen Passagen durchaus noch deutlicher auftrumpfen; dies würde aber dem Gesamteindruck schaden, so dass die hier gewählte diskrete Integration ins klangliche Ganze definitiv der richtig Weg ist. Umgekehrt werden Xylorimba und Marimba, nicht eben die durchsetzungsfähigsten Instrumente, angemessen hervorgehoben. Erst diese geschickte Ausbalancierung ermöglicht es dem Hörer, die zahlreichen Details des riesigen Werkes nachzuvollziehen.

Kaum weniger kritisch für eine gelungene Aufführung ist die Einbeziehung des Chores. Auch hier gelingt Nagano der Spagat, die Stimmen einzubeziehen, ohne sie zu bevorzugen – brillant nachvollziehbar etwa im neunten Abschnitt, wo Chor und Schlagwerk eine einzigartige Synthese bilden. Die dramatische Spannung bleibt innerhalb der Teile des Werkes wie auch über das ganze Werk hinweg gewahrt, was angesichts der riesigen Ausdehnung wahrlich keine Kleinigkeit ist. Wollte man an dieser herausragenden Einspielung überhaupt etwas aussetzen, dann wohl eher am Werk selbst als an der Interpretation: Bei aller klanglichen Raffinesse und der beeindruckenden Wucht seiner monumentalen Steigerungen verliert sich Messiaen doch hier und da in repetitiven Passagen – die als choralartiger Hymnus, als Litanei-ähnliche Anrufung vermutlich theologisch durchaus begründet sein können.

Enorme Bandbreite

Nach der kompletten 'Transfiguration' wirken die 'Poèmes pour Mi' fast schon wie eine Miniatur – wenn auch eine sehr gewichtige. Jenny Daviet singt die neun Stücke mit einer sehr luziden, sicher gestaltenden Stimme, getragen von einer bisweilen fast kammermusikalisch wirkenden Begleitung des Orchesters. Die Lieder aus dem Jahr 1936 schrieb Messiaen für seine erste Frau Claire, ein Hauch Spätromantik – sonst im Werk des Franzosen kaum anzutreffen – mag noch hier und da hervorscheinen. Als Kontrast zur 'Transfiguration' zeigen die Lieder die enorme stilistische Bandbreite eines Tondichters, der gleichwohl schon sehr früh seinen persönlichen Stil gefunden hatte – von einer Entwicklung mag man da kaum sprechen.

Abgerundet wird diese beachtliche Werkschau, die gleichwohl nur einen kleinen Teil von Messiaens Schaffen präsentiert, mit der 'Chronchromie' aus den Jahren 1959/1960, einem rhythmisch extrem komplexen und vertrackten Werk, das aufgrund einer gewissen Sperrigkeit eher selten im Konzertsaal anzutreffen ist. Nagano macht das Beste aus dem sicherlich virtuosen, aber auch etwas undankbaren Stück, in dem die sonst bei Messiaen stets anzutreffende klangsinnliche Komponente etwas unterrepräsentiert ist. Wer eine solche technische Nüchternheit schätzt, kann ohne Zweifel auf seine Kosten kommen.

Was Nagano im Beiheft schreibt – nämlich dass Messiaen ein 'in der neueren Musikgeschichte singulärer Komponist' ist – darf heute als unstrittig gelten. Zu Lebzeiten des Franzosen war dies längst nicht immer der Fall, manch rabiate Ablehnung schlug ihm entgegen. Wer die anspruchsvollen, virtuos-komplexen und dabei aber immer auch für den Hörer zugänglichen Kompositionen Messiaens schätzt, kann sich kaum eine bessere Veröffentlichung wünschen als die hier vorliegende.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Messiaen: Bayerischer Rundfunk, Kent Nagano

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
3
01.10.2021
144:54
2017
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719002034
900203


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Messiaen, Olivier


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"KENT NAGANO dirigiert OLIVIER MESSIAEN La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ – Poèmes pour Mi – Chronochromie Kaum ein Interpret ist mit der Musiksprache des französischen Komponisten Olivier Messiaen so eng vertraut, wie der amerikanische Dirigent Kent Nagano. Seit etlichen Jahrzehnten hat Nagano dessen Orchesterwerke und Oratorien im Programm, an der Uraufführung von Messiaens einziger Oper über Franz von Assisi wirkte er mit. 1982 lebte Nagano ein Jahr lang bei Messiaen in Paris; neben der künstlerischen entwickelte sich auch eine enge persönliche Beziehung der beiden Musiker. Jetzt legt BR-KLASSIK drei Meisterwerke des Klangzauberers Messiaen vor, die Nagano in den jüngst zurückliegenden Jahren als Dirigent am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks dem Münchner Konzertpublikum vorgestellt hat. Im Mittelpunkt steht dabei das zwischen 1965 und 1969 entstandene Oratorium „La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ“ (Die Verklärung unseres Herrn Jesus Christus) für Chor, sieben Soloinstrumente und Orchester. Die ersten beiden CDs des Albums beinhalteten Messiaens Oratorium. Neben dem hochgelobten Chor des Bayerischen Rundfunks und dem Symphonieorchester wirken als Instrumentalsolisten die sieben international renommierten Künstlerpersönlichkeiten Pierre-Laurent Aimard (Klavier), Lionel Cottet (Violoncello), Henrik Wiese (Flöte), Stefan Schilling (Klarinette), Cristian Pilz (Xylorimba) und Guido Marggrander (Marimba) mit. Die bejubelten Münchner Konzertereignisse vom 19. und 23. Juni 2017 in der Philharmonie im Gasteig wurden in der bewährten Qualität des BR live mitgeschnitten. Die dritte CD teilen sich jeweils zur Hälfte Messiaens Liederzyklus „Poèmes pour Mi“ für Sopran und Orchester von 1937, gesungen von der französischen Sängerin Jenny Daviet mit höchst authentischem Idiom, sowie das mehrsätzige Werk „Chronochromie“ für großes Orchester von 1959/60. Die Live- Aufnahmen entstanden im Herkulessaal der Münchner Residenz am 14. und 15. Februar 2019 (Poèmes pour Mi) respektive am 2. und 6. Juli 2018 (Chronochromie). Auch diese Konzerte waren herausragende Landmarken im Konzertprogramm der bayerischen Landeshauptstadt. Das Album bietet drei herausragende Werke Messiaens, mit denen Kent Nagano seit den späten 1970er Jahren aufs engste vertraut ist und die er – zusammen mit dem Komponisten – detailliert besprechen, analysieren und ausfeilen konnte. In seinem lesenswerten Booklettext berichtet Nagano von seinem ganzjährigen Aufenthalt in Paris 1982, während dem er dem Meister derart nahezukommen vermochte. Näher als seine Interpretationen kommen wohl keine anderen den seinerzeit sehr präzise formulierten Vorstellungen des französischen Komponisten. Pierre-Laurent Aimard, Klavier Lionel Cottet, Violoncello Henrik Wiese, Flöte Stefan Schilling, Klarinette Cristian Pilz, Xylorimba Guido Marggrander, Marimba Jörg Hannabach, Vibraphon Chor des Bayerischen Rundfunks Matthias Ettmayr, Bariton Moon Yung Oh, Tenor Howard Arman, Einstudierung Jenny Daviet, Sopran CHOR und SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS KENT NAGANO "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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