> > > Minuten aus Jahrhunderten: Octavians
Freitag, 28. Januar 2022

Minuten aus Jahrhunderten - Octavians

Bunte Mischung


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Octavians bieten Lieder aus mehreren Jahrhunderten.

Jede Stimme ist klar und kräftig. Alle zusammen ergeben eine wunderbare Klangreinheit, zu hören auf der CD 'Minuten aus Jahrhunderten', gesungen vom A-capella-Chor Octavians. Die 23 eingespielten Lieder oszillieren zwischen berührender Innigkeit und tänzerischer Fröhlichkeit. 

Ausgewählt wurden Stücke nach dem Geschmack der Octavians mit Blick auf Lieder, die über Generationen hinweg die Menschen berührten und berühren und durch das Leben begleiten, wobei zum einen die Liebe, aber auch die geistliche Musik eine große Rolle spielen. Daraus ergibt sich eine Auswahl von geistlichen und weltlichen A-capella-Werken aus über acht Jahrhunderten von den Anfängen der Mehrstimmigkeit bis zu Jazz und Pop aus dem 20. Jahrhundert, von Castoldi bis John Lennon. Ein choralartig meist eher langsamer, sehr expressiver Duktus verbindet etliche Kompositionen, Bearbeitungen und Interpretationen. 

Seit über zehn wird das sängerisches Engagement der Octavians mit Preisen honoriert. Ihre Karriere begann 2010 mit dem ersten Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert und setzte sich fort mit dem Silberdiplom beim A Capella-Festival Vokal.total in Graz (2011), dem dritten Preis beim Deutschen Chorwettbewerb (2014) in der Kategorie Klassisches Ensemble, dem ersten Preis und Publikumspreis beim Internationalen A-capella-Wettbewerb Leipzig (2017). Zwei Jahre später erschien ihre CD 'Kreuzleich', ein Strophenzyklus über den Minnesänger Heinrich von Meißen, in diesem Jahr 'Minuten aus Jahrhunderten'.

Enormes Tonspektrum

Man glaubt einen gemischten Vokalchor zu hören, doch die Octavians sind ausschließlich männlich besetzt, was die wunderschöne Klangbalance und das enorme Tonspektrum erklärt. Countertenöre und Bass verleihen dem Ensemble einzigartige Klangfarben. Chronologisch beginnt die musikalische Reise mit dem homophonen Gesang 'Con amores, la mi madre', mit dem Juan de Ancieta im 15. Jahrhundert der Mutter-Kind-Liebe huldigte. Dazu kontrastieren die folgenden drei Tänze von Giovanni Giacomo Gastoldi sehr beschwingt, in denen Amor den Nymphen nachjagt. In dem polyphonen Lied Thomas Morleys 'April Is In My Mistress’ FaceÄ und in der schottischen Weise 'Loch Lomond' wird die Liebe düsterer dargestellt. Das deutsche Liedgut ist mit der romantischen Naturdichtung 'Die Nacht', vertont von Franz Schubert, sehr ruhig und getragen als harmonisches Miteinander von Mensch und Natur vertreten. Komplexer steigert sich romantisches Sinnen über das Leben nach dem Tod in Wilhelm Bergers spätromantischen Stück 'Die Kapelle am Strand'. 

Den spirituellen Trost geistlicher Musik machen die Octavians durch die exzellente Interpretation von Ivan Moodys 'Supplication For Peace' (1964) hörbar. In lang gehaltenen Tönen, polyphoner Vielschichtigkeit, sonoren Melodiebögen wechselnder Dynamik, fast dissonanten Harmonien baut sich in diesen russisch- und griechisch-orthodoxen Gebetsgesängen eine berührend meditative Stimmung mit einem extrem langen, aushauchenden Ritardando auf, an das nahtlos allerdings in höherer, hoffnungsvollerer Soprantonlage Lowell Masons 'Näher mein Gott zu dir' anschließt, ein Lied das durch den Film 'Titanic' weltweit bekannt wurde. Nach dem noch stärker verinnerlichten dritten Satz von Morten Lauridsens Requiem 'Lux Aeterna' kommt die CD durch eine Komposition von James Taylor in der Weltlichkeit des Pops an. 'You Can Close Your Eye' vermittelt durch summende Tonpassagen, wie durch Liebe und Vertrauen, Ängste abgebaut werden können. In ähnliche Richtung zielen mit gesellschaftspolitischen Appellen Thomas Dorseys 'Peace in the Valley', berühmt durch eine Elvis-Presley-Interpretation, und John Lennons 'Imagine', dessen Interpretationen durch die Octavians allerdings durch die Omnipräsenz der Originale schon gewöhnungsbedürftig sind.

Neuer Drive

Ed Swillims (*1947) 'Der blaue Planet' gegen die atomare Aufrüstung wird durch Schlagzeug und Beatbox-Effekte rhythmisch aufgepeppt. Beatboxmäßig bearbeitet wirkt die Interpretation Paul Simons 'Bridge Over Troubled Water' sehr eigenwillig. Bei seinem Lied 'The Boxer' dagegen finden die extremen Stimmlagen der Bässe und Höhen einen ganz neuen Drive, der das Original fröhlich weiterentwickelt und im fröhlichen Miteinander das Leben von der vergnügten Seite spiegelt.

Liebe und Freundschaft bekommen über Stings 'Fields Of Gold', das schottische Traditional 'The Parting Glass' oder Andreas Kuchs 'Hey-Ho' einen zeitgenössische Leichtigkeit, die mit Reinhard Meys 'Gute Nacht, Freunde' stimmlich sehr authentisch, durch vokale Echos etwas überhöht ausschwingen. Mit Josef Gabriel Rheinsberger 'Abendlied' und Carl Ferdinand Adams 'Abend wird es wieder' blenden die Octavians zurück auf die geistliche Spiritualität, des 19. Jahrhunderts, um die Wechselwirkungen dieser unterschiedlichen Musikstile zu unterstreichen. 

'Minuten aus Jahrhunderten' ist keine CD für den breiten Massengeschmack, sondern für Liebhaber anspruchsvoller Chormusik und Zuhörer, die immer wieder etwas Neues entdecken wollen oder sich zuweilen durch Musik in eine spirituell abgehobene Welt eintauchen wollen. Es singen Heiko Knopf (Countertenor), René Lachmann (Countertenor), Matthias Mäurer (Countertenor), Clemens Risse (Tenor), Christian Gaida (Tenor), Martin Kleekamp (Bariton, Beatbox), Andreas Jäckel (Bariton), Johannes Schleußner (Bass), Jakob Rendenbach (Beatbox).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Minuten aus Jahrhunderten: Octavians

Label:
Anzahl Medien:
Genuin
1
Medium:
EAN:

CD
4260036257557


Cover vergössern

Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Genuin:

  • Zur Kritik... Idyllisches 20. Jahrhundert: Der Klarinettist Joë Christophe hat eine CD mit Musik des 20. Jahrhunderts aufgenommen – und nennt sie 'Idylle'. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Drama?: Abwechslungsreich, vielseitig und wunderbar gespielt: Das Acelga Quintett präsentiert seine zweite Platte. Aber warum in aller Welt heißt sie 'Drama'? Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Zwei russische Chopins: Swetlana Meermann-Muret entführt mit poetischen Klavierminiaturen in die Welt Anatolij Ljadows und Anton Arenskijs. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Genuin...

Weitere CD-Besprechungen von Michaela Schabel:

blättern

Alle Kritiken von Michaela Schabel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aus den Tiefen des Lieder-Waldes: Dem Lied-Duo Bostridge & Giorgini gelingt mit diesen 'Respighi Songs' ein durchaus hörenswertes Album, das so manchen Sängerinnen und Sängern als Inspiration für mögliche Liederabende dienen möge. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Berliner Oboe: Ein frisch leuchtendes Porträt Berliner Kammermusik des mittleren 18. Jahrhunderts: Xenia Löffler und ihr feines Ensemble warten mit edler Oboen-Kost auf, die eine breite Hörerschaft verdient. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Fließend Wienerisch: Günther Groissböck realisiert mit berufenen Künstlerkollegen ein Herzensprojekt. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich