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Sonntag, 23. Januar 2022

Sergey Akhunov: Songs & Poems - Dmity Sinkovsky, La Voce Strumentale

Sergey Akhunov komponiert moderne Songs für alte Instrumente.


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Songs & Poems' klingt sanft, massentauglich, ohne genaue Zuordnung zu einer Stilrichtung und enthüllt faszinierende Klangwelten

Der Komponist Sergey Akhunov, 1967 in Kiew geboren, ist ein Grenzgänger. Nach seiner Ausbildung am Kiewer Staatlichen Konservatorium begann seine Karriere als Oboenspieler. Gleichzeitig sammelte er Erfahrungen in verschiedenen Musikstilen und Genres inklusive Rock und elektronischer Musik. 2005 kam die Wende. „Ich habe fast 40 Jahre gebraucht, um zu verstehen, welche Art von Musik ich wirklich schreiben möchte“, bekennt er freimütig. „Es ist Orchester- und Kammermusik.“ Die Filmmusik kam dann doch auch noch dazu, was man beim ersten Song „Though your sorrows not“ sofort merkt, indem glasklare Töne meditative Atmosphäre schaffen, das Klavier eine gefällige Melodie anschlägt und die Stimme faszinierende Melodielinie darübersetzt mit lang angehaltenen Tönen, die in der Synthese Akhunovs harmonischen Kompositionen sehr viel Kraft verleihen.

Den Impuls für die CD „Songs & Poems“ gab ein Auftrag von Dmitriy Sinkovsky. Akhunov sollte für dessen Ensemble „La Voce Strumentale“ Stücke für Stimmen und Instrumente komponieren. Die Idee, zeitgenössische Musik für Barockinstrumente zu schreiben, reizte Akhunov, weil die klanglichen Synergieeffekte von alten Instrumenten und modernen Texten etwas ganz Neues ergeben, wie seine CD beweist. Es sind keine Nachahmungen barocker Musik, sondern es ist absolut moderne Musik mit den besonderen Klangeffekten barocker Instrumenten. Jede Vertonung entwickelt ihren eigenen Reiz, nicht zuletzt durch die erstklassigen, sehr unterschiedlichen Stimmen mit Hauptanteil von Sinkovsky, der nicht nur der Dirigent des Ensembles ist, sondern auch ein exzellenter Countertenor, mit Gastsängerin für drei Lieder die wunderbare Sopranistin Julia Lezhneva, die bei den Bayreuther Barocktagen 2021 für Furore sorgte, und als Kontrast die klangvolle Altstimme Olesya Petrovas teilweise in faszinierend abgestimmten Duetten mit Sinkovsky.

Träumerische Klavermelodien

Der Titel signalisiert die zweiteilige Konzeption der CD, allerdings nicht im nacheinander, sondern ineinander, denn alle Songs sind im Grund Gedichtvertonungen, im ersten Teil von Edward Estling Cummings, (1894-1962), für den Gefühle die wichtigste Rolle im Leben spielen, Von perlenden Klangspielereien, träumerischen Klaviermelodien oder hart rhythmisierenden Trommelschlägen, fetziger Perkussion akzentuierenden Gongs, umrahmt, immer wieder a cappella gesungen, verwandeln sich Cummings Gedichte in romantische, wild dramatische Klangszenarien. Diese Grundstimmung fließt weiter bei den Vertonungen der ersten fünf Gedichte aus Olga Sedakovas Gedichtzyklus „Chinesische Reise“ (1986), besonders atmosphärisch mit lang gehaltenen Tönen und meditativen Klangmodulationen, die bestens zu den philosophischen Naturmetaphern asiatischer Kultur passen.

Der Mut Neues, etwas, was noch nie auf dem Musikmarkt war, zu kreieren, findet auf dieser CD einen bestechenden Klang sowohl instrumental als gesanglich. Jedes Instrument bekommt klare, oft sehr extravagante  Klanglinien, in denen es sich entfalten kann und je öfter man „Songs & Poems“ hört, desto mehr Klangfacetten entdeckt man. Das ist absolute Wohlfühlmusik, immer wieder raffiniert und völlig unerwartet von abgründigen Klangeffekten mit Gänsehauteffekt quer durch die Stilepochen in Symbiose mit asiatischen Einschlägen. Was tänzerisch menuettmäßig beginnt, pulsiert in "There - on a mountain" in unserem Zeitgefühl weiter und verwandelt sich nahtlos in "Do you know" in eine exotische chinesische Melodie. Selten hört man Streicher so vielseitig, entwickeln alte Instrumente ein derart facettenreiche Tonwelten. 

Es singen: Dmitry Sinkovsky (Countertenor), Julia Lezhneva (Sopran), Olesya Petrova (Alt). Es spielen: Alexei Goribol (Klavier), Dmitry Shchelkin (Perkussion), Maria Krestinskaya, Svetlana Ramazanova (Violine I), Elena Davidova, Christina Traulko (Violine II), Vlad Pesin, Polina Babinkova (Viola), Igor Bobovich (Cello), Ilya Panichkin (Kontrabass), Luca Pianca (Theorbe, Laute).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sergey Akhunov: Songs & Poems: Dmity Sinkovsky, La Voce Strumentale

Label:
Anzahl Medien:
Glossa
1
Medium:
EAN:

CD
8424562244023


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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