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Dienstag, 4. Oktober 2022

The Oboe in Berlin - Xenia Löffler, Oboe

Berliner Oboe


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein frisch leuchtendes Porträt Berliner Kammermusik des mittleren 18. Jahrhunderts: Xenia Löffler und ihr feines Ensemble warten mit edler Oboen-Kost auf, die eine breite Hörerschaft verdient.

Nach Erwägungen zur ‚Oboe in Dresden‘, unter anderem mit Werken von Telemann, Platti, Fasch, Stölzel oder Hasse, wendet sich die Barockoboistin Xenia Löffler beim Label Accent mit ihrer neuen Platte nun der ‚Oboe in Berlin‘ zu. Auch hier versammeln sich illustre Namen wie die der Bach-Brüder Carl Philipp Emmanuel und Wilhelm Friedemann; dazu kommen mit Christoph Schaffrath und Johann Gottlieb Janitsch Instrumentalisten und Komponisten, die wie der jüngere Bach Mitglieder schon der Hofkapelle des Kronprinzen Friedrich waren – wobei Janitsch als Anreger und Ermöglicher darüber hinaus eine besondere Rolle für das ausgreifende öffentliche Musikleben Berlins hatte. Und es kommt ein Werk von Carl Ludwig Matthes zu Gehör, der als Oboist im Ensemble des gleichfalls in Berlin residierenden Markgrafen Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt einem anderen Mikrokosmos angehörte und doch zugleich in das Berliner Musikleben verwoben war.

Zu hören sind exquisite Sonaten, die das feine Potenzial der Oboe betonen und zur Entfaltung bringen, voller Elegie und Lyrismus, dazu aber ebenso die behände kammermusikalische Interaktion evozieren. Neben der solierenden Oboe sind Kombinationen mit weiteren solistisch geführten Instrumenten zu verzeichnen, etwa mit einer zweiten Oboe bei Schaffrath oder einem Fagott beim älteren Bach. Außerdem ist die Adaption einer ursprünglich für Bassblockflöte und Viola gesetzten Sonate zu hören, hier für Oboe und Violoncello piccolo bearbeitet – die Anverwandlung einer seltenen Tiefklangvariante an die Ressourcen des Ensembles.

Mustergültige Kammermusik

Xenia Löffler verkörpert mit ihrem Spiel in der Gegenwart vermutlich so etwas wie den Idealklang der Barockoboe: Mit konzentriertem, gleichwohl angemessen expansionsfähigem Ton voll reicher Schattierungen, lyrisch ungemein begabt, dazu von stupender Eloquenz. Als Ensemblemusikerin ist sie im ‚Reich‘ der Akademie für Alte Musik Berlin dank vielfältiger solistischer Präsenz zu eminenter Größe gereift, präsentiert auch technisch anspruchsvolle virtuose Passagen in gurgelnder Geläufigkeit.

Ihr zu Seite steht ein feines Kammerensemble mit Daniel Deuter (Violine), Michael Bosch (Oboe), Györgyi Farkas (Fagott), Katharina Litschig (Violoncello), Felix Görg (Violone) und Michaela Hasselt (Cembalo). Gemeinsam entfalten sie einen aktivierten Ensembleklang, der zugleich behutsam und sensibel gestaltet ist, klar auf eine wache Interaktion hin ausgerichtet. Die solistischen Partner interagieren aufs Selbstverständlichste mit der führenden Oboe.

Das Tableau der Tempi ist variantenreich gestaltet; es werden dezidierte Satzcharaktere gestaltet, die in stimmiger Relation zueinanderstehen. Die Intonation ist makellos – und mehr als das: Sie ist wesentlicher Kern einer linearen Blüte von schönster Farbenpracht, dazu von belastbarer Sattelfestigkeit in bewegten Passagen. Das kleine Ensemble lotet artikulatorisch die gesamte Palette kammermusikalischer Möglichkeiten aus: Von der bereits angesprochenen edlen Lyrik bis zu zwingend bewegten Szene bleibt kein Wunsch offen. Die im Konzerthaus Blaibach entstandene Aufnahme wirkt gesammelt, ist von außerordentlicher Transparenz und in stimmiger Balance befindlich, greift die kammermusikalische Konstellation sehr überzeugend auf.

Ein frisch leuchtendes Porträt Berliner Kammermusik des mittleren 18. Jahrhunderts: Xenia Löffler und ihr feines Ensemble warten mit edler Oboen-Kost auf, die eine breite Hörerschaft verdient.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Oboe in Berlin: Xenia Löffler, Oboe

Label:
Anzahl Medien:
Accent
1
Medium:
EAN:

CD
4015023243774


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Bach, Carl Philipp Emanuel
Bach, Wilhelm Friedemann
Janitsch, Johann Gottlieb


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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