> > > Schumann: Lieder in historischen Aufnahmen: Lotte Lehmann, Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskauf u.a.
Samstag, 21. Mai 2022

Schumann: Lieder in historischen Aufnahmen - Lotte Lehmann, Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskauf u.a.

Gipfeltreffen des Liedgesangs


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Profil Hänssler bringt eine begeisternde Edition mit Liedern von Robert Schumann in historischen Einspielungen heraus.

Robert Schumann repräsentiert wie kaum ein anderer das deutsche romantische Kunstlied. Fast 300 Stücke hat er komponiert, es sind Gedichtvertonungen höchsten Ranges, von denen viele zum Kanon dieser Vokalgattung gehören. Gerade erst hat der Bariton Christian Gerhaher eine mustergültige Gesamtaufnahme auf elf CDs fast im Alleingang herausgebracht, zeitgleich erschien eine Edition des Labels Profil Hänssler, die einen gegensätzlichen Weg beschreitet. Auf vier Silberscheiben sind 46 Sängerinnen und Sängern aus vergangenen Zeiten zu hören, mehrheitlich in Einzeltiteln und fünf in kompletten Zyklen. Dabei tut sich eine Wundertüte an interpretatorischer Vielfalt und stilistischer Bandbreite auf, die zu reizvollen Vergleichen anregt. Die klanglich superb restaurierten Tondokumente umfassen einen Zeitraum von 1901 bis 1951, die älteste ist eine Aufnahme des russischen Tenors Nikolai Figner. Er ist einer jener Gesangslegenden in der Kollektion, deren Domäne eigentlich die Oper war. Sie haben einen eigenen Zugang zu Schumann, vergrößern die Lieder zu expressiven Arien. Wie Félia Litvinne, Frida Leider, Erik Schmedes und Leo Slezak, die im Wagnerfach zu Hause waren. Oder die Verismo-Diva Lucrezia Bori, die mit John McCormack das Duett „Unterm Fenster“ in kecker Buffomanier vorträgt - zu einem graziösen Orchesterarrangement, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend. Ihm ist auch der militärische Bläsersound zu Fjodor Schaljapins Auftrumpfen in „Die beiden Grenadiere“ geschuldet, und selbst Lotte Lehmann, als Opern- und Liedsängerin gleichermaßen bedeutend, verwendete 1938 für ihre Einspielung von „Frauenliebe und Leben“ eine kammermusikalisch instrumentierte Fassung. Im Original ist die niederländische Mezzosopranistin Julia Culp in einer Aufnahme von 1909 zu vernehmen, der wohl ersten des Zyklus und exemplarisch in der stimmlich reichen, verinnerlicht-kultivierten Wiedergabe.

Auch die „Dichterliebe“ gibt es zweimal. Der Bariton Gerhard Hüsch nahm sie 1936 auf, differenziert in Dynamik und Ausdruck, nobel in der Tongebung und absolut klar artikulierend. Eine ähnliche fabelhafte Diktion zeichnet den dänischen Tenor Aksel Schiøtz aus, der den Zyklus zehn Jahre später einspielte – lyrisch geschmeidig, voller Poesie und meisterhaft in der Einheit von Wort und Ton. Mit dem 1937 eingespielten Eichendorff-Liederkreis op. 39 ist der Wagnerbassbariton Friedrich Schorr vertreten, eine herausragende Demonstration an Kantabilität und natürlichem Stimmfluss. Viele weitere vokale Sternstunden sind zu erleben: Alice Raveau und Charles Panzéra bescheren sie in französischer Sprache. Überwältigend im strömenden Ebenmaß singt die Altistin „Aus der Heimat“, vollendet im Legato und der klanglichen Magie der Bariton den „Nußbaum“. Das gleiche Lied beseelt die Spanierin Victoria de los Angeles mit ihrer Engelsstimme.

Große Namen

Wer befindet sich noch in dieser Anthologie? Die Liste ist lang, gleichsam ein Defilee von einstigen Gesangsgrößen und anderen heute zu Unrecht Vergessenen. Unter ihnen: die russische Koloratursopranistin Lydia Lipkowska, die feinsinnige Lyrische Ria Ginster, die vielseitige Elisabeth Höngen, der Tenorstar Richard Tauber, der Oratorienspezialist Karl Erb und der intellektuelle Grande Dietrich Fischer-Dieskau. Jede und jeder von ihnen, gleich welchen Stimmtyps und -fachs, erschließt sich den Schumann-Kosmos auf individuelle Weise, alle jedoch besitzen die Tugend der plastischen Aussprache. Der Klaviersatz liegt in den Händen profilierter Pianisten. Das sind, um nur die bekanntesten zu nennen, Michael Raucheisen, Gerald Moore und Arthur Schnabel als musikalischer Partner seiner Ehefrau, der Altistin Therese Behr-Schnabel. In Personalunion präsentiert sich der 78-jährige Bariton Sir Georg Henschel. Bei „Die beiden Grenadiere“ und „Fein Rösslein“ begleitet er sich selbst am Tasteninstrument.

Wünsche bleiben bei dieser wunderbaren Zusammenstellung nur beim Booklet offen. Es enthält zwar eine erhellende Einführung in Schumanns Liedschaffen, jedoch nur Minimales zu den Biographien der Sängerinnen und Sänger. Dass es das Label in dieser Hinsicht viel besser kann, beweisen die exemplarischen Beilagen zur jüngst erschienenen „Carmen“ aus Dresden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann: Lieder in historischen Aufnahmen: Lotte Lehmann, Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskauf u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
4
Medium:
EAN:

CD
881488210255


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Schumann, Robert


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
Die Repertoire-Politik ist charakteristisch. Eine Auswahl erster internationaler Künstler finden sich im Programm von PROFIL ebenso wieder wie erfolgreiche Newcomer der Klassikszene, darunter das mehrfach preisgekrönte Klenke-Quartett, das in der Interpretation von Kammermusik in den letzten Jahren neue Maßstäbe setzen konnte.
Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
PROFIL: Ein Programm - eine Verpflichtung aus Tradition!


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