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Montag, 27. Mai 2019

Schostakowitsch, Dimtri - Piano Concertos

Magie des Pulses


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Nichts von nennenswertem künstlerischen Wert? habe er mit dem 2. Klavierkonzert geschaffen, schreibt Schostakowitsch im Februar 1957 an den Komponisten Edison Denisow. Doch die so häufig bei Schostakowitsch anzutreffende Diskrepanz zwischen seinen Äußerungen und der eigentlichen Wahrheit, bietet Raum zu Spekulationen. In der Tat wirkt sein Konzert nicht besonders kühn oder progressiv, wirkt mit seinen farbig-rasanten Ecksätzen fast eine Spur zu bühnenwirksam. Nun steht zwischen diesen zwei so nach vorne preschenden Teilen ein langsamer Mittelsatz, der in seiner klassischen Klarheit wie ein Leuchtturm sein Licht in die Dunkelheit wirft. Es ist eine sehr intime Innenschau, die Schostakowitsch da komponiert hat, ein Edelstein von dem er so tut als wäre er nur Glas, um ihn vor dem Außen zu beschützen. Und doch ist es der Moment, in dem Schostakowitsch alle Masken, alles falsche Pathos abwirft und sein Wesen offenbart. Vielleicht ist das genau der Grund, warum er sein Konzert im Vorfeld schon herunterspielt, es als Gelegenheitsarbeit ausgibt und damit der Kritik den Wind aus dem Segeln nimmt.

Der amerikanische Dirigent Andrew Litton am Pult des BBC Scottich Symphony Orchestra hat sich der beiden Klavierkonzerte Schostakowitschs angenommen und bietet ein wahres Feuerwerk an Rhythmus und Puls. Er und der Pianist Marc-André Hamelin entledigen sich aller romantischen Gesten und gestalten die Musik mit bestechender Klarheit und ungebremster Energie. Schon in den ersten Takten des 2. Konzertes wird deutlich mit welchem Impuls und welcher Triebkraft hier musiziert wird. Und trotzdem erstrahlt nach dem furiosen ersten Satz das Andante in reiner Zeitlosigkeit. Und anstatt sich dem sich anbietenden Kontrast zum drittem Satz hinzugeben, nehmen Litton und Hamelin die Idee der klassischen Transparenz auf und schaffen so eine Brücke zwischen den Gegensätzen.

Kühner, subjektiver gestaltet sich das 1. Klavierkonzert in dieser Einspielung. Bereits von Anfang an wird der doch sehr russische Tonfall gemieden und weicht einer fast ironisch-distanzierten Haltung. Bemerkenswert aber, dass dabei in keiner Weise der Eindruck einer fehlenden Stiltreue entstünde. Und der letzte Satz zeigt es; was man in der brillanten Aufnahme unter Ricardo Chailly vor einigen Jahren zu hören bekam, war ein virtuoses, rhapsodisches Bravourstück. Litton verzichtet völlig auf diesen Aspekt, nimmt die Musik metrisch streng beim Wort und entfernt damit das rhapsodierende Moment. Stattdessen konzentriert er sich auf den Humor und die vielen kleinen hingeworfenen Anspielung die Schostakowitsch diesem Satz einkomponiert hat. Sein Tempo grenzwertig schnell, doch durchaus musikalisch konsequent; konsequent vorallem dann, wenn er plötzlich ins andere Extrem verfällt und in ironisch dozierendem Tonfall den Humor im Kontrast sucht.

Ergänzt werden die beiden Konzerte Schostakowitschs durch das 1966 komponierte 2. Klavierkonzert Rodin Schtschedrins, der zu Russlands bekanntesten zeitgenössischen Komponisten zählt, sich in Europa jedoch noch nicht wirklich etablieren konnte. Das aber nicht der einzige Grund, der die Konzeption dieser Platte dramaturgisch sinnfällig macht. Gerade die ironische Distanz in der Interpretation des 1. Klavierkonzerts schafft eine Verbindung zu Schtschdrins Arbeit, die vom Duktus eigentlich Prokofieff näher steht als Schostakowitsch.
Als Komposition ist dieses an Ideen überquellende Klavierkonzert aus künstlerischer Sicht in höchstem Maße überzeugend. Schon der Titel des letzten Satzes ist Programm: ?Kontraste?. Es mischt sich eine spröde dodekaphon angelegte Klanglichkeit mit warmen Farbklängen, Gestisches verbindet sich mit Melodischen, verbindet sich zu größeren Zusammenhängen und dekomponiert sich schließlich im letzten Satz in ein wahlloses Drehen am Knopf des Radiogeräts, so dass plötzlich Elemente aus dem Swing die bisher gezeichnete Oberfläche durchbrechen.

Für die Nachhaltigkeit der Aufnahme mit Litton und Hamelin spricht ihre fesselnde Wirkung, ihre selbst am Ende noch unaufgebrauchten Energien. Damit präsentiert sie sich sowohl beseelt als auch intellektuell reizvoll und ist in höchstem Maße zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dimtri: Piano Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Hyperion
1
01.11.2003
63:13
2003
2003
EAN:
BestellNr.:

0034571174259
CDA67425


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Schostakowitsch, Dimitri
Shchedrin, Rodion
 - 1. Allegro moderato -
 - 2. Lento -
 - 3. Moderato -
 - 4. Allegro con brio -
 - 1. Allegro -
 - 2. Andante -
 - 3. Allegro -
 - 1. Dialogues: Tempo rubato -
 - 2. Improvisations: Allegro -
 - 3. Contrats: Andante - Allegro -


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Dirigent(en):Litton, Andrew
Orchester/Ensemble:BBC Scottish Symphony Orchestra
Interpret(en):Hamelin, Marc-André (Piano)
O'Keeffe, Mark (Trumpet)


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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