> > > Bodenschätze: Capella de la torre, Chorwerk Ruhr, Florian Helgath
Dienstag, 30. November 2021

Bodenschätze - Capella de la torre, Chorwerk Ruhr, Florian Helgath

Bodenschätze


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Chorwerk Ruhr und Capella de la Torre bringen üppige kompositorische Qualität weit über die großen Namen hinaus zu aufregendem Funkeln.

Das Florilegium Portense, also die Blütenlese wunderbarer Motetten aus Schulpforta, wurde in der Vergangenheit nicht selten belächelt, oft jedenfalls unterschätzt und als verzopfte Tradition abgetan. Seit einige Jahren wird diese Sammlung, vom Kantor Erhard Bodenschatz Anfang des 17. Jahrhunderts in mehreren Teilen herausgegeben, die auf umfangreichen Vorarbeiten des vormaligen Schulpförtner und späteren Thomaskantors Sethus Calvisius basierten, wieder deutlicher als wichtige Überlieferung geschätzt und vor allem mit diskografisch relevanten Einspielungen gewürdigt. Ein weiterer Beitrag zu dieser noch überschaubaren Reihe ist die aktuelle Platte des Chorwerk Ruhr mit Florian Helgath und der Capella de la Torre mit Katharina Bäuml bei Coviello Classics, die in Anspielung auf den Namen des barocken Sammlers und zugleich auf die Qualität der Sätze den sprechenden Titel ‚Bodenschätze‘ trägt.

Natürlich sind im Programm die bekannten Größen zu hören, etwa Orlando di Lasso, Giovanni Gabrieli, Hans Leo Hassler oder Jacobus Gallus, aber auch Stimmen wie die von Heinrich Hartmann sind hier überliefert: Denn neben den italienischen Größen bildet diese mitteldeutsche Kantorenlinie den zweiten großen Strang der Sammlung. Und Hartmann zeigt mit dem eindrucksvollen ‚Ist nicht Ephraim dein teurer Sohn‘, dass auch hier hohe Qualität zu finden ist.

Die feine Auswahl hebt mit Gabrielis mustergültigem ‚Jubilate Deo‘ an, das Doppelchörigkeit in idealer Ausprägung bietet; dazu treten weitere ‚Klassiker‘ wie Gallus‘ streng homophon-vierstimmiges ‚Ecce quomodo moritur‘ oder di Lassos kaum weniger beeindruckendes ‚Tristis est anima mea‘. All das vollzieht sich überwiegend vokal-instrumental, abgewechselt von einigen instrumentalen Interludien von Alessandro Orologio, Tarquinio Merula und Johann Kaspar Kerll, die delikater Spielfreude reichlichen Raum geben.

Vereinte Kräfte

Und das nicht zu knapp: In der Besetzung mit Schalmeien, Zink, Posaunen, Dulzian, Violone, Orgel und Theorbe beweist die Capella de la Torre alle Vorzüge klarer Zeichnung und gestisch behänden Spiels auf höchstem Niveau. In Kerlls ‚Intrada Battaglia‘ ist eine so ausgeprägte Ensemblevirtuosität zu erleben, dass selbst übellaunige Kritik schamvoll verstummen müsste. An keiner Stelle wird in dieser so farben- und strukturreichen Musik ein Mangel instrumentaler Grenzen verwaltet – vielmehr werden die reichen Möglichkeiten souverän und lustvoll ausgespielt.

Das von Florian Helgath geleitete Chorwerk Ruhr singt mit 28 Stimmen, was angesichts der bis zu achtstimmigen Kompositionen keine übergroße Besetzung ist, aber dennoch durchgehend und deutlich chorische Wirkung entfaltet. Zu hören sind luzide, jugendlich schlanke Register von einiger Strahlkraft und eher weich konturierter Gestalt, dennoch klar und angemessen plastisch in der Wirkung. Die oft dichten Gewebe spinnen sie mit zartem Faden. Vor allem die acht Sopranstimmen sind von ausgesuchter Schlankheit und muten beinahe wie Knabenstimmen an – womit sie symbolisch auch an die vermutliche Musizierpraxis in Schulpforta anknüpfen.

Vibrierend energisch

Die Tempi sind bewegt, im besten Sinne nie langweilig – mitentscheidend für den Eindruck der Frische, der das ganze Programm bestimmt. In maximaler Varianz der musikalischen Kräfte wird ein abwechslungsreiches dynamisches Tableau entfaltet, vom Plenum voller Saft und Kraft bis zu Passagen voller Zartheit, gar Zerbrechlichkeit. Intoniert wird in alle Sphären frei und selbstverständlich, auch in größerer Akkordschichtung und geweiteter Lage. Rein instrumental ist viel kleinteiliges Spiel zu erleben, geradezu vibrierend energisch. Vokal sind die Texte präsent und mehr als nur ein Vehikel für präzise Diktion. Das Klangbild nimmt die vielschichtige Energie der Präsentation gelungen auf, hat Struktur und räumliche Tiefe.

Das Florilegium Portense – eine Sammlung nicht nur für die Knaben in Schulpforta und weit mehr als müde Tradition: Chorwerk Ruhr und Capella de la Torre bringen üppige kompositorische Qualität weit über die großen Namen hinaus zu aufregendem Funkeln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bodenschätze: Capella de la torre, Chorwerk Ruhr, Florian Helgath

Label:
Anzahl Medien:
Coviello Classics
1
Medium:
EAN:

CD
4039956921127


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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