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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Werke von Bohuslav Martinu - Prague Radio Symphony Orchestra, Tomas Netopil

Prachtvolle orchestrale Spätwerke


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tomáš Netopil und das Radio-Symphonieorchester Prag präsentieren fünf Werke aus der Feder ihres Landsmannes Bohuslav Martinů und können dabei vollauf überzeugen.

Einen Komponisten als 'Vielschreiber' zu bezeichnen ist eine bequeme Ausrede. Man muss sich dann nämlich nicht mit seinem umfangreichen Werk auseinandersetzen und behauptet einfach ungeprüft, wer viel komponiert, könne ja wohl keine durchgehend hohe Qualität abliefern – oder etwa doch? Nicht nur Milhaud und Hindemith mussten sich diesen Vorwurf gefallen lassen, sondern auch Bohuslav Martinů (1890 – 1959), dessen Werkverzeichnis fast 400 Einträge umfasst. Dass darunter auch schwächere Stücke sind, würde niemand im Ernst bestreiten. Aber die Mehrzahl der Kompositionen Martinůs zeugt von einer höchst inspirierten Klangphantasie und einer genauen Kenntnis der jeweils verwendeten Instrumente – auf der vorliegenden CD ist dieses 'Instrument' das Symphonieorchester, für das der Komponist vor allem in seinen späteren Jahren (die erste Symphonie z. B. schrieb er erst 1942) herausragende Werke geschaffen hat.

Ein Beispiel für ein erfolgreich im Repertoire etabliertes Orchesterwerk Martinůs sind die drei 'Fresken des Piero della Francesca' von 1955, während die anderen vier hier versammelten Stücke doch eher als Raritäten bezeichnet werden dürfen: Eine kurze Ouvertüre (1953), die Tondichtung 'Der Felsen' (1957) sowie die beiden späten Werke 'Parables' und 'Estampes' aus den Jahren 1957 und 1958. Tomáš Netopil leitet das Radio-Symphonieorchester Prag und schließt damit an die Tradition seiner Landsleute Karel Ancerl und Rafael Kubelik an, die sich ebenfalls intensiv für Martinůs Schaffen eingesetzt haben.

Expressive Wucht

Die Ouvertüre ist das einzige der hier zu hörenden Werke, dem man nicht höchste kompositorische Qualität zubilligen würde. Der klanglich geschärfte, abwechslungsreiche Tonfall des Tschechen, der alle anderen Stücke der CD auszeichnet, fehlt hier ein wenig – das Stück plätschert ohne größere Höhepunkt vor sich hin. Netopil und das tschechische Orchester musizieren ohne Fehl und Tadel, können aber die fehlende innere Dramatik der Ouvertüre dadurch nicht ausgleichen. Von da an, also ab Track 2, herrscht aber eitel Sonnenschein: Vor allem in den 'Fresken' brillieren Dirigent und Orchester mit einer expressiven Wucht, die einen Vergleich mit Mahler und Strauss nicht scheuen muss. Das mit einer Spieldauer von unter 20 Minuten recht kompakte Werk vereint auf engem Raum ein großartiges Ausdrucks-Spektrum und wird mit höchster Intensität vorgetragen. Wie differenziert Martinů komponieren konnte, zeigt dann gleich das folgende Stück, der 'Fels' – betitelt als 'symphonisches Prelude' für Orchester. Zwischen der Dramatik der 'Fresken' und diesem Werk scheinen Welten zu liegen, die orchestrale Sprache ist nun reduzierter, aber immer noch von höchster Raffinesse – wenn auch vielleicht eine Spur glatter. Dass es Netopil und den Prager Musikern gelingt, diese Unterschiede hervorzuheben, ohne den Spannungsbogen abreißen zu lassen, ist ein besonderer Höhepunkt dieser Veröffentlichung.

'Parables' und 'Estampes' wirken auf den ersten Blick etwas karger, weniger sinnlich, zeigen aber immer noch einen Komponisten auf der Höhe seiner Kunst – gerade in den immer wieder abwechslungsreichen Holzbläser-Passagen, die von den Orchestermusikern in höchster Brillianz vorgetragen werden. Dass die Stücke nicht viel häufiger zu hören sind, dürfte wohl vor allem an ihrem historischen Kontext liegen: In den 1950er Jahren galt der weitestgehend tonal komponierende Martinů (wie viele seiner Zeitgenossen) als hoffnungslos veraltet, der Blick vieler (nicht aller) Kollegen galt der Moderne eines Schönberg oder Strawinsky.

Schon zum 100. Geburtstag des Tondichters 1990 als auch beim Gedenken an seinen 50. Todestag 2009 war allerdings eine gewisse Renaissance seines Werkes zu beobachten, die sich seither ungebremst fortsetzt. Jenseits einer (ohnehin etwas antiquiert wirkenden) Diskussion um Tradition und Fortschritt kann man heute beim Blick auf die hier versammelten Werke feststellen, dass zumindest im Fall Martinůs eine alte musikalische Weisheit gilt: Qualität setzt sich immer irgendwann durch. Wenn auch, leider, oft erst nach dem Tod des Komponisten. Nicht vergessen werden soll schließlich, dass zu den Vorzügen dieser Silberscheibe – neben einem bestens aufgelegten Orchester – auch ein exzellentes Klangbild zählt. Besser, differenzierter, kann man diese Stücke kaum darbieten.

 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Werke von Bohuslav Martinu: Prague Radio Symphony Orchestra, Tomas Netopil

Label:
Anzahl Medien:
Supraphon
1
Medium:
EAN:

CD
099925429522


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Martinu, Bohuslav


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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